Madonna + Mercy Madonnas Sonnenschein

Mercy, die Adoptivtochter von Madonna, wirkt in ihrer neuen Familie immer fröhlich und ausgelassen. Verbirgt sich dahinter auch Unsicherheit?

Diese Fröhlichkeit ist ansteckend.

Wie ein kleiner Derwisch tobt Mercy mit ihren Geschwistern durch die Pariser Tuilerien, büxt ihren Nannys immer wieder aus. Als die Vierjährige vor knapp fünf Wochen von Madonna in die Familie aufgenommen wurde, hat sie im Nu alle verzaubert. Nun lässt sie sich von ihrer Adoptivmutter oder einer Nanny huckepack herumtragen, spielt mit ihrem Brüderchen David Banda, 3, Verstecken, und brachte sogar das Herz von Madonnas Ex-Ehemann Guy Ritchie zum Schmelzen – immerhin haben Madonna und Guy dank Mercy ihre Eiszeit beendet und hatten während ihres Aufenthalts in London wieder regen Kontakt. Schon nennt Guy das Mädchen liebevoll "Koala", weil sie sich an jeden, der sie auf den Arm nimmt, klammert, als wolle sie ihn nie wieder loslassen.

Mercys Integration in ihr neues Zuhause und das neue Umfeld scheint mühelos zu klappen. Auch Sprachschwierigkeiten gibt es offenbar nicht. In ihrer malawischen Vorschule wurde Englisch gesprochen, die zweite Amtssprache des Landes neben der Hauptsprache Chichewa. Zusätzlich bekam sie täglich eine Stunde Intensivunterricht. Rund um die Uhr umgeben mittlerweile drei Nannys die Kleine, die ausschließlich Englisch mit ihr sprechen. "Es ist auffällig, wie fröhlich und aufgeweckt Mercy ist", sagt ein Freund der Familie. "Sie scheint sehr extrovertiert zu sein." Dies ist offenbar auch der Grund, weshalb sie Madonna überhaupt auffiel. "Von all den Kleinen in ihrer Kindergartengruppe lachte Mercy am meisten – Madonna hat sich deshalb gleich in sie verliebt", so ein Vertrauter aus dem Umfeld der Sängerin. Mercy wirkt wie ein unproblematisches Kind, das sich den Umständen bereitwillig anpasst. Aber ob sie wirklich begreift, was mit ihr passiert? Wer all die Leute sind und was sie in großen, so unbekannten Städten wie London der Paris soll?

"Keinesfalls", meint Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann. "Man muss vorsichtig sein. Das strahlende Lächeln Mercys kann ebenso ein Signal für tiefste Verunsicherung und den Wunsch nach Zuneigung sein – in dem Fall lächelt sie, weil sie sich nicht genug geliebt und nicht sicher fühlt. Mercy muss jetzt erst Vertrauen aufbauen und lernen, dass die neue, sichere Umgebung ihr nicht wieder genommen wird." Gar nicht so einfach, denn die nötige Ruhe kann das Mädchen im Augenblick nicht finden, da es Madonna auf ihrer "Sticky and Sweat"-Tour begleitet. Bergmann: "Das ist für Mercy in dieser Phase leider denkbar ungünstig. Die Ruhelosigkeit kann im schlimmsten Fall sogar zu Hyperaktivität führen. Solche Kinder lachen auch häufig und sind auffallend charmant."

Mercy hat einiges hinter sich gelassen, das muss sie erst einmal verarbeiten. Besser lief es da für ihren Bruder David, der viel jünger war, als er in die neue Welt mit einem Popstar als Mutter kam: knapp anderthalb Jahre. Damit habe er eine kürzere Vorgeschichte gehabt und weniger Dinge aufzuarbeiten, so Psychologe Bergmann. Doch meistens ist es nicht David, sondern seine Schwester, die man auf dem Spielplatz laut lachen hört. Obwohl ihr kleiner Adoptivbruder nicht zum Temperamentstyp "Sonnenschein" gehört wie sie, ist er für Mercy eine große Stütze. Er hat die gleiche Hautfarbe und kommt aus demselben Kulturkreis, außerdem ist ihm die gemeinsame afrikanische Muttersprache zumindest unterbewusst noch vertraut. So wird er automatisch zu ihrem Verbündeten.

Jetzt braucht Mercy so viele Konstanten wie möglich in ihrem Leben, analysiert Wolfgang Bergmann. "Die neue Familie sollte alles tun, um eine vertraute Umgebung zu schaffen." Madonna hat sich dabei alle Mühe gegeben und Mercys New Yorker Kinderzimmer, in das die Kleine nach Ende der Welttournee einziehen darf, luxuriös eingerichtet. Kostbare Porzellanpuppen, antike Teddys und Landkarten von Afrika an den Wänden sollen der Kleinen zeigen: "Hier bist du willkommen." Mercy wird es ihrer neuen Mama danken – mit einem Lachen.