"Nine" In höchsten Tönen

Vergessen Sie alle Vorurteile über singende Schauspieler: "Nine" präsentiert Hollywoods Elite als erstklassige Musical-Performer

Ob Julia Roberts am hohen C

scheiterte? Cate Blanchett plötz­lich Stimmbandflattern bekam? Praktisch die gesamte weibliche A-Liga Hollywoods hatte sich für einen Part im Filmmusical "Nine" die Seele aus dem Leib geträllert. Doch nur sieben Damen trafen beim Vorsingen den richtigen Ton und wurden nebst Daniel Day-Lewis von Regisseur Rob Marshall angeheuert.

Regisseur Rob Marshall bändigte das Superstar-Rudel
© Getty ImagesRegisseur Rob Marshall bändigte das Superstar-Rudel

Basierend auf Federico Fellinis Klassiker "8 ½" gilt dessen Broadway-Version "Nine" schon ein Jahr vor seiner Premiere Ende 2009 als das Filmereignis des kommenden Jahres. Vielleicht weil seit dem Erfolg von Marshalls Kinohit "Chicago" und "Mamma Mia" von Phyllida Lloyd jeder Kinofan weiß: Wo sich singende Kinostars gegenseitig in ihrer Spielfreude anstacheln, ist Spaß Gesetz - nicht nur fürs Publikum: "Endlich wieder singen und tanzen!", jubelte etwa Nicole Kidman, die schon in "Moulin Rouge" ihre Qualitäten als Performerin bewies.

Die renommierten Shepperton Studios 30 Kilometer nordwestlich von London könnte man derzeit fast mit einer Tiffany's-Filiale verwechseln - so viele Hochkaräter strahlen dort. Neben Kidman auch Sophia Loren, Kate Hudson, Marion Cotillard, Penélope Cruz, Judi Dench und Fergie - sie alle residieren seit Drehstart vor drei Wochen an der Themse. Ob bei einer solchen VIP-Traumquote hinter den "Nine"-Kulissen der Zickenkrieg tobt? Bislang jedenfalls scheint Marshall sein Ensemble fest im Griff zu haben - selbst nach Drehschluss.

So sieht man Cruz und Cotillard vergnügt im Londoner Westend dinieren, und Sängerin Fergie - einziger Musikprofi im Team - lacht über 13 Pfund neues Hüftgold: "In England bin ich Fish-&-Chips-süchtig geworden!" Auch Sophia Loren ist euphorisch, dabei zu sein: "Jede Italienerin träumt davon, in einem Broadway-Musical mitzuspielen", schwärmt sie, die in "Nine" - natürlich - die resolute italienische Mamma geben wird. Und eine überglückliche Nicole Kidman zeigte sich in London erstmals mit Töchterchen Sunday Rose.

Kleine und große Dramen stehen bei "Nine" nur im Drehbuch: Der bedauernswerte Regisseur Guido Contini (Day-Lewis) steckt bis zum Hals in Midlife-Crisis und Kreativloch - und gleich sieben Frauen beanspruchen seine Energie: Neben Mamma und einer zickigen Reporterin (Hudson) zanken und zetern seine Frau (Cotillard), seine Geliebte (Cruz), seine Agentin (Dench), seine Muse (Kidman) und obendrein die Lebedame Saraghina (Fergie) um die Gunst des gestressten Filmemachers. Sieben Diven, die um einen Mann buhlen und dabei stimmlich den Zickenkrieg ausfechten - die Vorfreude unter Filmfans ist verständlich.

Einzig Javier Bardem könnte der Anblick des Gruppenbilds missmutig stimmen. Ursprünglich sollte er die männliche Hauptrolle in "Nine" übernehmen, musste erschöpfungsbedingt aber absagen. Pech - dass ein solches Damen-Dreamteam um ihn buhlt, erlebt ein Mann selbst in der Traumfabrik nicht alle Tage.