Owen Wilson
© Getty Owen Wilson

Owen Wilson Hollywood steht ihm bei

Owen Wilson versteckte seine Depressionen hinter der Maske des Sonnyboys. Nach seinem Selbstmordversuch wollen Kollegen und Bekannte ihm jetzt wieder auf die Beine helfen

Achte Etage Cedars-Sinai Medical Center,

Los Angeles. Auf dem Flur herrscht ein Star-Auftrieb wie bei den Oscar-Verleihungen. Nur die Stimmung ist nicht dieselbe. Samuel L. Jackson schleicht in Shorts und Schlapphut den Gang entlang, redet kurz mit Basketball-Legende Magic Johnson, der nervös mit dem Fuß auf dem Linoleumboden dribbelt. Sie wissen noch nicht genau, wie es ihrem Kumpel im Krankenzimmer geht. Bis jetzt nur so viel: Owen Wilson ist über den Berg, also nicht mehr in Lebensgefahr.



Biografie in Bildern: Owen Wilson - Der traurige Sunnyboy



Später gesellt sich Hollywood-Haudegen Woody Harrelson dazu. Er hat Blumen mitgebracht. Und ein schlechtes Gewissen. Erst vor wenigen Wochen war Owen Wilson, 38, noch sein Gast im Ferienhaus auf Hawaii. Hat sich gekrümmt vor Trauer, Liebeskummer und Schmerz. Hat versucht, seine Depressionen mit Whiskey zu betäuben. Und er, sein Freund Woody, hat ihn immer wieder beruhigt: "Das wird schon wieder." Von wegen. Nun liegt Owen im Krankenhaus. Mit aufgeschnittenen Pulsadern. Und einer tief verwundeten Seele.

Samuel L. Jackson besucht seinen guten Freund Owen Wilson nach seinem Suizid-Versuch im Krankenhaus
© GettySamuel L. Jackson besucht seinen guten Freund Owen Wilson nach seinem Suizid-Versuch im Krankenhaus

Besonders Owens Brüder Luke, 35, und Andrew, 43, sind fassungslos über den Selbstmordversuch ihres Bruders. Glaubten sie doch, Owen gut zu kennen. Sie waren schließlich ein eingeschworenes Team. Das "Fratpack", wie man sie in Anlehnung an das legendäre Ratpack um Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. scherzhaft nannte. Oft zogen die Wilsons zusammen um die Häuser, feierten, flirteten, gingen bowlen oder fuhren Skateboard. Hatten Spaß, weil man mit Owen, dem Clown, eigentlich nur fröhlich sein konnte. Wie sollten sie ahnen, dass ihr Bruder in Wahrheit wie ein Hund unter seinem Sonnyboy-Image litt? Sich und sein Leben überhaupt hasste? Auch Freunde bemerkten nichts. Oder nahmen die vielleicht versteckten Hilferufe nicht wahr oder zumindest nicht ernst.

Jetzt machen sich alle umso mehr Sorgen. Kumpel wie Vince Vaughn, Jack Black, ­Samuel L. Jackson schmieden bereits Pläne, wie sie Owen künftig unterstützen können. Der erste Schritt: ihm besser zuhören, ihn mit anderen Augen sehen. Filmpartner und Freund Ben Stiller, der sich an seiner Seite durch insgesamt acht Klamotten wie "Zoolander" oder "Starsky & Hutch" kalauerte, hob in Interviews stets Owens grandiosen Humor hervor. "Er ist der lustigste Kerl, den ich kenne." Offenbar kannte Ben Stiller ihn nicht gut genug.

Woody Harrelson ist seit langem ein guter Freund von Owen Wilson
© GettyWoody Harrelson ist seit langem ein guter Freund von Owen Wilson

Owen Wilson galt als Spaßvogel Hollywoods. Und das auch nach Drehschluss. Doch jahrelang, das kam jetzt heraus, konnte er die in ihm gärenden Depressionen nur mit Medikamenten zügeln. Heimlich schluckte er Pillen und Hochprozentiges, um auf den Gute-Laune-Pegel zu kommen, den man von ihm erwartete. Bloß nichts von Ängsten, Trauer, Tränen preisgeben! Selbst sein Onkel Joe, in dessen Haus in Santa Monica Owen ein Apartment bewohnte, schöpfte keinen Verdacht.

Der allgemeine Schock und auch die Anteilnahme ist aus allen diesen Gründen besonders groß. Weil es so plötzlich, so überraschend geschah. Zumal Owen "ein guter Junge" ist, wie Nachbarin Betty Miller der amerikanischen Presse versicherte. Und einem guten Jungen hilft man natürlich, wenn er in Not ist. Sogar viele seiner Ex-Freundinnen - denen der Womanizer meist den Laufpass gab - stehen nun Schlange an seinem Krankenbett, um ihn aufzumuntern. "Das hat er nicht verdient", klagt etwa das 20-jährige Model Amber Hay. Designerin Stephanie Conley, die noch im Juli mit Owen in Frankreich Urlaub machte, ist ratlos: "Er schien doch so glücklich..."

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