König Juan Carlos von Spanien

Trauriges Jubiläum

Am Samstag wird Spaniens König Juan Carlos 75. Nach einem Jahr voller Skandale ist vom Glanz alter Zeiten wenig übrig

Juan Carlos

Juan Carlos

Die Spanier sind ein großzügiges Volk,

bereit zu vergeben und zu vergessen, auch bei ihren Mächtigen. "Der König ist wieder so beliebt wie vor einem Jahr", verkündete der Hof kürzlich zufrieden und berief sich auf eine Umfrage, die er selbst in Auftrag gegeben hatte. Die Meldung könnte ein tolles vorgezogenes Geschenk zum 75. Geburtstag von Juan Carlos am Samstag sein. Wenn sie denn nur der Realität entsprechen würde.

Spaniens Königspaar

Felipe und Letizia mit ihren Töchtern

5. Februar 2017   Die königliche Familie befindet sich im Skiurlaub im Winterskigebiet Astún in den Pyrenäen. Bevor es auf die Piste geht stellen sich König Felipe und Königin Letizia und ihre Töchter den Pressefotografen.  
26. Januar 2017   Königin Letizia und König Felipe beim Neujahrsempfang des diplomatischen Corps in Madrid. Das Paar feiert am 30. Januar den 49. Geburtstag des Königs. 
Prinzessin Sofia, Königin Letizia, Prinzessin Leonor und König Felipe grüßen traditionell zu Weihnachten mit einem Familienfoto auf einer unterschriebenen Karte.
17. November 2016   Die königliche Familie ist farblich auf den Herbst eingestimmt. Bei der feierlichen Parlamentseröffnung treten König Felipe und Königin Letizia mit ihre beiden Töchtern Prinzessin Leonor und Prinzessin Sofia auf und absolvieren einen offiziellen Termin.

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Was sich mit bestem Willen nicht beschönigen lässt: Der Monarch hat ein schlimmes Jahr hinter sich, das deutliche Spuren hinterlassen hat. Gesundheitliche, moralische und sogar juristische. "Das Ansehen des Königs hat im letzten Jahr stark gelitten. Er gilt nicht mehr als unantastbar", so Annekarin Lammers, die in den vergangenen fünf Jahren als ARD-Korrespondentin aus Madrid berichtet hat, zu "Gala". Nachdem die spanische Presse jahrzehntelang eine Vasallentreue gegenüber der spanischen Königsfamilie geübt hatte, wurden plötzlich auch in seriösen Medien kritische Stimmen laut.

War früher alles besser? Richtig schnittig sah Juan Carlos 1979 hier mit Ehefrau Sofia aus. Den charismatischen Womanizer nimmt

War früher alles besser? Richtig schnittig sah Juan Carlos 1979 hier mit Ehefrau Sofia aus. Den charismatischen Womanizer nimmt man ihm heute - nach drei Hüftoperationen - kaum noch ab.

Erster Stolperstein: Juan Carlos' Elefantenjagd in Botswana im März, von der die Öffentlichkeit nur deshalb erfuhr, weil er sich auf der Reise die Hüfte gebrochen hatte. Anstößig fand man die Luxus-Safari nicht nur, weil der König Präsident des Tierschutzbundes WWF war - ein Amt, das er anschließend verlor -, sondern auch weil er offenbar in Begleitung von Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg reiste. Laut Pilar Eyre, Autorin des Skandalbuchs "Sofia: Una Vida. La Soledad De La Reina" ("Die Einsamkeit der Königin"), pflegt Juan Carlos zu der Deutschen schon seit Jahren eine besondere Bekanntschaft. Frauen verführen, wilde Tiere jagen - solche Aktivitäten haben die Spanier ihrem König schon immer nachgesehen, unterstreichen sie doch das Bild vom potenten Regenten. Doch in Zeiten wirtschaftlicher Probleme haben die Menschen weniger Geduld mit ihren Staatsoberhäuptern. "Was die Spanier wirklich aufgeregt hat, war der Zeitpunkt der Elefantenjagd", so Annekarin Lammers. "Solch eine Reise in einer Zeit zu unternehmen, in der Spanien in die Rezession rutscht, war einfach unsensibel."

Jahrzehntelang genoss Juan Carlos das Image des charismatischen Womanizers und Haudegens. Dass er das Land vor fast 40 Jahren nach der faschistischen Diktatur in die Demokratie geführt hat, rechnen ihm die Spanier hoch an. Doch der Glanz alter Zeiten verblasst. Nach drei Hüftoperationen - Nachwirkungen seines unrühmlichen Sturzes in Botswana - wirkt der Monarch wie ein angezählter Boxer. Als er zuletzt Anfang Dezember das Krankenhaus in Madrid verließ, müde, wackelig, aufgedunsen, scherzte er: "Ich verlasse jetzt die Werkstatt".

Hoffnungsträger: Kronprinz Felipe und seine Frau Letizia sind die Einzigen in der spanischen Königsfamilie, die das Jahr ohne Sk

Hoffnungsträger: Kronprinz Felipe und seine Frau Letizia sind die Einzigen in der spanischen Königsfamilie, die das Jahr ohne Skandal hinter sich brachten.

Königin Sofia macht gute Miene zum bösen Spiel. Pflichtschuldig besuchte sie ihren Ehemann im Krankenhaus und absolvierte alle wichtigen Termine an seiner Seite - obwohl längst keiner mehr an eine intakte Ehe glaubt. Auch das Bild der heilen königlichen Familie entpuppte sich als Farce. Mittlerweile hat der König seine beiden Töchter von offiziellen Aufgaben entbunden: Infantin Elena, weil sie nach ihrer Scheidung für den erzkatholischen Hof offenbar nicht mehr tragbar ist, und Infantin Cristina, weil ihr Mann unter Korruptionsverdacht steht. Iñaki Urdangarin wird beschuldigt, mit seiner angeblich wohltätigen Stiftung Nóos viele Millionen Euro Spendengelder veruntreut zu haben. Im Februar 2012 wurde er 22 Stunden lang von einem Richter auf Mallorca vernommen, Ende November forderte die Staatsanwaltschaft eine Kaution von vier Millionen Euro für den ehemaligen Handballnationalspieler. Kommende Woche tagt das Gericht erneut.

Für Juan Carlos ist der Prozess ein Pulverfass. "Dass ein Mitglied der Königsfamilie vor Gericht steht, das gab es noch nie. Wenn sein Schwiegersohn verurteilt werden und ins Gefängnis wandern sollte, dann muss sich der König warm anziehen. Das würde die spanische Monarchie in ihren Grundfesten erschüttern", so Spanien-Kennerin Annekarin Lammers, die Juan Carlos zum 75. Geburtstag ein Filmporträt im deutschen Fernsehen widmet.

Die nächste Generation steht zwar in den Startlöchern, wirkt im Vergleich zum Senior aber eher blass und uncharismatisch. Immerhin: Kronprinz Felipe und seine bürgerlich geborene Ehefrau Letizia sind in der Königsfamilie die Einzigen, die derzeit in keinen Skandal verwickelt sind. Wegen der Erkrankung seines Vaters hat Felipe in den vergangenen fünf Wochen die Amtsgeschäfte geführt, am Sonntag, einen Tag nach seinem 75. Geburtstag, will sich Juan Carlos zurückmelden und eine Militärparade abnehmen. Der Boxer steht noch einmal auf. Wenn auch mit Krücke. Stefanie Richter

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