Oscar 2012

Hollywood im Goldrausch

Freudentränen, Siegeslachen, stille Momente der Dankbarkeit und laute Partys - so emotional war die 84. Oscar-Nacht

Meryl Streep und Jean Dujardin

Meryl Streep und Jean Dujardin

Zusammen waren sie einfach unschlagbar:

Französischer Charme traf amerikanische Klasse, fast kindliche Euphorie stand routinierter Freude gegenüber. Ach, bitte, und , dreht doch unbedingt einen gemeinsamen Film!

Spaß muss sein: Sandra Bullock, die für ihren Humor berühmt ist, gönnte ihrem Kollegen Chris Evans keine Verschnaufpause. Dass i

Spaß muss sein: Sandra Bullock, die für ihren Humor berühmt ist, gönnte ihrem Kollegen Chris Evans keine Verschnaufpause. Dass ihr Film "Extrem laut und unglaublich nah" keinen Oscar bekam, verdarb ihr keineswegs die gute Laune.

Es war einfach zu schön, mit anzuschauen, wie gut die beiden Hauptdarsteller sich in der Oscar-Nacht verstanden. Beide gerade mit dem wichtigsten Filmpreis der Welt ausgezeichnet, feierten sie sich und ihren Erfolg, als gäbe es kein Morgen. Dujardin ("The Artist"), der Shootingstar aus Frankreich, demonstrierte dem etablierten eindrucksvoll, wie sehr er der Filmfamilie bisher gefehlt hat. Formvollendet küsste er Meryl Streep ("Die Eiserne Lady") die Hand, führte sie galant an Fotografen und Gratulanten vorbei und flüsterte ihr später auf dem "Governors Ball" immer wieder Komplimente ins Ohr. Was für eine Kombi, die uns die 84. Award-Verleihung da beschert hat: die 62-jährige Grande Dame aus New Jersey, die bei 17 Nominierungen den dritten Goldjungen abholte - erst den dritten, sagten viele - , und der international noch unerfahrene Charmeur, 39, vom Erfolg seines Stummfilms selbst immer noch überwältigt. Als er die Trophäe auf der Bühne entgegennahm, gewann er die Herzen der Zuschauer im Sturm, machte den Amerikanern erst mal ein Kompliment ("Ich liebe euer Land"), steppte in Anlehnung an den Film eine Runde und rief immer wieder "formidable". Sein kaum verständliches Englisch verzauberte das Publikum nur noch mehr.

Lange nicht mehr gesehen: Victoria Beckham  (r., in einer Eigenkreation) und Katie Holmes (in Elie Saab) nutzten die Gelegenheit

Lange nicht mehr gesehen: Victoria Beckham (r., in einer Eigenkreation) und Katie Holmes (in Elie Saab) nutzten die Gelegenheit zum Girls Talk, Tom Cruise lauschte.

Erfrischend und unverdorben, dazu blendend aussehend. Ein großartiger Neuzugang fürs US-Showbiz! Genauso sympathisch wie Dujardin wirkte Streep in dieser Nacht. Routiniert gibt sie Interviews und schreibt Autogramme, als sie um zwei Uhr deutscher Zeit über den Roten Teppich ins "Hollywood & Highland Center", das ehemalige "Kodak Theatre", schreitet. Ihre golden glänzende Robe von Lanvin scheint ein Vorbote zu sein. Spätestens bei ihrer Dankesrede fühlt man sich an die Worte von Regisseur erinnert: "Meryl Streep sieht immer so aus, als habe sie eine Leuchtkugel verschluckt." Dieses Strahlen merkt man nicht nur auf der Leinwand; jeder der sie einmal erlebt hat, spürt diese Faszination. Gar nicht eisern, sondern um Fassung ringend und mit Tränen in den Augen dankt sie als erstes ihrem Ehemann, dem Bildhauer Don Gummer (über 30 Jahre glücklich, vier Kinder!): "Wenn ich dir erst am Ende danke, spielen sie schon die Rauswerfmusik. Alles, was mir etwas bedeutet in meinem Leben, hast du mir gegeben." Fast so berührend war die anschließende ausgiebige Würdigung ihres langjährigen Visagisten und Coiffeurs J. Roy Helland, der den Make-up-Oscar gewann.

Oscar 2012

Partymarathon

Octavia Spencer und Meryl Streep
Jean Dujardin mit seiner Frau Alexandra Lamy
Glenn Close und Michelle Williams
Cameron Diaz und Kate Hudson

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Heidi Klum rockte die Party von Elton John mit Kollegin Bar Refaeli (in Roberto Cavalli). In ihrem quietschgelben Minidress von

Heidi Klum rockte die Party von Elton John mit Kollegin Bar Refaeli (in Roberto Cavalli). In ihrem quietschgelben Minidress von Versace wollte Heidi dem Trennungsschmerz keine Chance geben.

Nach rund 40 Filmen in 35 Jahren könnte man meinen, Meryl Streep ließe es etwas langsamer angehen, das Gegenteil aber ist der Fall: "Ich spüre, dass ich enorme Energiereserven besitze. Was übrigens für viele Frauen meines Alters gilt. Wir verstehen mehr, wir lieben mehr, unser Lebenshunger ist größer, und deshalb haben wir auch mehr zu geben. Denn wir wissen, dass unsere Zeit begrenzt ist." Eigentlich hatte Meryl Streep schon vor 20 Jahren mit ihrem Karriere-Aus gerechnet. "Kurz vor meinem 40. Geburtstag habe ich meinem Mann vorgeschlagen, einen Altersruhesitz zu suchen. Damals wurden mir drei Projekte angeboten, in denen ich jeweils eine Hexe spielen sollte. Drei Hexen! Das war alles!" Zum Glück ist sie dran geblieben, hatte einen langen Atem für Rollen wie "Der Teufel trägt Prada", "Mamma Mia!" oder "Die Brücken am Fluss".

Jetzt ist erst mal Pause. Nach den Oscars kann sie wieder Meryl sein. Ungeschminkt, ohne Blitzlichtgewitter und ohne viel Tamtam. Die Frau, der ihre Familie über alles geht: "Ich habe meinen sicheren Hafen gefunden! Meine Familie ist ein wahrer Segen, ich kann mich sehr glücklich schätzen." Einen Eindruck, wie bodenständig sie ist, gewährte sie auf der Oscar-Party von Kino- Mogul im Hotel "Mondrian". Dort konnte man beobachten, wie sie zu später Stunde herzhaft in einen fetten Burger biss, den Oscar fest in der anderen Hand. So feiern echte Stars.

Hili Ingenhoven/Tatjana Detloff

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