Kindermädchen Hollywoods mächtigste Frauen

Sie kennen alle Familiengeheimnisse, sollen aber schweigen: Das ideale Kindermädchen zu finden, ist für Prominente wirklich nicht leicht

Kindergeburtstage sind etwas Tolles.

Herumtoben, Topfschlagen, Blinde Kuh spielen, Kuchen mit Schlagsahne essen. Eigentlich. Doch im Hause der vornehmen Upper-East-Side-Familie wäre solch eine Ausgelassenheit undenkbar. Da sitzt Grayer an seinem fünften Geburtstag im adretten Anzug vor einer riesigen Sahnetorte - nur in Gesellschaft seiner Nanny Annie (Scarlett Johansson). Die Eltern haben Wichtigeres zu tun. Der Film "Nanny Diaries" nach dem Bestseller der ehemaligen Au-pair-Mädchen Nicola Kraus und Emma McLaughlin nimmt auf ironische Weise den Nanny-Alltag aufs Korn: aufräumen, wickeln, bespaßen, Ausflüge organisieren, putzen, einkaufen - und nebenbei die Kleinen erziehen. Auch in Prominenten-Haushalten sind Nannys nicht allein für die Kinder da, sondern vielmehr Mädchen für alles. Sie gehören längst zu den wichtigsten Statussymbolen Hollywoods. Schließlich sind sie für Mom und Dad überlebenswichtig, da diese sonst nicht ihrem Job in der Traumfabrik nachgehen könnten. Ein teurer Spaß: "Bis zu 130000 Euro verdient eine fähige Nanny im Jahr", erklärt Glenda Ross von der Dienstleistungs-Agentur "Celebrities Staffing Services". Eine lohnende Investiton.

Um eine Top-Fachkraft zu finden, wenden sich Prominente meist an Nanny-Agenturen. Dort werden die Anwärterinnen auf Herz und Nieren geprüft, müssen sich Drogentests unterziehen, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sowie ihre Kreditwürdigkeit prüfen lassen. "Die Nanny muss repräsentativ für ihre Chefs sein", begründet es Glenda Ross. Daher bevorzugen Stars wie Tom Cruise oder Madonna Frauen, die zumindest einen College-Abschluss haben und langjährige Job-Erfahrung vorweisen können. Schließlich verbringt die Nanny mehr Zeit mit den Kindern als die Eltern selbst. Außerdem erhält sie Einblick in die intimsten Bereiche der Familie. Daher ist Diskretion das allerwichtigste Einstellungskriterium. "Eine verantwortungsvolle, vertrauenswürdige Person ist für Stars sehr schwer zu finden", weiß Katie Vaughan von der größten und bekanntesten Agentur "Westside Nannies" in Los Angeles.

So entbrennen regelrecht Kämpfe unter den Stars um die treueste Nanny-Seele. Eine, die sich vor Aufträgen kaum retten kann, ist Marva Soogrim: Seit sie sich um Julia Roberts' jüngsten Sohn Henry kümmert, ist sie in die Liga der Dollar-Millionäre aufgestiegen. Die Schauspielerin bot sich mit Sheryl Crow einen erbitterten Streit um Marva und warb sie letztlich ab - wegen ihrer Verschwiegenheit.

Nicht jeder Star hat so viel Glück: Trotz hervorragender Ausbildung und Erfahrung gibt es viele schwarze Schafe unter den Nannys. Geri Halliwell verklagte ihr deutsches Kindermädchen Jasmin Schmidt, weil diese ihre Tochter angeblich zu hart anpackte: Sie soll das Baby so geschüttelt haben, dass es blaue Flecken an den Armen zurückbehielt. Die Nanny der Beckhams, Abbie Gibson, plauderte gegenüber dem Magazin "News of the World" aus dem Nähkästchen. Und Jude Law betrog seine Verlobte Sienna Miller mit dem Kindermädchen Daisy Wright. Nur Ethan Hawke fand in Ryan Shawhughes die Nanny fürs Leben. Und lieferte damit den Beweis: Näher als eine Nanny kommt keiner an die Stars heran.