Lily Allen
© Getty Images Lily Allen

Lily Allen Nur einer kann sie trösten

Schock für Lily Allen: Die Sängerin hat ihr Baby verloren - ihre zweite Fehlgeburt. Sie war im sechsten Monat schwanger. Nun kommt alles auf ihren Freund an

Als Lily Allen mit heftigen Bauchschmerzen

in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert wurde, klammerte sie sich verzweifelt an die Hoffnung, dass die Ärzte ihren ungeborenen Sohn vielleicht doch noch retten können. Es gelang ihnen nicht. Die britische Sängerin verlor ihr Baby im sechsten Monat. Wenig später musste Allen sogar um ihr eigenes Leben bangen und wurde in die Notaufnahme eingeliefert. Diagnose: eine Blutvergiftung, die auf die Fehlgeburt zurückzuführen ist.

Voller Vorfreude auf ihr erstes Kind alberte die schwangere Lily Allen vor zwei Monaten im Rahmen der Londoner Fashion Week mit Agyness Deyn herum.
© Action PressVoller Vorfreude auf ihr erstes Kind alberte die schwangere Lily Allen vor zwei Monaten im Rahmen der Londoner Fashion Week mit Agyness Deyn herum.

Inzwischen ist die 25-Jährige langsam auf dem Weg der Besserung und bedankte sich via Twitter für den großen Zuspruch: "Ich bin noch immer krank, aber mit euren lieben Nachrichten helft ihr mir, stark zu sein!" Tatsächlich zeigten in den vergangenen Tagen viele Fans ihr Mit- gefühl. Ungezählte gute Wünsche, ein Blumenmeer vor ihrem Haus - das alles soll Trost spenden und Lily Allen zeigen, dass sie mit ihrem Schmerz nicht allein ist. Auch Promis wie Katy Perry oder Danii Minogue bekundeten ihr Beileid. "Ich schicke meine Gebete an Lily und ihre Familie", twitterte zum Beispiel Justin Bieber. "Ich denke an Lily und ihren Partner in dieser so traurigen Zeit", schrieb Emma Bunton. Doch in Sympathie und Empathie mischt sich die Sorge, dass Lily Allen nach diesen Schicksalsschlägen erneut abrutschen könnte - in Alkoholorgien, Partyexzesse, Depressionen. So wie vor zwei Jahren, als sie schon einmal ein Baby verlor.

Damals datete sie den Musiker Ed Simons. Der konnte ihr nicht über den Verlust hinweghelfen. Sie versuchte ihre tiefe Traurigkeit wegzutrinken, wegzufeiern. Die Folge: Ihre Beziehung zerbrach. In dieser Zeit ließ die Sängerin keine Möglichkeit aus, um zu schockieren. Sie gab die Rotzgöre, die mit anzüglichen Geständnissen über sexuelle Vorlieben und Affären mit älteren Männern für Stirnrunzeln sorgte. Im Interview mit Gala reagierte sie 2009 auf Fragen eher gelangweilt, lackierte ihre Fingernägel und bekannte, dass sie grundsätzlich nur auf ihren Psychotherapeuten hört ...

Seit Juli 2009 sind Lily Allen und Sam Cooper ein Paar. Lily liebt diesen bodenständigen Mann, der von ihrem Ruhm nicht sonderlich beeindruckt ist. Der 32-jährige Maler und Dekorateur brachte das wilde Mädchen dazu, innezuhalten und zuzuhören. Sie fand in ihm die Liebe ihres Lebens – und die innere Ruhe, nach der sie sich so lange gesehnt hatte. Mit Sam wollte sie eine Familie gründen, London hinter sich lassen und aufs Land nach Gloucestershire in ein Elf-Zimmer- Anwesen ziehen: "Sam behandelt mich anders. Er hat gesagt, dass er für immer auf mich aufpassen wird. Das habe ich gesucht! Jemanden, der mich beschützt", verriet sie im Sommer der "Sun".

Angeblich streiten die beiden nie, und es gibt nichts, was sie aneinander stört. Schon häufig war von Hochzeitsplänen die Rede; spätestens als sie die ersten Ultraschallbilder ihres gemeinsamen Sohns in den Händen hielten. Anstatt Alben zu produzieren, wollte die Musikerin in Zukunft lieber Marmelade für Mann und Kind kochen. Lily Allen hatte sich selbst Mutterschutz verordnet. Für mindestens zwei Jahre. Dieses Mal wollte sie alles richtig machen. Mit der erneuten Schwangerschaft änderte sie auch ihr Leben. "Ich vermisse das Trinken, Rau­chen und das Rock'n'Roll-Leben nicht. Nüchtern zu sein hat mir die Augen geöffnet, ich kann es nicht erwarten, Mutter zu werden", bekannte sie im "Sunday Mirror". Doch der Traum vom Elternglück zerbrach in der Londoner Klinik.

Da war die Welt für sie noch in Ordnung: Lily Allen Anfang Oktober in Paris auf dem Weg zur Fashion-Show von Chanel.
© Getty ImagesDa war die Welt für sie noch in Ordnung: Lily Allen Anfang Oktober in Paris auf dem Weg zur Fashion-Show von Chanel.

Übrig bleibt unendliche Trauer - und die Angst, vielleicht niemals ein gesundes Kind gebären zu können. Warum Lily Allen ihr Baby verlor? Diese Frage werden ihre Ärzte erst nach intensiven Untersuchungen feststellen können - etwa ob ein Grippevirus dem Kind geschadet haben könnte. Während der Pariser Fashionshows im Oktober hatte die Sängerin sich einen grippalen Infekt eingefangen und litt unter so starken Halsschmerzen, dass sie nicht mehr schlucken konnte. Um ihr Kind zu schützen, nahm sie jedoch keine Medikamente. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Grippe auf das Kind übergegangen ist. Und komplett unwahrscheinlich ist - wenn es sich wirklich um ein Grippevirus handelt -, dass dadurch eine Fehlgeburt ausgelöst wurde", betont der Hamburger Gynäkologe Hans-Albrecht von Waldenfels.

Erst wenn ihre Ärzte die tatsächliche Ursache gefunden haben, kann sich Lilys größter Wunsch vielleicht doch noch erfüllen. Die Sehnsucht nach Kindern und der Drang, bereits in jungen Jahren eine Familie gründen zu wollen, liegen in ihrer Kindheit begründet. Lily war erst vier Jahre alt, als ihr Vater die Familie verließ, eine Erfahrung, die sie nur schwer verarbeitete. Schon früh probierte sie verschiedene Drogen aus, schmiss mit 15 die Schule, ging auf Ibiza-Clubbingtour, lernte schließlich Floristin - träumte dabei aber stets von einer Karriere als Popstar. Dieser Traum erfüllte sich. Doch eigentlich blieb sie das kleine Mädchen, das die Geborgenheit einer Familie suchte. Auch in den Armen älterer Männer.

Fällt sie nach dem Schock wieder in ihr altes Muster zurück? Oder erholt sich die labile Sängerin wieder? Alle Hoffnung ruht dabei auf Sam Cooper. Seit der Fehlgeburt weicht er nicht von Lilys Seite, sagen enge Freunde. Seine starken Arme müssen sie jetzt festhalten. Damit sie spürt, dass sie nicht allein ist und dass es einen Sinn hat, weiterzumachen.

Andrea Schumacher
Mitarbeit: Julia Haak, Alexander Nebe