Prinzessin Aiko von Japan
© Corbis Prinzessin Aiko von Japan

Prinzessin Aiko F wie Freiheit

Vor ein paar Jahren war das noch undenkbar: Japans kleine Prinzessin Aiko lernt jetzt ganz entspannt das Lesen und Schreiben

Prinzessin Aiko mit ihren Eltern in traditionellem Gewand
© CorbisPrinzessin Aiko mit ihren Eltern in traditionellem Gewand

Wenn die Lehrerin fragt,

was Aiko einmal werden will, muss die kleine Japanerin vermutlich ziemlich lange überlegen. Tierärztin vielleicht? Oder Weltraumforscherin? Diplomatin, wie ihre Mama? Oder wird sie einmal wie der Papa Geschichte studieren? Die Welt steht der Kleinen offen. Nur eines wird sie gewiss nicht: Kaiserin von Japan. Und das ist gut so.

Mit der Geburt von Aikos Cousin Hisahito vor eineinhalb Jahren ist eine große Last von der kleinen Familie des japanischen Kronprinzen Naruhito, 48, gefallen. Endlich standen er und seine Frau Masako, 44, nicht mehr unter dem Druck, dringend einen Sohn zeugen zu müssen, um zu verhindern, dass mit Aiko zum ersten Mal seit 200 Jahren wieder eine Frau den Chrysanthemen-Thron besteigt. Ein Großteil der Japaner hätte das zwar begrüßt, die Konservativen hatten allerdings heftig gegen die bereits eingeleitete Änderung der Thronfolge-Regelung protestiert.

Prinzessin Masako und die kleine Aiko verzichten gerne auf den höfischen Pomp
© CorbisPrinzessin Masako und die kleine Aiko verzichten gerne auf den höfischen Pomp

Die sechsjährige Aiko selbst kann seitdem entspannter in die Zukunft blicken. Es besteht Hoffnung, dass sie nicht im goldenen Käfig gefangen sein wird und sich ihren Veranlagungen gemäß frei entwickeln kann. Genau das wünscht sich ihre Mutter so sehr für sie. Keine weiß besser als Masako, wie sehr das strenge japanische Hofzeremoniell die eigene Persönlichkeit einschränken kann. Beinahe wäre die einst so lebensfrohe und erfolgreiche Frau daran zerbrochen, dass nach ihrer Hochzeit mit dem Kronprinzen vor knapp 15 Jahren weder ihre Bildung noch ihre glänzende Karriere im Auswärtigen Dienst fortan von Bedeutung waren. Dabei hatte die Tochter eines Diplomaten ihr Wirtschaftsstudium in Harvard mit Auszeichnung abgeschlossen; sie spricht fünf Sprachen fließend und hat in Russland, England und den USA gelebt - alles egal. Jetzt war sie nur noch eine Prinzessin, die keinen Stammhalter zur Welt bringen konnte. Ihr Frust und ihre Enttäuschung wuchsen zu schlimmen Depressionen heran, die Masako die Öffentlichkeit fast zwei Jahre lang meiden ließen. Dieses Schicksal bleibt Aiko nun erspart. Sie soll in die Fußstapfen ihrer modernen und weltgewandten Eltern treten, ohne ihr Wesen jemals hinter höfischem Benimm verstecken zu müssen. Sie soll mindestens so schlau werden wie Mama - nur glücklicher, das wäre Masakos Wunsch. Doch bis dahin lernt Aiko erst einmal, wie man "Freiheit" schreibt.