Milliardäre Milliardenschwere Wikinger

Eine neue Gruppe von Superreichen macht von sich reden: milliardenschwere Norweger. Sarah Ferguson hat sich bereits einen geangelt, doch es gibt noch mehr stille Wikinger mit viel Kapital

Berge, Fjorde, Trolle, Lachs in hundert Variationen, fantastische Skiläufer und ein unkonventionelles Königshaus - das ist Norwegen, wie man es sich zumeist vorstellt. Die rotblonden Nachfahren der Wikinger gelten als eher ruhige und unauffällige Zeitgenossen. Millionenschwere Tycoone, die mit ihren Öl- und Industriemillionen um sich werfen, vermutet man eher in amerikanischen Großstädten oder seit einigen Jahren in Moskau - doch die Nordmänner haben aufgeholt. Nicht mehr nur, dass Oslo zur teuersten Stadt der Welt avanciert ist und Norwegens selbst - den Ölmilliarden sei dank - zu einem der reichsten Länder der Welt geworden ist, auch die Einwohner verdienten am Aufschwung kräftig mit. Allen voran die Großindustriellen des Landes - und davon gibt es vergleichsweise wenig - konnten ihren Reichtum mehren.

Das bekannteste Beispiel zurzeit ist wohl der Milliardär Geir Frantzen. Der auf 1,9 Milliarden Euro geschätzte Industrielle sitzt seit zwanzig Jahren im Vorstand des Tiefkühlkost-Konzern Findus AB und führt seit 2005 dessen britische Tochterfirma. Der in London ansässige Milliardär ist seit geraumer Zeit an der Seite der Herzogin von York, Sarah Ferguson, zu sehen. Zuletzt schenkte er ihr einen Bentley im Wert von 164000 Euro (oder, wie es die englische Boulevard-Postille "News of the World" umrechnete: annähernd 800000 Fischstäbchen) - es wird gar auf eine Hochzeit spekuliert. Das letzte Weihnachtsfest hat "Fergie" bereits auf seinem Anwesen auf den Vesterålen-Inseln verbracht, nördlich des Polarkreises. Dem 40-jährigen gehören des Weiteren Ländereien und Immobilien in Oslo und in Brasilien.

Ein anderer, ganz dicker norwegischer Fisch ist Kjell Inge Røkke - mit einem Gesamtvermögen von ca. 2,5 Milliarden Euro gilt er als einer der reichsten Norweger überhaupt. Der aus Molde stammende 49-jährige begann als 18-jähriger als Fischer zu arbeiten und heuerte auf Trawlern an. Als einzige Ausbildungsstätte nannte er in späteren Jahren die "Universität der Gosse". Er sparte sich eigenes Kapital zusammen, kehrte nach Norwegen zurück und begann, in kleinere Firmen zu investieren - die weitere Geschichte liest sich wie aus einem modernen Märchen. Røkke macht seinen norwegischen Traum war und stieg durch An- und Verkäufe von Firmen nach und nach zu einem Wirtschaftsgroßen auf. Heute steht er dem Großkonzern Aker Solutions ASA vor, der die Bereiche Öl und Gas, Raffinerien, Arzneimittel, Biotechnologie, Papierherstellung und Metallerzeugung in sich vereint. Kjell Inge Røkke selbst ist für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt - er besitzt eine 19 Millionen Euro teure "Hütte" in Oppdal und lässt sich ein weiteres Anwesen in der Umgebung von Oslo, einem der teuersten Länderein in ganz Skandinavien, bauen. Des Weiteren besitzt er die Yacht "Reverie", einer der größten Yachten der Welt mit eigenem Hubschrauber, eine weitere Yacht und eine private Boeing 737.

König Haralds reichster Untertan ist dies seit geraumer Zeit offiziell nicht mehr: aus steuerrechtlichen Gründen hat er die zypriotische Staatsbürgerschaft angenommen - seit Jahren nun wohnt der auf 4,9 Milliarden Euro geschätzte Reeder auf der Mittelmeerinsel, wo er ein großes Anwesen besitzt. Doch auch in Marbella und London ist Fredriksen zu Hause. Er besitzt die größte Tankerflotte der Welt, doch investierte er auch in vielen anderen Bereichen wie der Fischzucht, verschiedenen Inkassounternehmen und Bohrausrüstungen. Die Schifffahrt indes blieb jedoch seine Lieblingsbranche. "Schifffahrt ist amüsanter, wirtschaftlich ist das einfacher und außerdem habe ich mich mein ganzes Leben damit beschäftigt", sagte er erst im April vergangenen Jahres der norwegischen Wirtschaftszeitung Dagens Næinigsliv. Der in Oslo aufgewachsene Fredriksen ist - aller Steuerflucht zum Trotz - seiner Heimat doch immer noch ein wenig treu geblieben. Oft kehrt er der Neu-Zypriot in Norwegens Hauptstadt zurück, im Theatercafe unweit des Schlosses hat er noch immer einen Stammtisch und auf der exklusiven Halbinsel Bygdøy ein weiteres Haus. Seine zwei Töchter - deren Physiognomie sehr der von Paris Hilton ähnelt - sollen einmal das Erbe fortführen. Nachdem seine Frau 2006 an Krebs gestorben war, spendete der Milliardär dem Osloer Reichskrankenhaus mehrere Millionen Kronen für die Krebsforschung.

Es gibt indes auch das Gegenbeispiel, den Prototypen des auf dem Boden gebliebenen Milliardärs aus dem hohen Norden: Olav Thon, Besitzer des größten skandinavischen Hotel-Imperiums und der der Olav-Thon-Gruppe, mit einem geschätzten Vermögen von 2,6 Milliarden Euro. Der 85-jährige besticht durch seine bodenständige Art und gibt den naturbezogenen Norweger, der nichts lieber tut, als in die Natur zu gehen, durch die Wälder und die Berge zu wandern. Übrigens immer an seiner Seite: seine Ehefrau. 2007 erhielt er den "WORLDHOTELS Leadership Award".