Prinzessin Letizia
© Getty Prinzessin Letizia

Prinzessin Letizia Kann das Mitgefühl ihr wirklich helfen?

Letizia von Spanien trauert um ihre kleine Schwester Erika, die sich das Leben nahm. Den Beistand der spanischen Königsfamilie braucht Letizia jetzt mehr denn je. Auch weil Experten sich Sorgen um das Kind machen, das sie im Mai erwartet

Habe ich versagt? Hätte ich mich mehr kümmern müssen?

Warum tut sie mir so etwas an? All dies sind Fragen, die Letizia von Spanien, 34, jetzt, eine Woche nach dem plötzlichen Tod ihrer Schwester, quälen dürften - zusätzlich zum Schmerz über den schrecklichen Verlust. Seit Monaten hatte Erika, 31, die ihre sechsjährige Tochter Clara zurücklässt, unter Depressionen und Angstzuständen gelitten. Der Obduktionsbericht legt nahe, dass sie sich mit einer Überdosis Beruhigungstabletten das Leben genommen hat. Neben ihrem Bett wurden leere Medikamentenschachteln und Abschiedsbriefe an verschiedene Familienmitglieder gefunden.

"Jeder Mensch macht sich Vorwürfe, wenn in der eigenen Familie jemand Selbstmord begeht", erklärt die renommierte Hamburger Psychologin Heidrun Brauer im Gespräch mit GALA. "Für Letizia ist das eine Katastrophe, das ist zu viel für eine Schwangere." Im Mai erwartet Letizia ihr zweites Kind, eine Tochter. Bis dahin wird sie Tag und Nacht von Ärzten überwacht, aus Sorge, der Schock könne frühzeitige Wehen auslösen. Schon Letizias erstes Kind, Prinzessin Leonor, 1, kam mit einem Not-Kaiserschnitt zur Welt. "Man muss befürchten, dass Letizia nach der Geburt eine postnatale Depression entwickelt. Schuldgefühle resultieren oft in Depressionen", so Brauer.

Er hielt seine Frau ganz fest: Kronprinz Felipe mit Letizia bei der Trauerfeier für Erika Ortiz
© GettyEr hielt seine Frau ganz fest: Kronprinz Felipe mit Letizia bei der Trauerfeier für Erika Ortiz

Schnelle Trauerfeier

Besonders belastend für Letizia: die Trauerfeier am vergangenen Donnerstag, nur 27 Stunden, nachdem Erika tot im Schlafzimmer gefunden worden war. Obwohl schnelle Beerdigungen in Spanien nichts Ungewöhnliches sind, erstaunt die Eile. Schließlich war Königin Sofia zum Zeitpunkt der Einäscherung noch auf dem Rückflug von Indonesien, und Letizias ältere Schwester Telma, die für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" arbeitet, befand sich auf der Rückreise aus Manila. Die anderen Angehörigen hatten sich im strömenden Regen auf dem Friedhof vor den Toren Madrids versammelt. Wie wichtig Letizia mittlerweile für die spanische Königsfamilie ist, merkte man daran, wie sehr sie in ihrer schwersten Stunde unterstützt wurde. Als Infantin Cristina ihre Schwägerin umarmte, brach Letizia in Tränen aus. König Juan Carlos, der extra vorzeitig von der Medienpreisverleihung in Baden-Baden zurückgekehrt war, küsste sie liebevoll auf die Wange.

"Danke an alle Menschen, die mir ihr Mitgefühl gezeigt haben", wandte sich Letizia anschließend an die Journalisten, dann versagte ihr die Stimme. Kronprinz Felipe drückte tröstend den Arm seiner Frau und ergänzte: "Danke für Ihr Verständnis und die Anteilnahme."

Ganz Spanien trauert mit Letizia

Sie und Erika standen einander sehr nahe. Vor ein paar Jahren bot die Kronprinzessin ihrer Schwester an, mietfrei in ihrer Eigentumswohnung in Madrids Vorort Vicalvaro zu wohnen. Immer wieder soll sie Erika, die nach dem Kunststudium den beruflichen Durchbruch nicht schaffte, finanziell unter die Arme gegriffen haben. Kurzzeitig engagierte Letizia sie als persönliche Assistentin, dann bekam Erika einen Job als Ausstatterin bei der TV-Produktionsfirma Globomedia. Auch nur eine Gefälligkeit für die Kronprinzessin? Wiederholt verteidigte Letizia ihre Schwester gegen den Vorwurf, Erika profitiere von ihrer Verbindung zur Königsfamilie, leiste selbst aber kaum etwas. Auch wenn Letizia und Telma stets versuchten, die Jüngste an den eigenen Erfolgen teilhaben zu lassen - im Vergleich zu ihnen muss sie sich wie das hässliche Entlein vorgekommen sein. Von Telma schwärmte die Presse als "schönste Frau Spaniens", vor zwei Jahren verzauberte die umtriebige Wirtschaftswissenschaftlerin mit ihrem Charme und Glamour angeblich sogar Albert von Monaco. Und Letizias Werdegang dürfte wohl so gut wie jedes Mädchen vor Neid erblassen lassen: Erst machte sie in kürzester Zeit als TV-Journalistin und Moderatorin Karriere, dann heiratete sie auch noch den begehrtesten Junggesellen des Landes, den spanischen Kronprinzen.

Erika hingegen galt auch privat als Pechvogel. Der Vater ihrer Tochter, Bildhauer Antonio Vigo, konnte die Familie weder ernähren, noch war er bereit zu heiraten. Lange lebten die drei bei Letizias Mutter in Asturien. Im vergangenen Sommer trennte sich der 34-Jährige von Erika, angeblich um ein Kunstprojekt in Uruguay zu realisieren. Für Erika war das der Beginn ihrer Krise, monatelang war sie krank geschrieben. Nach Weihnachten ging sie wieder zur Arbeit, blieb in den Tagen vor ihrem Tod aber erneut zu Hause. "Trennungen führen oft zu Depressionen, besonders, wenn man unter starken Verlustängsten leidet", erklärt Heidrun Brauer. "Dazu kommen womöglich Minderwertigkeits- und Schuldgefühle, weil Erika nicht verheiratet war, weil der Mann sie verlassen hat, weil kein Geld da war. Weil sie ihrer Tochter kein besseres Leben bieten konnte und Angst hatte, keine gute Mutter zu sein." Jetzt soll Clara zunächst einmal zu ihrem Vater ziehen, der übrigens auch zu Erikas Beerdigung kam. Zwar hängt Letizia sehr an ihrer Nichte, aber Insider halten es für unwahrscheinlich, dass die Kleine im königlichen Palast aufwachsen wird. Am Hof sind sich alle einig: Die schwangere Kronprinzessin sollte sich in den nächsten Monaten vor allem um sich selbst kümmern. Brauer: "Der Familienzusammenhalt ist jetzt sehr wichtig. Letizia muss sich geborgen fühlen." Die Verwandschaft weiß um diese Verantwortung. Kronprinz Felipe, Königin Sofia und König Juan Carlos haben ihre nächsten Termine vorsorglich abgesagt.