Martin Scorsese gewinnt seinen ersten Oscar
© Getty Martin Scorsese gewinnt seinen ersten Oscar

Oscar 2007 "Unter Feinden" unter Freunden

Martin Scorseses Mafiathriller "Departed - Unter Feinden" ist der Gewinner der Oscarnacht: Vier Goldjungs, darunter die in den wichtigen Kategorien "Bester Film" und "Beste Regie", gingen an den Gangsterstreifen. Und auch die deutsche Oscartruppe konnte sich freuen

Um 6.15 Uhr deutscher Zeit ging im Kodak Theatre

in Los Angeles gerade die Verleihung der 79. Academy Awards, nach der Trophäe liebevoll Oscars genannt, ihrem Ende entgegen. Und für Altmeister Martin Scorsese erfüllte sich ein mehr als ein Vierteljahrhundert alter Traum: Nach sieben Nominierungen ohne Preisgewinn, die erste davon 1981 für das Boxerdrama "Raging Bull", durfte er dieses Jahr erstmals als strahlender Sieger die Bühne betreten. Gleich drei würdige alte Herren standen bereit, ihm den Oscar für die beste Regie in die Hand zu drücken: die Regiekollegen Steven Spielberg, George Lucas und Francis Ford Coppola. Noch mehr als die drei alten Weggefährten freute sich aber Jack Nicholson hinter den Kulissen, der Scorsese, als der die Bühne verließ, erst einmal kräftig knuddeln musste. Auch darauf hatte der Regisseur sicherlich lange gewartet.

Das ist der Siegerfilm: "Departed - Unter Feinden"

Deutscher Sieger: Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck
© GettyDeutscher Sieger: Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck

Ein Oscar für "Das Leben der Anderen"

Zweiter großer Gewinner des Abends: das mexikanische Horrormärchen "Pans Labyrinth" von Guillermo del Toro. Nach Mexiko gingen die Trophäen für Kamera, Ausstattung und Make-up. Die Dichte an untersetzten bärtigen Männern auf der Oscarbühne dürfte selten höher gewesen sein.

In der Kategorie des "Besten ausländischen Films" musste sich "Pans Labyrinth" allerdings - zur großen Freude der deutschen Oscardelegation - dem Stasidrama "Das Leben der Anderen" geschlagen geben. Zum dritten Mal ging damit ein Oscar nach Deutschland. Der 33-jährige Regisseur Florian Henckel von Donnersmark dankte überglücklich Deutschland, Bayern, seinen Hauptdarstellern Ulrich Mühe und Sebastian Koch und nutzte die Gelegenheit für eine weltweite Liebeserklärung an seine Frau Christiane.

Wenig überraschend waren die Gewinner der Hauptdarstellerpreise: Helen Mirren ("die Queen") und Forest Whitaker ("Der letzte König von Schottland") hatten bei den Preisverleihungen der letzten Wochen ja schon immer die Nase vorne. Helen Mirren nutzte die Gelegenheit am Dankesmikrofon, um ihren Respekt vor der Disziplin und Beständigkeit von Königin Elizabeth II. auszudrücken.

Die vier Gewinner der Darsteller-Trophäen hatten gut lachen: von links Forest Whitaker, Jennifer Hudson, Helen Mirren, Alan Arkin
© GettyDie vier Gewinner der Darsteller-Trophäen hatten gut lachen: von links Forest Whitaker, Jennifer Hudson, Helen Mirren, Alan Arkin

Zur besten Nebendarstellerin wurde - wie schon bei den Golden Globes im Januar - Jennifer Hudson aus "Dreamgirls" gewählt, der Preis für den besten Nebendarsteller ging überraschender an Alan Arkin ("Little Miss Sunshine").

Die Verlierer des Abends

Enttäuscht nach Hause gehen musste die Besetzung des Weltverständigungsfilms "Babel", der mit sieben Nominierungen gut im Rennen lag, aber letztlich nur den Preis für die beste Filmmusik gewann. Und auch "Dreamgirls", mit acht Nominierungen ins Kodak Theatre gekommen, schnitt schlecht ab. Außer Jennifer Hudson konnten sich nur noch die Tonmischer-Crew über eine Auszeichnung freuen. Sogar in der Kategorie "Bester Song", in der "Dreamgirls" mit gleich drei von fünf Nominierungen statistisch blendend positioniert war, ging der Preis nicht an das Musical, sondern an Melissa Etheridge für ihr Lied im auch mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichneten Umweltfilm "Eine unbequeme Wahrheit" von Ex-US-Vizepräsident Al Gore.

Noch ein Sieger: das Horrormärchen "Pans Labyrinth" erhielt drei Oscars