Königin Beatrix

Vorbei mit Volksmonarchie?

Nach dem Anschlag auf Königin Beatrix und ihre Familie am Nationalfeiertag werden die Sicherheits-Maßnahmen erhöht. Aber was bedeutet das für die Holländer?

Königin Beatrix

Königin Beatrix

Bisher gaben sich und ihre Familie stets volksnah, scheuten sich nicht vor engstem Kontakt mit ihren Untertanen: Das Bad in der Menge, Küsschen für Königs - alles Teil der herzlich-unbeschwerten niederländischen Monarchie.

Doch seit dem Anschlag am (30. April) ist diese Leichtigkeit zerstört. Der 38-jährige Karst T. war bei einer Parade in Apeldoorn in seinem Suzuki mit Vollgas in die Menge gerast. Sein Ziel: Die Königsfamilie - das hatte der arbeitslose Wachmann den Polizisten noch mitteilen können, bevor er an seinen Schädelverletzungen starb. Er hatte den offenen Festbus mit Königin Beatrix, und nur um wenige Meter verfehlt. Das Motiv ist nach wie vor unklar. 250 Polizisten und eine unabhängige Untersuchungskommission wurden eingesetzt, um nach Hintergründen für die Tat zu suchen. Doch bislang ohne Erfolg. In der Wohnung des Attentäters, die offenbar zwangsgeräumt werden sollte, entdeckten die Ermittler keine Hinweise. Nur soviel weiß man: Karst T. war unverheiratet, hatte nach Angaben von Nachbarn des Städtchens Huissen sehr zurückgezogen gelebt und war auch sonst von der unauffälligen Sorte. Bis zum Königinnentag.

Insgesamt tötete Karst T. bei seiner Amokfahrt 7 Menschen - einschließlich sich selbst - weitere 11 Personen wurden verletzt. Königin Beatrix, Prinz Willem-Alexander und seine Frau Máxima mussten vom Festbus aus entsetzt beobachten, wie aus ihrem fröhlichen Bad in der Menge ein furchtbares Blutbad wurde.

Innerhalb kürzester Zeit wurde die in Sicherheit gebracht, alle weiteren geplanten Feierlichkeiten zum Königinnentag wurden abgesagt. In einer Fernsehansprache wandte sich eine sichtlich erschütterte Beatrix an ihr Volk: "Was als ein wunderschöner Tag begann, endete in einem furchtbaren Drama, das uns zutiefst geschockt hat. Menschen, die in der Nähe standen oder die im Fernsehen gesehen haben, was da passiert ist - alle, die das miterlebt haben - sind erschüttert und fassungslos. Wir sind sprachlos, dass etwas so Fürchterliches geschehen konnte. Meine Familie, ich - aber ich denke auch alle im Land - fühlen von ganzem Herzen mit den Opfern, mit ihren Familien und Freunden und mit allen, die durch dieses Unglück tief getroffen wurden."

Der Anschlag von dürfte weitreichende Folgen haben. Die Frage ist: Werden Beatrix, Willem und Máxima jetzt ihre bisherige Volksnähe aufgeben müssen?

Experten gehen davon aus, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden - und das erschwert den Kontakt zum Untertanen erheblich. Denn die Königsfamilie ist nicht unverwundbar und auch längst nicht so neutral-unantastbar, wie es die Niederländer bisher gern geglaubt haben. "In Apeldoorn ist eine nationale Illusion kaputtgemacht worden", schreibt dementsprechend auch die Zeitung "de Volkskrant". Doch Königin Beatrix zeigt sich nach dem Anschlag couragiert: Noch am Wochenende besuchte sie mit Prinz Willem-Alexander, Máxima und weiteren Familienmitgliedern verletzte Opfer des Anschlags in Krankenhäusern. Sie erklärte, dass es auch künftig einen Königinnentag geben und man sich der Gewalt keinesfalls beugen werde.

Am niederländischen Volkstrauertag und am Tag der Befreiung wollen Königin Beatrix und Prinz Willem-Alexander an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen. Wenn sie das tun, dann nur unter stark erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Mehr Leibwächter und sogar Scharfschützen sollen zum Schutz der Königsfamilie eingesetzt werden. Geknuddel mit dem Volk wird es für lange Zeit erstmal nicht mehr geben.

Jessica Wagener

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