Nicole Kidman

Zu eigensinnig für Scientology?

Ehemalige Scientologen berichten in Gala über Erlebnisse mit Nicole Kidman und verraten, wie die Bewegung Stars anwirbt

Nicole Kidman

Die junge, rothaarige Frau fiel auf.

150 Kilometer östlich von Los Angeles, in der "Gold Base", genoss sie einen Sonderstatus. Man hatte ihr im Hauptquartier der "Church of Scientology" ein Apartment zur Verfügung gestellt, für ihr leibliches Wohl wurde gesorgt, ihre Wünsche galten als Befehl. Denn die junge Frau, die hier diverse Kurse besuchte und unterrichtet wurde, war eine Art Stargast der Bewegung: sollte sich unter allen Umständen wohlfühlen.Die Schauspielerin schweigt bis heute über ihre Erfahrungen dort, lieber betont sie ihre streng katholische Erziehung. Dass sie einmal in einer Scientology-Zeremonie heiratete? Vergangenheit.

Nicole Kidman

Geheimnisvolle Diva

23. Dezember 2010: Keith Urban und Nicole Kidman nehmen ihre Tochter Sunday Rose am Flughafen in Sydney in ihre Mitte.
Nicole Kidman
5. April 2009: Während der "Captiol Records Nashville post ACM Party" in Las Vegas nutzt Nicole Kidman ihr iPhone um ein Bild ih
August 2008: Noch gibt es von der kleinen Sunday Rose nur Paparazzi-Bilder

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Gala sprach mit ehemaligen Top-Scientologen, die Kidmans Zurückhaltung nachvollziehen können, und sich selbst nach wie vor verfolgt fühlen. Bruce Hines, Amy Scobee und Marc Headley waren jahrelang überzeugte Scientologen, und sie berichten: Ja, Nicole Kidman war Scientologin – doch überzeugt habe die Bewegung sie wohl nie. Als sie für Dreharbeiten wochenlang aus dem Kontrollbereich der Glaubensgemeinschaft verschwand, machte man sich entsprechend Sorgen.

Bruce Hines berichtet von einem Treffen mit Kidman: "Es muss 1993 oder 1994 gewesen sein. Nicole hatte damals das Level 'Operating Thetan II' erreicht." Weit entfernt also vom höchsten Level 'Operating Thetan VIII', aber immerhin schon ein fortgeschrittenes Stadium. Hines: "Das Management war damals wohl in Sorge, dass sie uns entgleiten könne. Darum wurde ich beauftragt, sie zu auditieren. Ich sollte herausfinden, was in ihr vorgeht."

"Auditing" ist eine Mischung aus Verhör und Beichte. Spirituelles Wachstum ist das Ziel, das Ausplaudern intimster Geheimnisse ein Nebeneffekt. Warst du untreu? Hast du schon einmal geklaut? Je mehr auditiert wird, desto besser kennt Scientology die Befragten und deren Schwächen. Während der 30 Minuten mit Hines wiegelte Kidman alle Fragen nach Zweifeln kategorisch ab: Nein, es gehe ihr ganz hervorragend, und überhaupt fühle sie sich sehr wohl mit Scientology. Hines berichtete seinen Vorgesetzten. Doch die blieben skeptisch. Sie waren mit dem Ergebnis und dem Auditor nicht zufrieden. "Was danach mit Nicole Kidman geschah, weiß ich nicht – aber heute ist sie definitiv nicht mehr dabei", sagt Hines. Er selber war "Thetan" der Stufe sieben.

Mit ihrer Liebe zu Tom Cruise entdeckte Nicole Kidman auch ihr Interesse für Scientology. Von 1990 bis 2001 waren beide verheira

Mit ihrer Liebe zu Tom Cruise entdeckte Nicole Kidman auch ihr Interesse für Scientology. Von 1990 bis 2001 waren beide verheiratet.

