Lady GaGa

Ganz schön gaga

Skandalnudel, Chart-Stürmerin, Mode-Ikone - Lady GaGa ist die Pop-Sensation des Jahres. Jetzt fragt sich alle Welt: Who's that girl? Gala hat bei ihr und ihren Freunden Antworten gefunden

Lady Gaga

Man wird selbst ein bisschen gaga

bei der Begegnung mit . Ist sie ein Alien? Ein geschminkter Roboter? Oder doch aus Fleisch und Blut? Beim Interview gibt sie sich fast noch unnahbarer als in den schrillen Fantasiewelten der Shows und Videoclips: Das Kleid ist ein Gerüst aus weißem Plastik, drei Stylistinnen umschwirren sie wie Bienen ihre Königin. Sie zuppeln, sprayen und kämmen ohne Unterlass. Das, denkt man, wäre sogar zu albern.

Fashion-Looks

Der Style von Lady GaGa

Wer den Leo-Look liebt, sollte sich eines merken: Je mehr Raubkatze, umso wilder das Outfit. Daher gilt die Fashion-Regel: Lieber einen Gang zurückschalten und nur ein Stück mit dem Animal-Print tragen. Doch Lady Gaga folgt ihrem ganz eigenen Mode-Gesetz. Bei ihr ist mehr einfach mehr. 
Am Abend des gleichen Tages geht Lady Gagas Kostüm-Show weiter. Von der Raubkatze verwandelt sie sich in ein Crew-Mitglied von "Star Trek". Beam her up, Scotty!
Rodeo scheint am Tag zuvor das Motto von Lady Gaga zu sein. Ein paar Inspirationen könnte sich die Sängerin aber auch aus "Fifty Shades of Grey" geholt haben. Was für ein skurriler Mix aus Lederriemen, Cowboy-Accessoires und Diva-Attitüde.
Den Hut und die XXL-Sonnenbrille kombiniert Lady Gaga wenig später zu einem weiteren Hingucker-Outfit, an das man sich erst gewöhnen muss. Neben dem Latzkleid, das sie als Rock trägt, ist die Tasche von Gucci definitiv ein pompöser Blickfang.

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Wie die Umschwärmte ihren Stil beschreiben würde? Die Lady klimpert mit dichten falschen Wimpern, blickt stechend unterm weißgefärbten Pony hervor und buchstabiert nach einer gefühlten Viertelstunde: "Exxx-zennn-trisch!" Aktionen wie diese folgen einem strengen ästhetischen Konzept: Sei alles außer authentisch! Mit dem wundersamen Mix aus Performance Art, trashiger Musik und Frivolitäten galt die wilde Wasserstoffblondine vor nicht mal einem Jahr noch als überkandidelte Eintagsfliege, die frech behauptete: "Ich war schon immer ein Star!" Lady GaGa kann übrigens nicht nur schrill sein, sondern inszeniert sich auch als Intellektuelle: Rilke und Montaigne zitiert sie genauso wie aktuelle Theorien zur Popkultur.

Und tatsächlich hat sie sich behaupten können - in den Charts ebenso wie in den Feuilletons. Man traut ihr sogar zu, eine ähnlich lange und erfolgreiche Karriere hinzulegen wie . Doch zurzeit spielt die Queen of Pop noch in einer ganz anderen Liga. Die 51-jährige hat nicht nur einige Dutzend Charthits produziert, sie hat die Welt verändert mit den immer wieder neuen Rollen, in die sie geschlüpft ist, und den immer neuen Images, mit denen sie gespielt hat.

Madonna: "Als ich Sie das erste Mal auf der Bühne sah, merkte ich - Sie hat den it-Faktor"

Die alte und die neue Queen of Pop? Abwarten, schließlich ist Madonna schon ein paar Jahre länger im Geschäft.

Madonna gibt sich entspannt, sie fürchtet keinesfalls, von Lady GaGa vom Pop-Thron gestoßen zu werden. Zuletzt lobte sie ihre Konkurrentin in einem Interview: "Als ich sie das erste Mal auf der Bühne sah, fehlte das Geld für eine perfekte Show, sie hatte Löcher in der Strumpfhose, und nichts passte zusammen, aber ich merkte: Sie hat den 'It-Faktor'!" Sogar zu einer lustigen Spaßkloppe mit Lady GaGa bei "Saturday Night Live" ließ Madame Ciccone sich hinreißen - der Kampf der Gigantinnen, vorgetragen mit einem Augenzwinkern.

P-P-P-Pokerface: Große Klappe - wer steckt dahinter? Geboren wird die heutige Lady GaGa 1983 als Stefani Joanne Angelina Germanotta - im selben Jahr, in dem eine selbstbewusste 25-Jährige mit "Holiday" die Charts stürmt. Ihre Eltern Joseph und Cynthia sind erfolgreiche Geschäftsleute, die nach der Geburt von Stefanis kleiner Schwester an die angesagte Upper West Side von Manhattan ziehen, die Hochburg der Wohlhabenden und Intellektuellen. "Sie ist total auf dem Teppich geblieben und immer noch ein ausgesprochener Familienmensch", beschreibt ihre beste Freundin und ehemalige Bühnenpartnerin Lady Starlight Stefani heute. Schon mit vier Jahren bekommt Stefani Klavierunterricht, sie ist ein überdurchschnittlich musikalisches Kind, das schon an der privaten Mädchenschule "Convent of the Sacred Heart", an der auch unterrichtet wird, durch gute Leistungen auffällt. Eine weitere Mitschülerin, Cristina Crivetta, damals ein Jahrgang über Stefani, erinnert sich: "Stefani war schon immer ein Energiebündel. Es war schon früh klar, dass sie einmal ein Star werden würde." Im Interview mit Gala bestätigt Crivetta auch, was viele bezweifeln: dass Lady Gaga wirklich, wie sie immer sagt, erst 23 Jahre alt ist.

