Jürgen Klinsmann

Er ist weg - aber noch nicht ganz

Nach dem Rauswurf beim FC Bayern steht Jürgen Klinsmann vor einem Scherbenhaufen. Wie geht es für ihn und seine Familie weiter?

Wenn man seinen Wagen dieser Tage in einer bestimmten Ecke im Münchner Stadtteil Grünwald parkt und dann durch eine bestimmte Straße läuft, kann es passieren, dass ein silbergrauer BMW X3 neben einem stoppt. Ein Security-Mann steigt aus und fragt freundlich, aber bestimmt, was man denn hier mache. Man sei "aufgefallen", und am besten sage man gleich, für wen man arbeite, er könne sonst ja das Nummerschild des Wagens überprüfen.

In dieser Ecke, in dieser Straße wohnt . ist bekannt für sein scheues Wesen, doch seitdem ihn die Vereinsführung des FC Bayern München vor knapp zwei Wochen als Trainer gefeuert hat, scheint er sich noch mehr vor der Öffentlichkeit abzuschotten. Einen privaten Sicherheitsdienst, der auf einer öffentlichen Straße Passanten anhält, hatte jedenfalls noch kein Coachin Deutschland.

Die Entlassung nach nur zehn Monaten muss Klinsmann, der Deutschland 2006 mit dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft ein Sommermärchen beschert hatte, überrascht und sehr verletzt haben. Von der Mannschaft hat er sich nicht persönlich verabschiedet, wie es sonst üblich ist. Als "Visionär" feierte die Stadionzeitung ihn beim ersten Heimspiel der Saison, jetzt ist sein Ruf als Weltklassetrainer angeschlagen. Wie geht es für ihn weiter? Sein Berater Roland Eitel hält sich zurück mit Prognosen, wollte sich auf Gala-Anfrage nicht äußern.

Für den Job beim FC Bayern war die Familie Klinsmann von ihrem langjährigen Wohnsitz bei Los Angeles nach Deutschland umgezogen. Aus dem familiären Umfeld erfuhr Gala, dass die Klinsmanns wegen der Kinder München nicht sofort verlassen werden. Sohn Jonathan, 12, und Tochter Leila, 8, besuchen eine internationale Schule: Es hätte keinen Sinn, die Kinder aus dem laufenden Schuljahr zu reißen, das noch bis Anfang August geht. "Er wird bleiben, bis die wichtigsten Dinge geregelt sind, bis die Abfindungen für ihn und seine Mitarbeiter geklärt sind und die Villa verkauft worden ist", sagt eine Quelle.

Die Villa in Grünwald soll rund 3,4 Millionen Euro gekostet haben. Ob Klinsmanndie Summe beim Verkauf in diesen Krisenzeiten erwarten kann? Wenigstens soll dem Ex-Trainer eine Abfindung von bis zu zehn Millionen Euro zustehen. Doch auch wenn ihm der Abschied mit Geld versüßt wird, muss es dem Sportsmann - der als Spieler in den Neunzigern die Bayern enttäuscht von heute auf morgen Richtung Italien verließ - schwerfallen, noch länger am Ort seiner Schmach bleiben zu müssen. Sohn Jonathan spielt Basketball und Fußball in der Jugendmannschaft des Clubs, dessen Fans seinen Vater am Ende eiskalt ausgepfiffen haben.

Richtig heimisch gefühlt hat sich die Familie im Schickimicki-Vorort anscheinend nie. Obwohl das rund 4000 Quadratmeter große Anwesen mit dem modernen Bungalow aus Holz und Glas, in demvorher der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld gewohnt hatte, aufwendig umgebaut wurde. In Münchens Bussi-Gesellschaft heißt Klinsmann nur "das Phantom", weil man die Anzahl seiner Auftritte abseits des Platzes an einer Hand abzählen kann.Im örtlichen Friseursalon "Eva" erzählteine Mitarbeiterin, dass sich Klinsmanns Ehefrau Debbie nie sehr wohl in Grünwald gefühlt habe und "so schnell wie möglich weg wollte".

Das bestätigt gegenüber Gala auch ein Nachbar: Man habe sie "nirgends gesehen, nicht beim Shopping, nicht auf der Straße, nicht beim Sport". In dem französischen Café "Amandînes et Chocolats" gleich neben dem Friseursalon kauft Jürgen Klinsmann jeden Morgen seine Vollkornbrötchen. Auch heute sei er hier gewesen, sagt ein Mitarbeiter. "Normalerweise ist er immer gut drauf und fröhlich. Aber diesmal war er nicht so wie sonst, das hat man gemerkt. Er sah sehr bedrückt aus."

Vielleicht ist Klinsmann in Gedanken bereits woanders. Geht die Familie nach England? Seit seiner Zeit als Spieler bei Tottenham Hotspur genießt "Klinsi" auf der Insel Kultstatus. Oder geht er zurück nach Los Angeles., wo er seit 1998 lebte? Die Villa am Strand von Huntington Beach, in die er auch schon mal ein Filmteam einlud, soll allerdings gar nicht seine Residenz, sondern nur für öffentliche Aktionen oder Homestorys angemietet sein - durchaus üblich bei Prominenten in den USA. Das echte Wohnhaus der Klinsmanns soll in der Nähe in einer abgeschirmten, bewachten Community liegen. Ob der Schwabe, der in Amerika immer noch Vizepräsident der Sport-Consulting-Agentur "Soccer Solutions" ist, in Zukunft wieder fest für die Agentur arbeiten wird? Präsident Mick Hoban wollte das nicht kommentieren. In Los Angeles hat Klinsmanns Abgang kaum für Aufregung gesorgt. Zurzeit ist die Stadt im Basketball-Fieber. Die Lakers spielen eine starke Saison, und die US-Medien schenken Soccer traditionell eh keine große Beachtung. Eigentlich ist das genau die Anonymität, die die Klinsmann-Familie braucht, um wieder zu sich zu finden.

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