Jonas Nay: Jonas Nay
Jonas Nay

Jonas Nay "Deutschland 83"

In "Deutschland 83" spielt Jonas Nay einen Stasi-Spion. Ist es die Rolle seines Lebens? Bevor RTL die Serie zeigt, jubelt jedenfalls schon Amerika

Als Jonas Nay im Jahr 1990 in Lübeck zur Welt kommt, gehört die DDR der Vergangenheit an. Die Mauer war knapp ein Jahr zuvor gefallen, die DDR der BRD beigetreten und das Volk im Einheitsglück. Doch nur wenige Jahre zuvor war die Angst vor einem neuen Weltkrieg allgegenwärtig.

"Deutschland 83" basiert auf der deutsch-deutschen Geschichte des Jahres 1983, das Jahr, in dem der Kalte Krieg seine heiße Phase erreicht. Jonas Nay brilliert in der Ufa-Produktion in der Hauptrolle als Stasi-Spion, der in die Bundeswehr eingeschleust wird. In den USA wurde "Deutschland 83" schon gezeigt und von Experten wie TV-Publikum zur Ausnahmeproduktion geadelt.

Herr Nay, Sie waren auf der Premiere in New York. Wie hat sich das angefühlt?

Das ist eine Sache, die man im Leben wahrscheinlich nur einmal erlebt. Es war das erste Mal, dass ich überhaupt nach Amerika geflogen bin – und dann gleich New York! Im Goethe-Institut haben wir unsere Serie wichtigen amerikanischen Medienvertretern vorgestellt, die sonst über meine absoluten Lieblingsserien schreiben. Zu sehen, dass diese Kritiker durchweg begeistert waren, hat mir unglaublichen Rückenwind ge- geben – das war der schönste Lohn für das ganze investierte Herzblut und alle Anstrengungen.

Was meinen Sie mit Anstrengungen?

Für mich bedeutete der Dreh von „Deutschland 83“ ein halbes Jahr wunderschöne aber auch intensive Arbeitszeit. Zudem war es ein sehr physischer Dreh. Mein Charakter wird im Verlauf der Serie nicht nur an seine seelischen, sondern auch an seine körperlichen Grenzen gebracht. Mein Anspruch war, diese Szenen selbst zu spielen. Dafür habe ich während der Dreharbeiten in Berlin dreimal pro Woche Kick-Boxen trainiert. Außerdem war ich täglich joggen. Ich war noch nie so fit wie in dieser Zeit. Mein Stunt-Double hat sich ziemlich gelangweilt. (lacht)

Welche Sportarten treiben Sie sonst?

Ich bin Handballer und spiele in meiner Heimat Lübeck, seit ich einen Ball halten kann.

Sie sind extra für den Dreh nach Berlin gezogen.

Ja, temporär. Das war eine ganz bewusste Entscheidung. Ich wollte mich komplett von meinem sozialen Umfeld, was mir eigentlich sehr wichtig ist, lösen. Mich mit einem Tunnelblick auf das Projekt konzentrieren.

Inwiefern hat die Berliner Luft dabei geholfen?

Berlin ist ein historisch sehr aufgeladener Ort. Das habe ich in mir aufgesogen. Ich habe dort geschlafen, gegessen, gearbeitet. Außerdem haben wir im Stasi-Museum gedreht und die meisten Studiobauten in das ehemalige Innenministerium der DDR hineingebaut. Das macht Geschichte für mich greifbarer. Geschichte, die für mich bis dahin nur in Büchern stattgefunden hat. Ich bin nach der Wende geboren, meine Eltern und der Rest meiner Verwandtschaft sind im ehemaligen Westen groß geworden. Die deutsch-deutsche Teilung war bei uns am Esstisch nicht das vorrangige Thema.

Welche Bedeutung hatte das im Hinblick auf Ihre Rolle?

Für mich war es eine Art Zeitreise. Ich habe mir viele Dokumentationen angeschaut und Bücher gelesen. Natürlich habe ich mich primär auf die historischen Gegebenheiten konzentriert, die wir in der Serie behandeln: das Bombenattentat auf das Kulturzentrum Maison de France oder der Abschuss des koreanischen Passagierflugzeuges über der Sowjetunion.

Was war die größte Herausforderung?

Nach meinem Abitur habe ich Zivildienst abgeleistet. In „Deutschland 83“ spiele ich einen Ordonanzoffizier – die rechte Hand des Generals. Innerhalb kürzester Zeit musste ich ein Militärtraining absolvieren. Ich hatte immer einen NATO-Berater an meiner Seite, der mir ganz genau gezeigt hat, wie man anklopft, wie man eintritt, wie man Meldung gibt, wie man salutiert.

Ihre Figur Moritz Stamm ist aber nicht nur Offizier, sondern auch Stasi-Agent.

Stamm betreibt Spionage in ihrer Urform, ohne Firewalls und Hacker. Wie komme ich ins Büro des Generals? Wie knacke ich den Code eines Safes? Wie fotografiere ich Geheimdokumente mit einer Minikamera und übergebe den Mikrofilm? Diese Fragen sind für meine Rolle relevant. In den Achtzigern war das alles noch so schön handlich. Natürlich gibt das auch manchmal Anlass zum Schmunzeln. Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie in einem alten James-Bond-Film.

Wäre Bond eine Traumrolle?

Ich würde mich in diesem Moment anbieten, den Sohn von Daniel Craig zu spielen …

Im RTL-Film sind Sie, wie Bond, gefangen zwischen mehreren Frauen. Waren Sie auch schon einmal in so einer Situation?

Ich bin eine unglaublich treue Seele und nie fremdgegangen. Ich bin sehr monogam. Außerdem war ich fast immer vergeben.

Gerade auch?

Ja, ich habe eine Freundin in Lübeck.