Jorge Gonzalez

Im Rhythmus von Havanna

Bei "Germany's Next Topmodel" zeigte Jorge Gonzalez den Kandidatinnen, wie man auf High Heels den Catwalk rockt. In seiner Heimat Kuba bereitete er nun sein nächstes großes Projekt vor - eine heiße Tanz-Show. "Gala" begleitete ihn auf die Karibik-Insel

Jorge Gonzalez

Jorge Gonzalez

Fünf Minuten braucht die Bedienung im "Coppelia", um das gewünschte Vanille-Eis zu servieren.

Das ist recht schnell. Aber wenn Jorge Gonzalez der Kunde ist, reichen fünf Minuten aus, um einen Menschenauflauf zu verursachen. "Mira, Mira! Schau mal, schau mal! Der trägt ja High Heels!", quietscht eine junge Frau. Zwei Kinder kichern. Die Eisverkäuferin seufzt: "Super Farbe, die hätte ich auch gerne!" Und der Putzmann hält beim Schrubben inne, schiebt seine Mütze in den Nacken und murmelt: "Ein Mann in Stöckelschuhen, was soll das?"

"Paladares" heißen die vielen privaten Restaurants auf Kuba. Jorges Lieblings-Paladares sind das "L'Atelier" mit seiner malerisc

"Paladares" heißen die vielen privaten Restaurants auf Kuba. Jorges Lieblings-Paladares sind das "L'Atelier" mit seiner malerischen Dachterrasse.

Jorge Gonzalez, 44, gilt in Deutschland als karibischer Paradiesvogel, doch auf Kuba wirkt der langhaarige Mann in Heels wie ein Wesen von einem fremden Stern. Das ist einer der Gründe, warum er mit 17 die Insel verlassen hat. Zum Anderssein kommt nun das Berühmtsein hinzu. Was die Dinge nicht unbedingt einfacher macht, aber lustiger. "Ist das nicht Jorge aus dem deutschen Fernsehen?", werden wir gefragt. Eine Exil-Kubanerin im Urlaub, die daheim in Heidelberg keine Folge von Heidi Klums Show "Germany's next Topmodel" versäumt. Warum allerdings der Beamte beim jüngsten Behördengang Jorge Gonzalez erkannte, bleibt ein Geheimnis. "Ihre Papiere kann ich Ihnen noch nicht geben", meinte der Mann, "da fehlt eine Unterlage. Aber dürfte ich ein Autogramm haben ...?"

Dabei ist Jorge bei dieser Reise gar nicht der eigentliche Star. Er hat für das kubanische Tanz-Ensemble "Ballet Revolución" die Kostüme entworfen, und da er Perfektionist ist, möchte er sich vor der Europa-Tournee der Truppe davon überzeugen, dass alles sitzt. Es sind gewagte Kreationen. Sie haben clever gesetzte Aussparungen, die ein erotisches Vexierspiel erzeugen, oder sind aus delikaten Couture- Stoffen genäht, die bei jeder Bewegung funkeln. Die Idee dazu entstand vergangenes Jahr beim Urlaub in Havanna. In seinem Lieblingsrestaurant "Le Chansonnier" kam Jorge mit dem Produzenten der Show ins Gespräch, und schon war der Deal perfekt.

"Das ist typisch Havanna", sagt er, während wir im Eiscafé "Coppelia" sitzen. "Diese Stadt ist pure Energie! Als ich ein Junge war, bekam ich jedes Mal dieses Kribbeln, wenn ich nach den Ferien wieder in die Stadt fuhr. Ein Gefühl von freudiger Erwartung." Mit zwölf Jahren war Jorge aus seinem Heimatdorf Jatibonico weggegangen, um das Elite- Internat Vocational Ernesto Che Guevara zu besuchen. Sein Ziel: nach dem Schulabschluss die Insel zu verlassen. "Damals gingen mein bester Freund José und ich jeden Nachmittag nach der Schule hierher ins 'Coppelia'. Wir aßen einen 'Copa Lolita', gingen dann in der Altstadt spazieren - und kehrten zurück, um noch ein Eis zu essen. Das war die Tour der Homosexuellen", erzählt er. Schwul zu sein war damals auf Kuba strafbar. Heute sieht man es lockerer, "aber als Mann auf High Heels durch Havanna zu laufen, das ist immer noch unerhört", sagt Jorge lachend. Seine Vorliebe für High Heels hat er von seiner Großmutter Juana. "Sie liebte hohe Schuhe, trug sie fast immer. Selbst als sie sehr alt war und darin nicht mehr laufen konnte, schlüpfte sie, wenn Besuch kam, aus den Pantoffeln und hielt in High Heels in ihrem Sessel Hof. Sie war eine Quelle der Inspiration für mich."

Jorge Gonzalez mit Tänzern des Ensembles "Ballet Revolución", das in
den nächsten Monaten mit einer spektakulären Show durch Deu

Jorge Gonzalez mit Tänzern des Ensembles "Ballet Revolución", das in den nächsten Monaten mit einer spektakulären Show durch Deutschland tourt.

