Opernball

Neue Töne beim Opernball

Die Wiener Institution soll moderner werden. Stargastgeber Richard Lugner fehlt aber auch 2008 auf dem Traditionsfest nicht. Nur: Will man ihn überhaupt noch?

Opernball-Gastgeber Richard Lugner

Opernball-Gastgeber Richard Lugner

Schon wieder klingelt das Handy.

geht dran und kommt vorerst nicht zu Wort. "Ja?" (Pause) "Nein, das bringt jetzt nichts." (Noch längere Pause) "Es tut mir leid." Mit einem Seufzer legt er auf. Lugners neue Freundin Bettina Kofler ruft noch ein paar Mal während des GALA-Gesprächs an. Der Bauunternehmer hat sie vor einigen Monaten über seine TV-Show "Mörtel sucht das Glück" gefunden. Aktuell ist die 34-Jährige sauer. Verständlich.

Debütanten des Wiener Opernballs

Jedes Jahr wieder: Debütanten des Wiener Opernballs

Rückblende: Ein paar Stunden zuvor präsentiert der 75-Jährige auf einer Pressekonferenz in seinem Einkaufscenter "Lugner City" in Wien seinen Stargast für den 2008. Seit Jahren bringt er internationale Prominente zu dem traditionsreichsten Ball der Welt mit: 2007 , davor und . Dieses Jahr wird Lugner die Burlesque-Stripperin an seiner Seite haben. Und eben auch seine neue Partnerin Bettina Kofler, die bei der Pressekonferenz etwas unsicher neben ihm sitzt.

Lugner stellt das Outfit vor, das seine Bettina zum Ball tragen wird. Ein Kleid für 89 Euro. Den günstigen Dress weiß der vermögende Unternehmer zu schätzen: "Warum soll man sich eine teure Frau leisten, wenn man auch eine billige haben kann?", stellt er trocken fest und spielt damit auf Christina Haidinger an, seine vierte Ex-Frau (Spitzname: "Mausi"), von der er sich gerade getrennt hat. Ein Seitenhieb - der die neue Freundin trifft. Bettina Kofler zuckt zusammen. Es ist nur ein kleines Wort, doch es ruiniert Lugners restlichen Tag. Denn für die Journalisten springt eine pikante Schlagzeile heraus. Und für Lugner ein deftiger Streit mit seiner Freundin (Spitzname: "Neo-Mausi"), die er am Telefon nur mit Mühe beruhigen kann.

Ein typischer Lugner-Patzer. Der Baumeister, der genau weiß, wie man einen öffentlichen Auftritt wirkungsvoll aufbaut, ist mal wieder zur Abrissbirne in eigener Sache geworden. Der Grund: Lugner redet gern unbekümmert drauf los, und seine Zuhörer haben das Gefühl, einem Hürdenläufer dabei zuzusehen, wie er die Hindernisse umrennt statt über sie hinwegzusetzen. Er mag es, seine Sätze ins Schlüpfrige abgleiten zu lassen. Damit hat Lugner, der die Öffentlichkeit mit Reality-TV-Shows gern an seinem Privatleben teilhaben lässt, einen Stammplatz in der Presse. Ziel erreicht, könnte man sagen, doch elegant ist das nicht.

Paris Hilton mit ihrem Gastgeber Richard Lugner

Paris Hilton mit ihrem Gastgeber Richard Lugner, sie war sein Stargast in 2007

Weltstars als Gäste - vor allem der Opernball war immer fest in Lugners PR-Hand, gerade weil er der Einzige war, der - meist weibliche - Prominente einlud. Aber die Konkurrenz könnte für ihn in den nächsten Jahren größer werden. Denn zum 52. Opernball am 31. Januar hat die neue Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh 42, die Traditions-Veranstaltung, die den Höhepunkt des Faschings in markiert, aufgefrischt. Am Eingang der Oper grüßen jetzt ein roter Teppich und ein ebenso knallrotes Entree. Bars, Lounges und DJs soll es in dem altehrwürdigen Monumentalgebäude von 1869 geben. Früher konnte man mit Mühe ein Brötchen am Verkaufsstand ergattern, heute gibt es sogar eine Zigarren-Lounge. Nur bei der Kleiderordnung hält Treichl-Stürgkh am Hergebrachten fest: Frack und lange Ballroben bleiben zwingend.

