Kate Winslet Alle lieben Kate!

Von einer guten Schauspielerin zu Hollywoods absolutem Hotshot: Kate Winslet schaffte das binnen weniger Jahre. Was hat sie, was ihre Kolleginnen nicht haben?

Bei dieser Liebeserklärung seiner Frau musste Sam Mendes ganz stark sein - denn sie galt nicht ihm. "Manchmal", sagte die frischgebackene Golden-Globe-Gewinnerin Kate Winslet, "fühlt sich Leo viel eher an wie mein Ehemann als mein eigentlicher Ehemann. Ich liebe Leo einfach. Wir haben absolut keine Geheimnisse voreinander." Seit gut einem Jahrzehnt ist Leonardo DiCaprio, immer wieder mal ihr Liebhaber, erst in "Titanic", zuletzt in dem Globe-prämierten Ehedrama "Zeiten des Aufruhrs". Heute fühlen sich die beiden Schauspielkollegen als "engste Freunde", und Leo lobt sogar Kates Kuss-Qualitäten: "Sie hat offenbar viel geübt in der Zwischenzeit."

Sam Mendes, der seit 2003 mit Kate verheiratet ist, nahm dieses Lob wohl auch als Kompliment für sich selbst. Außerdem hatte er ja persönlich bei "Zeiten des Aufruhrs" Regie geführt und von seiner Frau und Leo ein intensives Spiel gefordert. Vor allem aber ist er es gewohnt, dass neuerdings jeder seine Frau verehrt - Produzenten, Kollegen, Kritiker, Filmfans. Binnen weniger Jahre hat sich Kate Winslet von einer guten Schauspielerin zu Hollywoods Hotshot entwickelt. Leo DiCaprio sagt, sie sei für ihn "die beste Schauspielerin unserer Generation". Für "Zeiten des Aufruhrs" und "Der Vorleser" sammelt Kate derzeit die wichtigsten Preise ein, bei der Oscar-Verleihung gilt sie als Favoritin, und vorher wird sie bei der Berlinale für Furore sorgen. Ganz schön viel Aufregung um eine Frau aus dem Londoner Vorort Reading, die mit 14 der festen Überzeugung war, Patrick Swayze sei der heißeste Typ auf Erden. "Ich wollte ihn haben. Und ich wusste, dass er sich unsterblich in mich verlieben würde, wenn er nur die Gelegenheit hätte, mich kennenzulernen ..." 20 Jahre später hat sich der Spieß umgedreht: Alle wollen Kate. Doch was macht diese Frau eigentlich so besonders?

Frei von Botox und Silikon-Implantaten ist sie natürlich schön. Kate vermittelt, dass sie ihren Körper mag, so wie er ist. Mal mit ein bisschen Hüftgold, mal ohne. Und wenn sich ein Fältchen einschleicht, ist das auch nicht schlimm. "Natürlich merke ich, dass die Maschine nicht mehr so gut geölt ist wie früher. Aber ich genieße die Veränderungen in meinem Gesicht." Size zero? Kein Thema für die lebenslustige Britin, dazu ist sie viel zu sehr Genussmensch. "Zu einem gesunden Körper gehört Fleisch auf den Rippen", lautet ihre Devise. Sie bricht eine Lanze für die deftige englische Küche, "Yorkshire-Pudding, fetttriefende Würstchen und Speck". Dass sie in Vorbereitung auf die Oscar-Saison solche Leckereien offenbar vom Speiseplan gestrichen hat, spricht für eine andere typische Eigenschaft: Willensstärke. Schlank und rank zeigt sich Kate in ihren glamourösen Roben seit Wochenalle auf den vielen Premieren- und Preisverleihungsgalas. Bei diesen luftigen Outfits, merkt sie an, könne man leider sehen, dass ihr rechter Bizeps überdimensional ausgeprägt ist. Vom vielen Kinderschleppen der vergangenen Jahre. US-Talkqueen Oprah Winfrey konzentrierte sich offensichtlich auf eine andere Körperpartie. "Ich liebe die Tatsache, dass Kate echte Brüste hat", sagte sie vor laufender Kamera. "In allen Busen-Szenen tun ihre Brüste, was echte Brüste eben tun - sie fallen zur Seite. Gott schütze ihre Brüste!"

Mit Nacktszenen hatte Kate nie ein Problem, ob im Vorstadtdrama "Little Children", im Spionage-Streifen "Enigma" oder jüngst in der Babelsberg-Produktion "Der Vorleser". Wenn es die Rolle erfordert, macht es ihr auch nichts aus, stundenlang halbnackt am Set zu warten. Halle Berry zum Beispiel bewundert ihre Kollegin dafür, dass sie auch in solchen Momenten "ganz mit sich im Reinen" ist.