Jorge, 44, und sein Vater Gudelio, 91, bei einer Partie Domino auf der Terrasse von Alexander und Margarita Cabrera Santana. Die

Jorge, 44, und sein Vater Gudelio, 91, bei einer Partie Domino auf der Terrasse von Alexander und Margarita Cabrera Santana. Die beiden vermieten Gästezimmer in ihrem Haus.

Die elegante Großmutter, die hingebungsvoll für ihn und seine Cousinen kochte, die Eltern, die in der Küche Wange an Wange zur Radiomusik tanzten - alles an Jorges Erinnerungen klingt so wunder bar warm und geborgen. Warum also wollte er weg? "Mein Elternhaus war erfüllt von Liebe. Aber ich wusste schon mit sieben Jahren, dass ich anders war als die anderen im Dorf. Ein Onkel fuhr zur See, er brachte Modezeitschriften aus Frankreich mit, die ich immer wieder las. Ich musste nach Europa!" Mit 17 brach Jorge zum Studium in Bratislava auf, ins sozialistische Bruderland Tschechoslowakei. Zu seinen Eltern sagte er damals: "Schaut mich gut an, ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen." Es sollte zwei Jahre dauern, bis er das nächste Mal einen Fuß auf kubanischen Boden setzte. Heute sitzen wir mit seinem Vater Gudelio im Restaurant "L'Atelier", das Jorges Freundin Niuris gehört, einer quirligen kleinen Frau, die Gudelio eine Extraportion Tomaten mit Zucker auftischt. Tomaten mit Zucker, die liebt der 90-Jährige, so wie ein gutes Steak, Tanzen, das Domino-Spielen - und seinen Sohn. Und dessen High Heels? Gudelio lacht. Nur mit Mühe kann Niuris ihn davon abhalten, aus Spaß die turmhohen Plateaus anzuziehen. Ist Gudelio stolz auf Jorge? "Sehr. Er hat es in Europa geschafft. Das will etwas heißen."

Damian Aquiles ist einer der angesagtesten Künstler Havannas und ein guter Freund von Jorge. Für seine Arbeiten macht er aus alt

Damian Aquiles ist einer der angesagtesten Künstler Havannas und ein guter Freund von Jorge. Für seine Arbeiten macht er aus alten Autoblechen oder - wie hier - Farbeimern Installationen und Skulpturen. Eines seiner Werke hängt in Jorges Hamburger Wohnung.

Das Studium der Nuklearökologie beendete Jorge mit Diplom, er ist als Model und Stylist erfolgreich und dank seines Kultausrufs "Hola Chicas!" einer der Stars, den "Germany's next Topmodel" hervor gebracht hat. Nun will er die Tanzflächen erobern. Sein Ohrwurm "Don’t Touch My Shoes" kommt Anfang August heraus und verspricht ein Sommer-Hit zu werden. Da ist er wieder, dieser besondere Rhythmus von Havanna: Als Jorge den Tänzern im "Le Chansonnier" den Song auf seinem iPod vorspielt, entwickelt "Ballet Re volución" Choreograf Roclan spontan ein paar Tanzschritte dazu. Am nächsten Morgen um neun studiert Jorge mit einigen Tänzern bereits den Videoclip ein. Spontanität, Improvisationstalent: Das sind die Taktgeber in dieser Stadt der Le bens künst ler. Ob auf der Probebühne der Ballettgruppe oder bei Niuris und Hector, die aus dem, was gerade zu bekommen ist, kleine Kochkunstwerke zaubern. Oder auch bei Damian Aquiles, einem guten Freund von Jorge. Der Künstler hat aus Kubas Mangelwirtschaft eine Tugend gemacht: Er verwandelt ausgediente Eimer, Autoteile und Industriebleche in Kunst. Bei einem Mojito auf seiner Terrasse endet nach vier Tagen unsere gemeinsame Zeit auf Kuba. Jorge Gonzalez sitzt mit Papa Gudelio unter einem Avocadobaum und sinniert: "Wenn ich einmal alt bin, und auf Kuba geht alles gut, möchte ich meine Winter hier verbringen. In einem kleinen Haus am Strand, auf meiner eigenen Terrasse. Das ist mein Traum." Es wäre nicht sein erster, der in Erfüllung geht. Anne Meyer-Minnemann

Germany's Next Topmodel

Heidi Klum und ihre Mädchen

Staffel 11  Kaum sind die Castings in Deutschland vorbei, da wird schon wieder geshootet, was das Zeug hält. Hinter der Kamera gibt Heidi Klum ihren in neonpink gekleideten Models Tipps. Der Spaß kommt dabei natürlich nicht zu kurz.
Ganz der Profi: Mit einem prüfenden Blick checkt Heidi Klum die Foto-Resultate ihrer Mädchen. So richtig warm scheint es in Los Angeles jedoch nicht zu sein. Das Topmodel muss sich mit einem flauschigen Mantel warmhalten.
Doch nicht nur hinter der Kamera hält sich Heidi auf. Sie erklärt auch direkt am Shooting-Set, wie man am allerbesten posiert. Sie weiß es ja schließlich.
Das offizielle Jury-Foto ist da: Gemeinsam mit Thomas Hayo und Designer Michael Michalsky sucht Heidi Klum "Germany's Next Topmodel" 2016.

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