Echt Spitze, das Modell "Gebranntes Kind", das sie zu den Video Music Awards trug.

Echt spitze, das Modell "Gebranntes Kind", das sie zu den Video Music Awards trug.

Lady Gaga ist eine Frühstarterin und eine Überfliegerin: Bereits als 17-Jährige beginnt sie ein Musicaltheater-Studium an der "Tisch School of Modern Arts" der New York University - , oder sind berühmte Ehemalige. Unter ihren Kommilitonen hebt sich Stefani auf ihre Weise ab: "Ich zog mich immer in dieser super-sexualisierten Weise an - Minirock, Nuttenstiefel. Aber weil ich immer Einsen bekam, mussten die Professoren damit klarkommen."

Doch auch das Studium befriedigt sie auf Dauer nicht, sie will ein Star werden. Zusammen mit ihrer besten Freundin Colleen Martin alias DJ Lady Starlight tingelt sie nach nur einem Jahr Uni als "Lady GaGa and The Starlight Revue" durch die Undergroundbühnen New Yorks, leichtbekleidet und schwer bewaffnet - mit Haarspraydosen, die auf der Bühne als Flammenwerfer eingesetzt werden. Eine Zeitlang führt Stefani ein Doppelleben, schuftet tagsüber als Sekretärin für einen Musikverlag, während sie in der Nacht als Stripperin jobbt und mit Drogen experimentiert. Ihr übermäßiger Kokainkonsum wird zu einer Gefahr für ihre Gesundheit und ihre Kreativität. Doch ihr Vater kommt ihr zur Hilfe. Auf der US-Website "shockhound.com" gestand GaGa unlängst: "Er erkannte meine Sucht. Er sagte nie auch nur ein Wort über die Drogen, aber er gab mir Folgendes mit auf den Weg: 'Wenn du so weitermachst, dann wirst du am Ende keinen Freund mehr haben.' Wir mussten danach nie wieder darüber sprechen."

Es gelingt ihr fortan, ohne Aufputschmittel zu leben, zu feiern - und zu arbeiten. Sie schreibt Hits für etablierte Künstler wie , die Pussycat Dolls und den Rapper Akon; vor allem aber arbeitet sie mit unbändiger Energie an ihrem eigenen Album, mit dem sie endlich berühmt werden will. "The Fame" erscheint im August 2008 und entwickelt sich quasi über Nacht zu einem Welterfolg, die Singles "Just Dance" und vor allem "Poker Face" kennt bald jedes Kind rund um den Globus.

So sieht es aus, wenn Lady Gaga sich als Graf Zahl verkleidet.

So sieht es aus, wenn Lady GaGa sich als Graf Zahl verkleidet.

Den langfristigen Erfolg soll das "Haus of GaGa", ein Team kreativer Twens, garantieren - alles ehemalige Studienkollegen und Freunde, darunter der angesagte Stylist und Art Director und GaGas Ex-Lover William Matthews. Alle zusammen arbeiten daran, das Kunstprodukt Lady GaGa global am Laufen zu halten, denken sich Aktionen aus wie Kunstblutorgien auf der Bühne, lassen Lady GaGa bei einer Pressekonferenz eine Gasmaske tragen oder engagieren für ein Shooting den auf Fesselspiele abonnierten japanischen Fetischfotografen Nobuyoshi Araki. Getreu dem Motto: Nichts ist zu krass, um es nicht zu tragen oder zu machen.

Wer sich wie Lady GaGa hinter immer neuen Masken versteckt und kaum etwas von sich preisgibt, über den wird natürlich umso wilder spekuliert. Ist sie nun bisexuell, lesbisch oder lebt sie doch in einer Beziehung mit einem konservativen New Yorker Unternehmer, Spitzname "Speedy"? Bislang absurdestes Klatschthema: Sie sei ein Zwitter, habe sogar einen Penis. Lady GaGa feuert die Gerüchteküche weiter an, indem sie solche Fragen gar nicht oder nur ausweichend beantwortet. Auch im Gala-Interview lässt sie sich nur zu einem "Ich bin äußerst aufgeschlossen" hinreißen.

Dann wechselt sie das Thema, spricht lieber darüber, was sie von Konkurrentinnen wie Beyoncé oder Shakira unterscheidet: "Ich glaube nicht, dass ich aussehe wie diese ganzen perfekten kleinen Sängerinnen. Ich sehe neu aus und ändere die Vorstellung der Leute von dem, was sie sexy finden." Dass Lady GaGa selbst in Wahrheit nur Männer sexy findet, behauptet Lady Starlight - aber will man das wirklich so genau wissen? Das Spiel mit der Sexualität ist der halbe Spaß im GaGaversum.

Bleibt die Frage nach der Queen of Pop. "Madonna? Ist definitiv auf dem absteigenden Ast." Ziemlich dreiste Antwort, zumal sie ja von der Älteren neuerdings protegiert wird. Lady GaGa sagt das langsam, unaufgeregt und klimpert mit den Wimpern. Stefani Joanne Germanotta dagegen ist Madonna-Fan, seit sie denken kann. Doch Stefani ist in diesem Moment eben Lady GaGa, der Popstar, dessen Erfolg auf Provokation und Tabulosigkeit beruht. Die drei Stylistinnen zuppeln weiter an ihr herum, das Kostüm zwingt sie, aufrecht wie ein Stock zu sitzen. Es muss sehr anstrengend sein, sich pausenlos in Szene zu setzen.

Roland Rödermund Mitarbeit: Julide Tanriverdi, Hauke Herffs

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