Der wichtigste Schlüssel zum Glück sind für Kate jedoch ihre beiden Kinder. "Mia und Joe sind meine größte Freude im Leben. Ich würde alles tun, damit es ihnen gut geht." So erklärt sich auch die Tatsache, dass Kate und ihr Mann Sam in getrennten Flugzeugen saßen, als sie Ende Januar von London nach Los Angeles zu den Golden Globes flogen. "Ich weiß, es klingt lächerlich", sagt sie wie zur Entschuldigung. "Aber solche Maßnahmen vermindern das Risiko, und dann fühle ich mich besser."

So oft wie möglich nimmt sie Mia und Joe mit zur Arbeit. "Mein Mann und ich teilen uns das Babysitting. Ich habe keine Lust auf diese Hollywood-Nummer mit tausend verschiedenen Nannys, nur damit die Karriere nicht leidet." Auch während der Dreharbeiten zum "Vorleser" in Deutschland bekam sie regelmäßig Besuch von ihrer Familie. Für die Fälle, in denen sie doch allein zu Dreharbeiten oder Presseterminen reisen muss, hat Kate eine besondere Form der Kommunikation entwickelt. Sie beschriftet vorab viele kleine gelbe Zettel und verteilt sie überall im Haus. Fragen wie "Habt ihr die Zähne geputzt?" oder Merksätze wie "Montag müsst ihr eure Schulbücher zurückgeben". Klassische Mütter-Themen. "Wenn ich dann zu Hause bin, sagt Sam immer, ich solle mir eine Massage gönnen und mal abschalten. Aber darin bin ich gar nicht gut. Einmal hatte ich morgens seit Langem mal nichts zu tun. Da habe ich die Klamotten von Joe aussortiert." Irgendwie machte sie auch das glücklich.

Mamas Freund Leo betrachten die Kids übrigens längst als Familienmitglied. Als Mia vor einer Weile zum ersten Mal ein Bild von ihm in der Zeitung entdeckte, war sie so begeistert, dass sie es unbedingt für ihn aufheben wollte. Er würde sich bestimmt riesig darüber freuen, mutmaßte die Kleine. Den Spaß wollte Kate ihr nicht verderben. Sie verschwieg, dass Leo nicht zum ersten Mal ein Cover zierte. Ebenso wie sie selbst, die oft ganz normale Hausfrau und Mutter. Ein ganz normaler Tag - gibt es den wirklich für die umschwärmte Kate? "Viel häufiger als vermutet", sagt sie. Morgens schlüpft sie dann in ihre Lieblingsjeans und werkelt im Haushalt rum. Später holt sie die Kids von der Schule ab und macht mit ihnen die Spielplätze von New York oder London unsicher, je nachdem, an welchem ihrer Wohnorte sich die Künstlerfamilie gerade aufhält.

Allüren? Zickengehabe? Wenigstens hin und wieder mal Sonderwünsche? Fehlanzeige, wie eine Mitarbeiterin der "Vorleser"-Filmcrew bestätigt. "Kate ist immer freundlich, umgänglich und extrem bezaubernd. Sie geht auch mal mit dir vor die Tür, um eine Zigarette zu paffen. Und sie kann auch über einen derben Witz lachen." Humor - ohne den geht bei Kate Winslet sowieso gar nichts. Als ein britischer Radiosender seinen Zuhörern 15.000 Euro für eine nachweisbare Beziehung zu einem Prominenten versprach, wollte sich das ein Freund des "Titanic"-Stars nicht entgehen lassen. Kate gefiel die Idee. Um sicherzustellen, dass ihr Kumpel tatsächlich den Scheck bekommt, rief sie kurzerhand den Moderator an und versprach ihm ein Beweismittel: "Ich könnte ein Höschen schicken. Wollen Sie es frisch gewaschen oder getragen?"

Vielleicht wird sie auch am Abend des 22. Februar auf der Bühne des "Kodak Theatre" coole Sprüche machen, dann als Oscar-Gewinnerin. Fünfmal war sie schon nominiert, fünfmal ging sie leer aus. Diesmal stehen die Zeichen auf Sieg, Buchmacher setzen 4:1 auf Kate. Noch wahrscheinlicher als witzige Sprüche wären im Fall ihres Triumphs oder der unerwarteten Niederlage allerdings Tränen: "Ich bin einfach emotional, egal ob ich gewinne oder verliere." Kate ist eben echt. Auch deshalb sind alle verrückt nach ihr.