Jürgen Klinsmann

Klinsi, pack ma's!

Die Fußball-Bundesliga hat begonnen. Jürgen Klinsmann kann und muss jetzt zeigen, was er als Trainer kann. Gut, dass seine Familie zur Unterstützung da ist

Die Schonfrist für Jonathan, 11, und Leila, 7

, ist vorbei. An ihrer Privatschule enden die Sommerferien drei Wochen früher als im Rest Bayerns. Jetzt beginnt für die beiden Neuen in der Klasse also der Ernst des deutschen Lebens. Gänzlich ungewohnt ist für die zwei Deutsch-Amerikaner, dass hier alle Mitschüler wissen, wer ihr Dad ist: , deutscher Bundestrainer außer Dienst und neuer Trainer des "FC Bayern ".

Zu Hause in Huntington Beach, , war ihr Paps keine Berühmtheit. Da hat sie der 44-Jährige jeden Morgen im ­deut­schen Geländewagen zur Schule gefahren, ohne Sonnenbrille und Baseballcap, mit heruntergelassenen Fenstern und geöffnetem Verdeck. Dort standen auch nie Fotografen vor der Einfahrt ihrer Asiastil-Villa: "Zu Hause ist jetzt für mich München", sagte der Papa zu Beginn des Sommers einem Reporter der "Bild"-Zeitung. Und seit vier Wochen gilt das auch für die rest­lichen Klinsmänner und -frauen. Anfang August nämlich sind Ehefrau Debbie, 38, geborene Chin, und die beiden Kinder in der bayerischen Landeshauptstadt angekommen. So richtig mit Sack und Pack und ganzem Herzen. Für vorerst unbestimmte Zeit, vielleicht für immer.

Die Schonfrist für Jürgen Klinsmann ist schon länger vorbei. Seit dem 1. Juli ist er als Trainer des süddeutschen Rekordvereins im Amt. Und das ist keine leichte Aufgabe. Auf Klinsmann lasten höchste Erwartungen: Alle 18 Erstliga-Trainer gehen einer Umfrage zufolge davon aus, dass die Bayern auch in dieser Saison Deutscher Meister werden. Nicht auszudenken, was also los wäre, wenn Klinsi diese Erwartungen nicht erfüllt, wenn der Neue versagt. Welcher Spott ihn da treffen würde!

Um ihren Mann zu unterstützen, ist Debbie in der Vergangenheit ziemlich weit gegangen, weiter, als das wohl viele andere Frauen getan hätten. So hängte sie für ihn ihren Job als an den Nagel. Ihren letzten Auftritt hatte sie 1996 im Herbst/Winter-Katalog des Versandhauses "Heine". "Debbie hat das zwar Spaß gemacht", ließ ihr Gatte kurz darauf verlauten, "aber bevor irgendwer den Namen Klinsmann ausnutzt, lassen wir das lieber." Seitdem führt das eins­tige "Elite"-Model ein zurückgezogenes Leben fernab allen Glamours. In München hat man sie seit ihrer Ankunft noch an keinem der berüchtigten Hotspots gesehen, weder im "Café Roma" noch bei "Schu­mann's", und natürlich auch nicht im "P1".

Stattdessen kümmert sich die Kalifornie­rin mit chinesischen Wurzeln darum, die neu erstandene Villa im Nobelvorort Grünwald einzurichten. Vorbesitzer war Ex-Siemens-Vorstand Klaus Kleinfeld. Auf dem 3500 Quadratmeter großen Grundstück kann sich Familie Klinsmann ausbreiten, 500 Quadrat­meter Wohnfläche verteilen sich auf drei ­Etagen. Ein 1,80 Meter hoher Zaun schützt vor neugierigen Blicken - genauso, wie ­Klins­mann es am liebsten hat. Hierhin kann er sich zurückziehen, sich fallen lassen und auch das bemühte Kameralächeln mal ab­legen. Kraftsammeln im Kreise der Liebsten: Je nachdem, wie die Saison läuft, wird er das wohl in Zukunft noch öfter brauchen.

Noch schlimmer ist der Druck, den ­Tau­sende Fans auf ihn ausüben. Nicht nur, dass er all ihre Hoffnung auf den Schultern trägt, nein: Es ist ja auch nicht so, als hätten sich alle im Süden Deutschlands über seine Wahl zum Trainer gefreut. Manch ein Bayern-Fan will sich nicht erwärmen für Rundumerneuerungen und all diesen amerikanischen Firle­fanz, den der Wahl-Kalifornier im Gepäck hatte. "Medienzeitfenster" und "Energiefelder" - das sind Dinge, von denen Klinsmann sprach, die aber Vereins­treue stutzen ließen. Unter Hitzfeld ging es doch auch immer ohne so etwas. Erschwerend kommt hinzu, dass dem als ehrgeizig bis egoistisch verschrienen Schwaben bayerische Herzlichkeit schlichtweg fehlt. Von Beginn an gab er sich medien­scheu und wortkarg, ließ gar die Zuschauer vom Trainingsplatz an der Säbener Straße verbannen. Und dann dieser eher schwache Bundesliga-Auftakt: Der erreichte mit Mühe ein ­Unentschieden gegen den Hamburger SV - natürlich hagelte es prompt Kritik am Trainer. Nur gut, dass Debbie endlich da ist, um ihm beizustehen.

Debbie, Klinsmanns wichtigste Ratgeberin, sein Fels in der Brandung. Keine einzige folgenschwere Entscheidung seines Lebens hat der Bäckersohn aus Stutt­gart-Botnang ohne seine schöne Frau gefällt. Erst nachdem Debbie ihm Mut gemacht hatte, nahm Klinsmann die Aufgabe als Bundestrainer an. Wegen ihrer Bedenken verzichtete er ­vergangenes Jahr auf einen Trainerjob beim "FC Chelsea". Und auch beim Entschluss, nach München zurückzukehren, wo Klinsmann vor elf Jahren als Stürmer spielte und Debbie das erste gemeinsame Kind zur Welt brachte, war ihre Zustimmung ausschlaggebend: "Ich habe meine Frau gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, wieder nach Deutschland zu ziehen. Sie hat spontan 'Ja' gesagt." Ein halbes Jahr später gesteht Klinsmann in einem Interview mit der "Welt am Sonntag", dass an dieser Spontanentscheidung letztlich doch mehr hing: "Es war ein großer Schritt für meine Familie und mich, zu ­sagen, wir lassen uns in Deutschland nieder." Ein Schritt, den Debbie treu mit ihm ging.

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