Nicole Kidmans Zögern war ein klarer Rückschlag für die selbst ernannte "Kirche", denn Prominente sind für die Gemeinschaft anscheinend besonders attraktiv. Amy Scobee baute das "Celebrity Center" in Los Angeles auf, jahrelang kümmerte sie sich um die berühmten Freunde von Scientology-Gründer Hubbards Bewegung. Im Center sind die Stars laut Scobee perfekt von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Sie sollen sich komplett entspannen. Zutritt haben nur wenige Mitglieder, aber die dürfen Gäste als potenzielle Neu-Scientologen mitbringen. Geködert werden die Stars denkbar simpel. Scobee: "Am populärsten war – zumindest während meiner Zeit – der 'purification rundown'."

Wesentlicher Bestandteil dieses umstrittenen Entgiftungsprozesses sind ausgedehnte Saunagänge. Scobee: "Das kam natürlich extrem gut an, weil Stars meist sehr körperbewusst sind." Außerdem wären auch Kurse beliebt gewesen, die sich mit "emotionalen Tonstufen" und Kommunikation beschäftigen. Scobee: "Künstler mögen solche Sachen." Tom Cruise wurde von dem Scientology-Führer , 49, besonders intensiv umsorgt. Laut Scobee suchte man für Cruise sogar nach linientreuem Personal für dessen Haus: "Der Koch, die Haushälterin, der Fahrer – alle sollten Scientologen sein." Auch andere Gefälligkeiten erledigte der Kult. Scobee: "Mitarbeiter von uns haben sein komplettes Home-Entertainment-System eingebaut."

Katie Holmes, Suri + Tom Cruise

Eine außergewöhnliche Familie

17. April 2017   Tochter Suri Cruise und Mutter Katie Holmes genießen schönes Strandwetter in Miami. Aber auch etwas Action war an der Tagesordnung... 
Gemeinsam ist das Mutter-Tocher-Gespann mit dem Jetski übers Meer gebraust. Suri hat dabei sichtlich Spaß.
4. April 2017   Ein Besuch im Friseursalon macht Freude. Katie überlässt den letzten Schliff ihrer Tochter Suri selbst, die richtet ihre Haarschleife, bis es perfekt sitzt. 
15. Januar 2017   Dieses Lachen ist ansteckend. Katie Holmes besucht mit ihrer Tochter Suri ein Basketballspiel in Los Angeles. Beide genießen einen unbeschwerten Tag zusammen. Suri darf sogar ihre goldene Handtasche mitnehmen.

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Sogar um das Liebesleben seines Lieblingsstars soll sich David Miscavige intensiv gekümmert haben, berichtet Marc Headley. Headley wurde laut Eigenaussage von Tom Cruise höchstpersönlich auditiert – ein Standard-Verfahren, denn wer höhere Weihen im Kult erreichen will, der muss auditieren, egal ob berühmt oder nicht. Headley berichtet nicht nur über merkwürdige Sitzungen, in denen er mit Flaschen sprechen musste. Er beschreibt auch, dass Cruise mit seinem Schauspieler-Lächeln die perfekte Besetzung als Auditor war. Und er redet über ein offenes Geheimnis in Scientology-Kreisen: Miscavige habe nach Toms Trennung von Nicole Kidman intensiv nach einer neuen, passenden Frau für seinen Lieblingsbotschafter gesucht. Auch geriet demnach in sein Blickfeld, und als Girlfriend-Scout hatte er offensichtlich Erfolg: Miscavige war Trauzeuge des Paars.

Die Manager und Angehörigen von Scientology hören es ungern, wenn Ehemalige über ihre Erfahrungen berichten. Gerade erst erklärte ein Sprecher, es würden leider immer wieder Aussteiger-Geschichten präsentiert, "die vorn und hinten nicht stimmen". Amy Scobee kann über die Verärgerung der Scientology-Oberen nur lächeln: "Kritiker zu attackieren, auch das ist eine offizielle Politik von Scientology." Mit Genugtuung betrachtet sie, dass es die Glaubensgemeinschaft im Moment schwer hat in Hollywood, Austritte wie der von Regisseur hätten dem Image geschadet: "Das ist immerhin ein Oscar-Gewinner!" Dass auch Tom Cruise es sich eines Tages anders überlegt, halten die drei Aussteiger allerdings für unwahrscheinlich.

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