Madonna
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Madonna Sie will's noch mal wissen

Neues Album, neues Image, neuer Millionenvertrag - Madonna fährt auf der Überholspur. Nur ihr Familienleben droht dabei endgültig auf der Strecke zu bleiben

Kleine Brötchen backen war noch nie ihr Ding.

Madonna folgte stets der Devise "höher, schneller, weiter", privat und beruflich. Jetzt steht der bis dato größte Coup der 48-Jährigen offenbar kurz vor dem Abschluss. Insider sprechen von einem Vertragsvolumen von bis zu 138 Millionen Euro. So viel könnte die Queen of Pop kassieren, wenn sie mit Live Nation, dem größten Konzertveranstalter der Welt wie beabsichtigt ins Geschäft kommt. In diesem Fall würde das Unternehmen ab 2008 Tour-Organisation, Merchandising und Albumproduktionen übernehmen. "Kein Kommentar" - mehr war Live-Nation-Sprecher John Vlautin bislang nicht zu entlocken. Und auch Madonnas Sprecherin Liz Rosenberg hüllt sich in Schweigen, was in Anbetracht der heißen Verhandlungsphase kaum verwundert.

Pikanter Nebeneffekt des Mega-Deals: Madonna müsste ihrem Haus-Label, der Warner Music Group, nach mehr als 23 Jahren erfolgreicher Zusammen­arbeit den Rücken kehren. Der bestehende Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Ein tiefer Einschnitt, aber offenbar genau das, wonach dem Superstar derzeit der Sinn steht. "Madonna brennt auf Veränderungen, Herausforderungen, neue Inspiration", so eine Vertraute gegen­über GALA. "Sie arbeitet wie eine Besessene, getrieben von dem Wunsch, in den USA noch einmal richtig abzuräumen." In den letzten Jahren lief es in der Heimat für das "Material Girl" nicht mehr so rund wie gewohnt. Zwar gelten 1,6 Millionen verkaufte Exemplare der jüngsten CD "Confessions On A Dance Floor" als achtbar, trotzdem sind sie meilenweit entfernt von den sechs Millionen, die zum Beispiel Castingshow-Finalistin Carrie Underwood, 24, im Vergleichszeitraum von ihrem Debütalbum absetzen konnte. Branchenexperten sehen darin den Hauptgrund, warum Madonna Superproduzent Timbaland, 36, engagierte. Dessen Hip-Hop-Sound gilt in den Staaten als Erfolgsgarant. Auch Timbaland-Schützling Justin Timberlake, 26, mischt beim neuen Projekt als Songwriter und Duettpartner mit. Nach diversen Image­wechseln gibt Madonna also jetzt die Hip-Hop-Queen - was manchen Fans Bauchschmerzen bereitet. In einem Internet-Forum schreibt einer: "Sie hat es doch längst nicht mehr nötig, krampfhaft den Erfolg zu suchen und sich beim jungen Pub­li­kum anzubiedern. Mit dem neuen Style könnte sie sich ziemlich lächerlich machen."

Sollte die Rechnung am Ende doch aufgehen, freut das vor allem Warner: Das neue Album erscheint noch im Rahmen des alten Vertrags. Dass der Mu­sik­riese alles versuchen wird, seinen Goldesel mit einem Gegenangebot zu halten, steht außer Frage, auch wenn Warner-Vorstandsmitglied Tom Whalley dazu öffentlich schweigt. Doch wird Madonna einknicken? So frei und unabhängig wie bis dato angenommen, durfte die Entertainerin unter Warners Dach offensichtlich nie arbeiten. Immer wieder nahm das Label hinter den Kulissen rigoros Einfluss. Die Folge: zunehmende Disharmonien zwischen Diva und Firma - auf kreativer wie geschäftlicher Ebene. Bereits 2001 fühlte sich die Sängerin von Warner als Miteigentümer ihres Labels Maverick übervorteilt und verweigerte deshalb für ein zweites "Greatest Hits"-Album jegliche Promotion. Drei Jahre später ver­klag­te sie den Konzern gar wegen Missmanagements und Vertragsverletzungen auf 160 Millionen Euro. Das Ende vom Lied: Madonna ver­kaufte ihre Maverick-Anteile an Warner. Live Nation lockt dagegen mit vielen Privilegien und noch mehr Freiheiten.

Madonna befindet sich also derzeit wieder mal auf der Überholspur. Einen Gang runterschalten? In Ruhe die Früchte des Erfolgs genießen? Nicht mit ihr. Ihren Spagat sieht sie sportlich: "Verheiratet zu sein, Karriere und Kinder unter einen Hut zu brin­gen, ist die größte Herausforderung meines Lebens", brachte sie die Situation jüngst auf den Punkt. Im Februar ließ sie sich dann doch zu dem Versprechen hinreißen, im Job etwas kürzerzutreten, um endlich mehr Zeit für Ehemann Guy, 38, sowie ihre Kinder Lourdes, 10, und Rocco, 6, zu haben - und für den zweijährigen David. Der Junge aus Malawi ist noch ihr Pflegesohn, soll aber bald als Adoptivkind ganz in die Familie integriert werden. Madonna erwartet die afrikanischen Inspekteure für den entscheidenden Besuch beinahe täglich, kam dafür jetzt trotz der beruflichen Ambitionen extra nach London. Doch auch hier schwirren die Gedanken an Album, Promotion, Interviews, TV-Auftritte und Tour in ihrem Kopf herum. Ab Herbst steht ihr dann der berufliche Dauer­einsatz bevor, und Guy darf wieder den Hausmann spielen. Neuer Zoff im Hause Ritchie ist damit programmiert.

Von der süßen Droge Erfolg scheint Madonna nicht genug bekommen zu können. Und das, obwohl sie doch alles erreicht hat. Mit 275 Millionen verkauften Tonträgern ist sie die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten, ihr Privatvermögen wird auf rund eine Viertelmilliarde Euro geschätzt. Warum dann immer noch diese innere Unruhe, die permanente Jagd nach dem ganz großen Erfolg? "In meinen Augen ist diese Frau nur dann glücklich, wenn sie arbeiten kann und von den Massen bejubelt wird", analysiert Bran­chen­kenner Ri­chard Wilbraham, der Show­größen wie Kylie Minogue persönlich kennt. Er glaubt, die Hauptmotivation liege in ihrer Kindheit begründet. "Madonna hat sich aus einfachen Verhältnissen an die Spitze gearbeitet und seitdem furchtbare Angst, Status und Reichtum wieder zu verlieren, wenn sie kürzertritt. Eine irrationale Angst, die bei vielen Stars zu beobachten ist ", so Wilbraham. "Ich würde mich deshalb nicht wundern, wenn sie auch als 65-Jährige noch weltweit über die Showbühnen tobt."