Jörg Kachelmann
© Reuters Jörg Kachelmann

Prozess um Jörg Kachelmann Polizistinnen glauben der Ex von Kachelmann

Am fünften Tag des Prozesses gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann wurden weitere Zeugen vernommen. Zu Wort kamen die Polizistinnen, die das mutmaßliche Opfer als erste vernahmen - und für glaubwürdig hielten

Am fünften Verhandlungstag im Prozess um die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Moderator Jörg Kachelmann sagten Polizistinnen, ein Haftrichter und eine Ex-Geliebte aus. Menschen, die mit mutmaßlichem Opfer und mutmaßlichem Täter im direkten Umfeld des Geschehens Kontakt hatten und deswegen den Richtern wertvolle Hinweise auf der Suche nach der Wahrheit liefern sollen.

Dazu gehören zwei Polizistinnen, die die Ex-Freundin des Wettermoderators bei und nach ihrer Anzeige mehrfach vernommen haben. Am Morgen des 9. Februar kam das mutmaßliche Opfer mit seiner Mutter auf die Wache, nur Stunden, nachdem Jörg Kachelmann es vergewaltigt haben soll. Die Frau hatte einen Plastiksack dabei, in dem Strickkleid und Slip waren, die sie in der Nacht getragen hatte. Sie sei bei der Vernehmung "fix und fertig" gewesen, berichtete eine Beamtin, sie habe geweint und "ihr ganzer Körper hat vibriert". Die Frau sei peinlich berührt gewesen, den Namens dessen zu nennen, den sie beschuldigt. Sie habe allgemein sehr emotional reagiert.

Eine zweite Polizistin berichtete von einer Videovernehmung. Dort sei das mutmaßliche Opfer in einem sehr schlechten körperlichen Zustand gewesen, habe kaum die Treppen steigen können. Die Beamtin erzählte den Richtern auch, wie überzeugend und detailreich die junge Frau ihre Angst in der Vergewaltigungssituation geschildert habe.

In den psychologischen Befragungen hingegen soll genau diese Detailliertheit gefehlt haben und die Gutachter der Verteidigung finden die Kachelmann-Ex daher unglaubwürdig. Den psychologischen Gutachter Tilman Elliger hatte die Verteidigung allerdings zurückgezogen, angeblich aus formellen Gründen und mit dem Vorbehalt, ihn später vielleicht wieder zu benennen. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Befangenheitsantrag gegen ihn gestellt, weil er an einer Party zu Kachelmanns Haftentlassung teilgenommen haben soll.

Die Polizistinnen bestätigten auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, dass sie die Aussage der Frau für glaubwürdig gehalten haben. Beide haben Erfahrung mit Vergewaltigungsfällen. Nicht einleuchtend hingegen sei Kachelmanns erste Aussage zur Tatnacht gewesen, gab danach der Haftrichter, ein Amtsrichter aus Mannheim, zu Protokoll. Für einen falsch Beschuldigten sei Kachelmann auch nicht empört genug gewesen. Er habe keinen Zweifel am Tatverdacht gehabt und deshalb die Haft angeordnet.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde dann ein zweites Mal die Freundin des 52-jährigen Schweizers vernommen, die ihn nach seiner Rückkehr aus Kanada am Flughafen abholte - die Situation, in der er verhaftet wurde. Kachelmann folgte den Aussagen nach Medienberichten meist ohne sichtbare Regung. Dass ihm der fünfte Prozesstag nicht gut getan hat, weiß er aber sicherlich auch. Ein Urteil wird nicht vor Dezember erwartet.

cfu