"Internationaler" soll das Fest werden. Ein Pflicht-Event war der Ball bei europäischen Prominenten, Politikern und Wirtschaftsbossen schon immer, aber nicht unbedingt bei den Stars aus Holly­wood oder der Modewelt. Treichl-Stürgkh hofft, dass die Sponsoren den "frischen Wind" spüren und in Zukunft mehr internationale Gäste einladen. Doch wie findet es die Organisatorin, dass Richard Lugner eine Stripperin mit zum Ball bringt? "Persönlich mag ich Dita Von Teese", gibt sich Treichl-Stürgkh gegenüber GALA diplomatisch. "Ich finde sie kultig." Österreichs Society steht beim Opernball jedoch nicht auf kultig, und so ist Lugner mit seinem Rummel manchen ein Dorn im Auge. Auch dieses Jahr macht er nach der Pressekonferenz sofort Schlagzeilen mit seinem Gast und seinem verunglückten Satz über die Freundin. Dazu noch der Streit - beim Gespräch in einem Café der "Lugner City" braucht er zur Stärkung eine heiße Schokolade.

Anna Netrebko beim Opernball 2007

Anna Netrebko beim Opernball 2007

Für Lugner ist die Neuorientierung des Balls der "richtige Weg". "Da sich sonst alle über mich aufregen, nehme ich mich in diesem Jahr etwas zurück", sagt er. Machen ihm die Peinlichkeiten, welche die Presse immer wieder genüsslich aufgreift, nichts aus? "Ich kenne das Spiel und lege nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Ich denke da positiv", sagt er, räumt aber ein: "Es ist nicht immer leicht für die Frau an meiner Seite - ich bin wirtschaftlich erfolgreich und dazu ein dominanter Mensch." Sein Lebensmotto lautet: "Es zählt nur der Erfolg." Warum etwas möglicherweise nicht klappt, interessiert Lugner nicht. Es muss klappen. "Ungeduld ist sein größtes Manko", sagt einer seiner Mitarbeiter. Damit hat sich der kleine Mann mit den großen Augenringen aus einfachen Verhältnissen kommend nach oben gearbeitet. Sein Vater starb nach dem Zweiten Weltkrieg in der russischen Gefangenschaft. Die Mutter zog Richard Lugner und seinen Bruder allein auf.

Trotz aller Kritik - die Österreicher lieben Lugner, dem sie den neckischen "Mörtel"-Spitznamen verpasst haben. Weil er trotz des Erfolgs den Stallgeruch des einfachen Mannes besitzt, der dem Establishment auf der Nase herumtanzt. Lugner bleibt Lugner: ein Mix aus nettem Daddy, PR-Krawallschachtel und hartem Unternehmer, der sich wegen einer Abtreibungsklinik in seinem Center mit der Kirche anlegt und für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten kandidiert. "Dabei war ich früher schüchtern. Es hat lange gedauert, bis ich das abgelegt hatte", erinnert er sich.

Wieder klingelt das Handy. Wieder diese "Billig"-Sache. Lugner spricht beschwichtigend ins Telefon. Währenddessen laufen auf den großen Bildschirmen im Café schon die ersten TV-Berichte. Lugner schaut genervt auf und befiehlt mit einer hastigen Handbewegung in Richtung Theke, man möge den Kanal wechseln. Es gibt Momente, in denen wird "Mörtel" sich sogar selber zu viel.

Vier Fragen an Desirée Treichl-Stürgkh
Organisatorin des Opernballs

Gala: Als neue Organisatorin des Wiener Opernballs haben Sie die Veranstaltung ziemlich umgekrempelt. Was sind die größten Veränderungen?

Am Eingang haben wir ein offenes VIP-Entree in strahlendem Rot mit einem "Red Carpet"-Bereich. Die Kameraleute haben Platz für gute Bilder, die Gäste kommen in Ruhe an. Bisher ungenutzte Räume haben wir zu Lounges und Bars umgestaltet.

Gala: War es schwer, diese Neuerungen bei solch einem traditionellen Event durchzusetzen?

Die Traditionen bleiben ja erhalten, aber ich glaube, dass das Land eine Neuausrichtung des Balls sogar herbeisehnt. Das größte Problem war, dass wir eine Menge ändern wollten, aber nur wenig Zeit hatten. Der Opernball ist dieses Jahr sehr früh. Das hat viel Kraft gekostet. Vieles muss ja auch von den Behörden abgesegnet werden.

Gala: Waren Sie vor dem Ball sehr aufgeregt?

Klar, je näher der Tag kommt, desto größer wird die Aufregung. Es ist mein erster als Organisatorin.

Gala: Wie wird es in den nächsten Jahren weitergehen?

Das Logenpublikum wird noch bunter werden. Designer, Künstler und Kreative sollen den Ball beleben. Ich will mehr Modedesigner an den Event binden, denn Mode ist ein zentraler Punkt des Balls. Die Sponsoren und Stammgäste werden den frischen Wind spüren und überlegen, mehr internationale Gäste einzuladen. Mit dem Direktor der Oper, Ioan Holender, habe ich die Abmachung getroffen, dass ich den Ball ausrichte, solange er die Oper leitet - also voraussichtlich bis 2010.

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