Nadja Uhl + Karoline Herfurth: Karoline Herfurth, Nadja Uhl
© Heiko Laschitzki Karoline Herfurth, Nadja Uhl

Nadja Uhl + Karoline Herfurth Haltung zeigen!

Nadja Uhl und Karoline Herfurth gehören zu unseren Top-Stars in Film und Fernsehen - jetzt spielen sie in einer aufsehenerregenden Werbekampagne. "Gala" sprach mit den beiden über falsche Klischees und echte Wahrheiten, über kleine Zicken und große Gefühle

Trifft sich eine Blondine mit einer Rothaarigen, um über Vorurteile zu sprechen ... Das kann ja heiter werden! Wer jetzt allerdings an derbe Stammtisch-Scherze denkt, ist auf der falschen Fährte. Im "Gala"-Gespräch setzen sich Nadja Uhl, 41, und Karoline Herfurth, 29, witzig und klug mit dem Thema auseinander. Anlass ist die neue Image-Kampagne "Umparken im Kopf" des Autokonzerns Opel, in der Uhl und Herfurth an der Seite von weiteren deutschen Stars mitwirken.

Nadja, Sie sind blond und haben blaue Augen, sehen toll aus. Da ist man doch prädestiniert für bestimmte Vorurteile, oder?

Nadja Uhl: Na ja, vielleicht hat der eine oder andere sich schon etwas gedacht, aber bei mir hat sich noch niemand getraut, so einen typischen Blondinen-Kommentar abzugeben. (lacht)

Und wie ist das bei Ihnen, Karoline?

Karoline Herfurth: Über mich gibt es das Vorurteil, dass ich rothaarig bin. Dabei bin ich straßenköteraschblond mit einem ganz leichten roten Stich. Wie alle Berliner. Aber auch das ist jetzt wieder ein Vorurteil.

Uhl: Wie jetzt - das ist eine Lüge mit deinen roten Haaren? (lacht) Etwa so wie bei mir, dass ich total naturblond bin? Ich halte es mit Senta Berger: "Natürlich ist das meine Haarfarbe, ich habe sie so gewählt."

Nadja Uhl + Karoline Herfurth: Scharfsinnig, entspannt und in bester Laune: Karoline Herfurth und Nadja Uhl beim Shooting und Interview mit "Gala".
© Heiko LaschitzkiScharfsinnig, entspannt und in bester Laune: Karoline Herfurth und Nadja Uhl beim Shooting und Interview mit "Gala".

Sind Sie beide ganz frei von Vorurteilen?

Uhl: Vorurteile hat man ja meistens unbewusst, und ich gebe zu, dass auch ich nicht frei davon bin. Oft habe ich eine Meinung über jemanden und merke später, dass sie voreilig war. Zum Beispiel bei Äußerlichkeiten. Wie schnell hat man ein Bild im Kopf, und wenn man die Person dann kennengelernt hat, wird man eines Besseren belehrt. Ich finde diese Erfahrung für unseren Beruf sehr lehrreich. Als Schauspieler sollte man nämlich so vorurteilsfrei wie möglich auf Dinge zugehen.

Herfurth: Ich habe eine interessante Theorie zu Vorurteilen gelesen: Sie sind Orientierungsmuster des Gehirns, um Zeit und Energie zu sparen. Ein intuitiver Mechanismus, mit dem man die Welt einordnet, damit man Denkleistung für etwas anderes hat. Wenn man über einen Menschen noch nichts weiß, ordnet man ihn erst mal in eine bekannte Schublade ein. Das ist auch nicht schlimm, solange man die Meinung nicht mit der Wahrheit verwechselt und man sein Bild korrigieren lässt. Gefährlich wird es, wenn man das Orientierungsmuster zur letzten Wahrheit macht.

Uhl: Vorurteile sind eine Überlebensstrategie! In lebensbedrohlichen Situationen schnell Freunde von Feinden zu unterscheiden, das ist in uns angelegt. Allerdings befinden wir uns ja meistens nicht in solchen Situationen. Als Schauspieler sind wir mit Grenzüberschreitungen vertraut. Vielleicht sehnen sich deshalb so viele Künstler in ihrem Privatleben nach Normalität. Zumindest geht es mir so.

