König Harald von Norwegen
© Getty König Harald von Norwegen

König Harald von Norwegen "Ich betrachte uns als Team"

Der Throninhaber von Norwegen feiert seinen 70. Geburtstag. Der richtige Zeitpunkt, um Kronprinz Haakon das Zepter zu übergeben?

Behaglich lehnt er sich im Sessel zurück,

verschränkt die Hände im Schoß und schaut mich erwartungsvoll an. König Harald V. hat uns ins Osloer Schloss eingeladen, aus Anlass seines 70. Geburtstags am 21. Februar. Die Kameras, die das Interview für die ARD aufzeichnen, scheinen ihn nicht zu stören. Gut sieht er aus in seinem grauen Anzug mit der roten Krawatte, bei aller Entspannung hellwach. Dabei hat sein Gesundheitszustand die Norweger in den vergangenen Jahren gleich zweimal in Sorge versetzt. Einmal musste sich der Monarch einer Blasenkrebsoperation unterziehen. Das andere Mal ging es um eine künstliche Herzklappe. In bei-den Fällen sprang Kronprinz Haakon für seinen Vater ein, empfing wichtige Staatsgäste wie den Kaiser von Japan. Ohne zu zögern bestätigt Harald, dass sein Sohn und dessen Frau Mette-Marit, beide 33, für ihn und Königin Sonja, 69, bei repräsentativen Aufgaben mittlerweile sehr wichtig geworden sind.

Eine klare Arbeitsteilung ist auch in einem Familienunternehmen wichtig. "Wir reden gerne von einem Vier-Mann-Team", sagt Harald, verbessert sich aber im gleichen Atemzug: "Vier-Personen-Team. Wir haben in der Tat wöchentliche Konferenzen, bei denen wir entscheiden, wer von uns was macht." Sohn und Schwiegertochter betrachte er heute "immer mehr als unsere Freunde, nicht mehr so sehr als unsere Kinder. Haakon gibt mir Ratschläge, ich gebe ihm Ratschläge – wir arbeiten als ein Team." Gemäß dieser Philosophie wird sich der König an seinem Geburtstag am kommenden Mittwoch im Kreis der gesamten Familie auf dem Balkon des Osloer Palasts zeigen. Ein äußerst seltener Anblick. Norwegens Royals sind im Land sehr beliebt, jeder hat einen vollen Terminkalender, nur so können die zahlreichen Wünsche nach einer persönlichen Begegnung erfüllt werden. Die anstrengenden Auslandsreisen außerhalb Europas sollen Haakon und Mette-Marit in Zukunft komplett für Harald übernehmen. So lautet der Rat der Leibärzte.

Die Frage liegt nahe, ob jetzt der Zeitpunkt gekommen sein könnte, das Amt in die Hände des Kronprinzen zu legen. Harald schüttelt den Kopf. "Ich denke, dieser Job - vielleicht ist das nicht ganz das richtige Wort - ist eine lebenslange Aufgabe", sagt er. "Bei uns ist es Tradition, dass der König König bleibt, bis er die Augen schließt." Ich frage ihn, welche Erklärung es dafür gibt: Bekommt man die Aufgabe direkt vom lieben Gott übertragen? "Ich glaube, so hat man das früher begriffen, heute sieht man es anders", antwortet er. "Ich selber empfinde es so, dass ich eine Verantwortung übernommen habe, und die habe ich wahrzunehmen, bis ich nicht mehr hier bin. Es sei denn, jemand kommt und erklärt mir, ich sei gaga und solle gehen. Das ist dann auch in Ordnung. Aber bis das passiert, trage ich die Verantwortung."

TV-Tipp: Das Interview in voller Länge zeigt die ARD am Mittwoch, 21. Februar, ab 21:45 Uhr.