Michelle Williams
© Getty Michelle Williams

Michelle Williams Die Übermacht seines Schattens

Sechs Monate nach Heath Ledgers Tod versucht Schauspielerin Michelle Williams, die Vergangenheit hinter sich lassen. Zwei Männer helfen ihr

Sein Gesicht ist überall.

Es prangt an Hauswänden, auf Bussen und in U-Bahn-Stationen. Seit Wochen ist New York mit Werbeplakaten für den neuen Batman-Film "The Dark Knight" zugeklebt. Plakate, auf denen Heath Ledger als wahnsinniger Superschurke Joker zu sehen ist und die Michelle Williams immer wieder einen Stich ins Herz versetzen. Denn die seelischen Wunden, die sie durch den plötzlichen Tod ihres früheren Partners erlitten hat - Ledger starb am 22. Januar 2008 im Alter von 28 Jahren an einer Überdosis Medikamente - sind bis heute nicht verheilt. Zwar ist sie inzwischen dabei, mit Hilfe von zwei engen Freunden, Trevor DiCarlo und Spike Jonze, den Spaß am Leben wiederzufinden. Doch im Augenblick wird die Situation für die Schauspielerin nahezu unerträglich.

Denn seitdem "The Dark Knight" bei seinem Start in 4.366 US-Kinos am ersten Wochenende ein Rekordergebnis von 100 Millionen Euro einspielte, kennt der Hype um Heath Ledger keine Grenzen mehr. Auf der Straße, in TV-Talkshows, im Radio - überall sprechen die Menschen über sein darstellerisches Können. Auch Kritiker überschlagen sich und mutmaßen, dass der Australier posthum sogar noch einen Oscar erhält. Gleichzeitig gibt es erneut zermürbende Spekulationen um die Umstände seines Todes: War es wirklich nur die Verquickung unglücklicher Umstände oder doch Selbstmord? "Die vergangenen Wochen haben Michelle deshalb sehr mitgenommen. Ständig wurde sie mit Heaths Gesicht, seiner Arbeit und somit auch der traurigen Vergangenheit konfrontiert. Und das in einer Phase, in der sie versucht, endlich etwas mehr Abstand zu gewinnen und für sich und Matilda ein neues Leben aufzubauen", zitiert der britische "Sunday Mirror" einen Vertrauten. Für die 27-Jährige Gründe genug, die Notbremse zu ziehen. Sie verließ den Big Apple und tauchte mit Tochter Matilda, 2, die aus ihrer rund drei Jahre andauernden Beziehung mit Ledger stammt, bei einer Freundin auf dem Land unter. Weg von den riesigen Plakaten, den Erinnerungen, dem Druck.

Erst wenn sich der Rummel gelegt hat, will sie wieder nach New York zurückkehren. Dorthin, wo auch jene Männer leben, die für sie derzeit die größte emotionale Stütze sind. Da ist zum einen Regisseur Spike Jonze, 38, den sie bereits seit Jahren kennt und zu dem sie zuletzt eine immer engere Beziehung aufgebaut hat. Michelle und Sofia Coppolas Ex verstehen sich so gut, dass die US-Zeitschrift "Star" sogar eine sich anbahnende Liebe sieht. Und dann ist da noch Trevor DiCarlo, 29, der zu Ledgers engsten Kumpels zählte und ihn seit der Kindheit kannte. Wie die britische "Daily Mail" berichtet, verbringen er und Michelle viel Zeit miteinander. Sie gehen zusammen essen und unternehmen Spaziergänge durch Brooklyn, bei denen DiCarlo auch gerne mal Matildas Kinderwagen schiebt. "Sicher tun die beiden einander sehr gut, aber sie sind nur enge Freunde", betont DiCarlos Mutter.

Tatsächlich fühlt sich Michelle Williams noch immer nicht bereit für eine neue Beziehung und vergräbt sich stattdessen in Arbeit, dreht einen Film nach dem anderen. Auch bei der New-Yorker-Premiere von "The Dark Knight" wurde deutlich, wie tief der Schmerz über den Verlust bei ihr noch sitzt: Sie blieb dem Spektakel fern - im Gegensatz zu Ledgers Vater Kim, der samt Familie aus Australien anreiste, um seinen Sohn bei dieser Gelegenheit auf der Leinwand zu sehen. "Es war sehr hart für uns, aber wir sind froh, dass wir ihn noch einmal bei dem Job beobachten konnten, den er so geliebt hat", zog er nach der Vorstellung Bilanz. Nur einer wurde es dann doch einfach zu viel: Heaths Schwester Kate verließ zwischendurch immer wieder den Kinosaal. Eine Situation, der sich Michelle erst gar nicht aussetzen wollte.

Überdies geht sie der Familie ihres Ex-Partners, von dem sie sich im August 2007 wegen seines Drogenkonsums getrennt hatte, am liebsten aus dem Weg. Denn der Streit um Ledgers auf mehr als zwölf Millionen Euro geschätztes Vermögen, schwelt weiter. Da der Star sein Testament bereits 2003 aufgesetzt hat - also noch bevor er Michelle kennenlernte und Matilda zur Welt kam - wurden die beiden darin nicht bedacht. Bis heute hat Vater Kim, der immer wieder versprach, dass für die beiden finanziell gesorgt werde, immer noch kein Geld aus dem Nachlass herausgerückt, wie ein Insider gegenüber GALA verriet. Eins steht jedenfalls fest: Die Schatten der Vergangenheit dürften sie in Zukunft immer wieder einholen. Erst recht im Februar 2009, wenn Heath Ledger tatsächlich posthum für den Oscar nominiert werden sollte und der Hype um ihn dann erneut losgeht …

Spike Jonze und Michelle Williams in Cannes bei der Premiere von "Synecdoche"
© Wireimage.comSpike Jonze und Michelle Williams in Cannes bei der Premiere von "Synecdoche"