Viele Menschen bilden sich gerade über Schauspieler ein Urteil, obwohl sie ihnen noch nie begegnet sind und sie nur vom Bildschirm oder von der Leinwand kennen. Oft heißt es dann, diese Schauspieler sind verzickt oder schwierig. Wie gehen Sie damit um?

Herfurth: Ich glaube inzwischen, dass ich mein Image nicht kontrollieren kann. Das Klügste ist, bei sich zu bleiben und seiner Überzeugung zu folgen. Es wird immer Menschen geben, die sich auf einen einlassen und genau hinsehen, um herauszufinden, wer man ist. Es wird aber auch immer Menschen geben, die es interessanter finden, einen für eine Diva oder Zicke zu halten. Wenn ich anfange, mich daran aufzureiben, mache ich mich doch selbst wahnsinnig! Ich habe für mich entschieden, dass ich mir nicht den Kopf darüber zerbreche, was andere über mich denken.

Uhl: Sehe ich genauso. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man das Bild, das in den Köpfen der Menschen entsteht, nicht manipulieren kann. Umso mehr muss ich bei mir bleiben, Haltung zeigen und auch Fehler eingestehen. Bei dem Druck des Berufs, mit all seiner Gehässigkeit, aber auch bei der Liebe, die man erfährt, ist es wichtig, seine eigene Wahrheit zu finden.

Nadja Uhl + Karoline Herfurth: Klares Wasser, klare Gedanken: Eine gute Stunde lang philosophierten Nadja Uhl (l.) und Karoline Herfurth mit "Gala" in Berlin.
© Heiko LaschitzkiKlares Wasser, klare Gedanken: Eine gute Stunde lang philosophierten Nadja Uhl (l.) und Karoline Herfurth mit "Gala" in Berlin.

Haben Sie schon mal durch eine bestimmte Rolle mit Vorurteilen zu tun gehabt?

Uhl: Auf jeden Fall! In meinem Film "Sommer vorm Balkon" habe ich so eine Art Berliner Prolette gespielt, die bunte Sachen anhatte, außerdem war der BH zu sehen und der String-Tanga. Wir haben am Prenzlauer Berg gedreht, wo die ganzen jungen und hippen Szene-Berliner leben. Viele Leute haben gar nicht gemerkt, dass wir da filmen, aber ihren Blicken war anzusehen, wie sehr mein schrilles Outfit sie irritiert hat. Es war deutlich zu spüren, dass ich durch die ersten zehn Raster der Leute durchgefallen bin. Das hat mir wieder mal bestätigt, dass Menschen eben zuerst nach dem visuellen Eindruck urteilen.

Herfurth: Dabei verpasst man doch unheimlich viel, wenn man vom Aussehen eines Menschen auf den Charakter schließt!

Gibt es Vorurteile, für die Sie selbst sich nachher richtig geschämt haben?

Herfurth: Oh ja! Immer wieder! Da war zum Beispiel ein Fahrer während Dreharbeiten. Wir haben uns sehr gut verstanden, und nach fünf Wochen erzählte er mir, dass er mal ein sehr erfolgreicher Friseur war, seinen Beruf aber aufgegeben hat, weil ihm alles über den Kopf gewachsen war. Da habe ich gemerkt: Einen kreativen Beruf hätte ich diesem Mann gar nicht zugetraut! Das war mir dann richtig peinlich.

Uhl: Ich muss gerade schmunzeln, denn das hat doch viel mit Impulsen zu tun. Gott sei Dank sind wir Menschen und machen Fehler - die wir uns verzeihen dürfen. Ich bin in einem christlich-humanistischen Haushalt aufgewachsen, wo es das Allerletzte gewesen wäre, über Schwache herzuziehen. Trotzdem habe ich gelegentlich Gedanken, die politisch nicht korrekt sind. Ich lasse das zunächst mal zu, denn damit werde ich aufgefordert, Schranken zu überwinden. Manche Vorurteile bestätigen sich ja auch, wenn die Dinge dann doch so schlicht sind, wie man sie sich gar nicht wünscht. Ich habe darüber viel während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in einem Verein für jugendliche Straffällige gelernt. Manche bestätigen alle Klischees, andere überraschen einen komplett mit dem Gegenteil. Ich betrachte es als Privileg, dass wir überhaupt über so etwas nachdenken können!

Weiter zur nächsten Seite
Übersicht zu diesem Artikel
  • Seite 1 / 2