Kristen Stewart

Verstellen ist nicht ihr Ding

"Ich war nie ein Girlie": Kristen Stewart bleibt sie selbst - auch wenn sie damit aneckt. Gala traf das Ausnahmetalent

Kristen Stewart

Kristen Stewart kommt in die Suite des Berliner "Regent"-Hotels geschlurft, schaut sich argwöhnisch um und ringt sich ein "Hi" ab, während sie ihr Gegenüber aus grünen Augen fixiert. Mit dieser dunklen, rauchigen Stimme wirkt das zarte Persönchen wie eine weise Frau im Körper einer Göre. Das Jeanshemd weit aufgeknöpft, fläzt sie sich in den Sessel.

Ihre Alabasterhaut verleiht der Zwanzigjährigen einen feenhaften Schimmer - ein Kontrast zu den unsauber schwarzlackierten Nägeln und den vielen Silberringen an den Händen. Besonders auffällig ist der am Mittelfinger: ein Löffelstiel, den Stewart unruhig hin- und herdreht. Vollständige Sätze zu formulieren fällt ihr schwer, sie stockt immer wieder, überlegt, beginnt von Neuem. Kristen Stewart, derzeit der angesagteste weibliche Jungstar, ringt nach Worten.

Fashion-Looks

Der Style von Kristen Stewart

Fast romantisch im weißen Spitzenkleid von Preen by Thornton Bregazzi präsentiert sich Kristen Stewart bei der Thirst Gala in Beverly Hills.
Die Stimmung bei der "Personal Shopper"-Premiere ist zwar bestens, Kristen Stewart merkt an aber trotzdem an, dass der rote Teppich einfach nicht ihr Ding ist.   Im eher sportlichen, unglamourösen Chanel-Look spaßt sie unruhig mit Regisseur Olivier Assayas, Nora von Waldstätten und den anderen Schauspielkollegen herum.
Abgelatschte Turnschuhe statt High Heels! Auf dem Rückweg vom Kinosaal ist Kristen Stewart der Dresscode dann vollends egal.
Kristen Stewart besucht das "Vanity Fair and Chanel"-Dinner natürlich in einem Chanel-Outfit.

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Erstaunlich! "KStew" ist als Tochter eines TV-Produzenten und einer Drehbuchautorin an Filmsets groß geworden, drehte mit neun einen Porsche-Werbespot, beein­druckte mit elf im Psychothriller "Panic Room" als Tochter von Jodie Foster und gilt seit dem "Twilight"-Hype als Hollywood-Wunderkind. Und trotzdem mag sie den "Zirkus", wie sie es nennt, nicht sonderlich. Ausgerechnet ihr als Schauspielerin ist das öffentliche Interesse ein Graus.

Dass sie und ihre "Twilight"-Kollegen – Freund Robert Pattinson und Kumpel Taylor Lautner – eine Hysterie auslösen, die es seit den Beatles nicht mehr gab, ist ihr unverständlich. "Manchmal wird es mir zu viel, wenn ich mich vor vielen Leuten präsentieren muss. Oft könnte ich heulen. Eine körperliche Reaktion auf die Energie, die mir entgegen­schlägt", erklärt sie. Dabei scheint sie ihre Füße hypnotisieren zu wollen und knetet mit der rechten Hand die Halskette, an der ein Kreuz baumelt. "Ich bin keine leichtherzige Person, deshalb denkt man schnell von mir, dass ich schüchtern bin oder mich nicht wohlfühle. Aber ich kenne niemanden, dem das alles mehr bedeutet, verdammt noch mal", raunzt sie so bockig, dass man einen Fußstampfer erwartet.

Vielleicht hat sie deshalb so ein gutes Gespür für hochwertige Independent-Filme. Sie überzeugte in Sean Penns Aussteiger-Drama "Into The Wild" mit Emile Hirsch und in "The Cake Eaters", einem Familien­drama von "Grüne Tomaten"-Star Mary Stuart Masterson. "Mich hat es nie interes­siert, ob ein Film das Zeug zum Kassen­schlager hat. Ich entscheide mich nur für ein Projekt, wenn ich keine Wahl habe, weil mein Verlangen nach der Rolle so groß ist, dass ich sie einfach spielen muss", sagt Stewart.

Wie ernst ihr dies ist, haben bereits einige Regisseure erfah­ren, mit denen sie in ihrer zehn­jährigen Karriere zusammengearbeitet hat. "Ich mache mir Sorgen um ihre Gesundheit, weil sie keine Emotionen rüber­bringen kann, die sie nicht selbst fühlt", sagt etwa "New Moon"-Regisseur Chris Weitz. Da müs­sen dann schon mal Drehbücher umgeschrieben werden, wenn Stewart gewisse Zeilen nicht über die Lippen bringt, weil sie sie so nie sagen würde. Zu schauspielern heißt für Stewart paradoxer­weise, authentisch zu sein. Wie im Film "Welcome to the Rileys", in dem sie für den Part einer 16-jährigen Stripperin die Nächte durchmachte, Kette rauchte und Pole-Dan­cing lernte – blaue Flecken inklusive. "Das war eine Rolle wie eine offene Wunde", er­klärt Stewart. Und lächelt. Ausnahmsweise.

Junge Frauen, die unbequem sind und nach dem Sinn des Lebens suchen, durch­ziehen die Rollen in Kristen Stewarts Filmo­grafie wie ein roter Faden. In ihnen findet sie sich wieder. Chucks statt High Heels auf dem roten Teppich, Haschisch rauchen, baden im Bikini mit Marihuanablattdesign – Stewart hat einen Hang zum Rebellentum. "Ich bin mit zwei Brüdern aufgewachsen, ich war nie ein Girlie. Ich habe lieber mit den Jungs Baseball oder Schlagzeug gespielt, als das Schminken zu üben." In der Schule sei sie eine Außenseiterin gewesen. "Ich gehörte nie zu denen, die mit jedem befreundet sein wollen." Schwingt da ein bisschen Stolz in ihrer Stimme mit?

Normal zu leben, um jeden Preis – das ist Kristen Stewarts Ziel. Ihr erklärtes Vorbild: Ex-Leinwand-Mama Jodie Foster, mit der sie heute noch manchmal telefoniert. "So wie Jodie möchte ich sein. Trotz ihres Erfolgs ist sie keine Diva, sie packt überall mit an, behandelt jeden gleich und spricht kaum über ihr Privatleben. Warum sollte man da­mit prahlen, zu welchen tollen Partys man eingeladen wird? Nur weil ich Filme drehen darf, sehe ich mich nicht als Celebrity. Ich möchte etwas Sinnvolles tun mit dem Status, den ich mal erreichen kann." Und die grünen Augen blitzen wieder.

Sandra Reitz

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