Michael Jackson
© WireImage.com Michael Jackson

Michael Jackson Seine letzten Tage

Wenige Wochen vor seinem Comeback blieb Michael Jacksons Herz stehen. Die Chronik eines viel zu frühen Todes

Es sollte endlich wieder alles so werden, wie er es sich immer gewünscht hatte:

mit 50 Jahren noch mal 50 Auftritte, 50 Mal im Rampenlicht der "O2"-Arena in London umjubelt werden. "This Is It" lautete das Motto der geplanten letzten großen Konzertreihe des "King of Pop", die am 13. Juli hätte beginnen sollen.

Auch in der Nacht, bevor sein Herz aufhörte zu schlagen, arbeitete Jacko an diesem Traum. Seinem Manager Frank DiLeo soll er am späten Mittwochabend nach dem Training im "Staples Center" in Los Angeles gesagt haben: "Alles wird gut, ich bin glücklich." Am nächsten Tag fand ihn sein Hausarzt Dr. Conrad Murray, der auf Jacksons Anwesen in Hollywood wohnte, regungslos in dessen Villa. Wie jeden Tag verabreichte er ihm auch jetzt das schmerzstillende, morphiumähnliche Medikament Demerol, das im schlimmsten Fall zu Herzversagen führen kann.

Jacksons Familie macht dem Mediziner nun schwere Vorwürfe, die Polizei bestätigt, dass Jackson von den Schmerzmitteln Oxycontin und Demerol abhängig war. Tänzerin Debbie, die noch Stunden zuvor mit ihm geprobt hatte, erlebte einen gut aufgelegten Star: "Michael machte Witze, seine Kondition war super. In keinem Moment habe ich gedacht, dass es ihm gesundheitlich nicht gut geht", sagte sie zu Gala. Erstaunlich für einen Süchtigen, der wiederholt Schwächeanfälle erlitt, dessen Lunge nur noch eingeschränkt funktionsfähig gewesen sein soll und der zeitweilig an den Rollstuhl gefesselt war. "Diese Tour wäre Hochleistungssport gewesen", gibt Musikmanager Thomas Stein im Gespräch mit Gala zu bedenken. Auch die Familie Jackson hatte befürchtet, Michael könne die Strapazen der Tour gesundheitlich nicht durchstehen. Einen ganz anderen Eindruck hatte der Londoner Gala-Korrespondent Arndt Striegler noch im März. Er traf den Musiker bei der Pressekonferenz zur Konzertreihe: "Auf mich wirkte Jackson zwar zerbrechlich, aber dennoch optimistisch und kämpferisch."

Stark und zuversichtlich musste Jacko sich geben - schließlich hing die Zukunft des hoch verschuldeten Stars von den Auftritten ab. Rund 112 Millionen Euro Schulden soll er gehabt haben. Daher hatte der "King of Pop" zuletzt alles versucht, um Kasse zu machen. Neben den Comeback-Konzerten sollte eine Auktion von Gegenständen aus der Neverland-Ranch sein Konto aufbessern – sie wurde aber in letzter Minute gestoppt. Der Tourveranstalter "AEG Live" hatte Großes mit ihm vor: Angeblich beinhaltete ein Dreijahresplan ein neues Album, ein Neverland-Museum, Musicals in Las Vegas und Macau und ein "Thriller"-Casino – man erwartete Erträge von rund 313 Millionen Euro. Geld, das Jacko dringend brauchte, da er schon lange über seine Verhältnisse lebte. Zuletzt soll er jährlich umgerechnet 14 bis 21 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen haben, rechnete ein Finanzberater des TV-Senders "CNBC" aus. "Er tut es nicht fürs Geld, sondern für seine Fans und die Kinder dieser Welt", behauptete sein Sprecher Tohme Tohme. Ob Geld, Ruhm oder Liebe - was auch immer Michael Jackson getrieben hat, sich zu übernehmen, die Welt wird es nie erfahren.

Sandra Reitz
Mitarbeit: Gil Eilin Jung, Frank Siering