John Travolta
© Getty Images John Travolta

John Travolta Glaubensfrage

Vermehrt werden Vorwürfe laut, John Travolta trage eine Teilschuld am Tod seines Sohnes, da er ihn aufgrund der Scientology-Ideologie nicht richtig behandeln ließ

"Jett war der wundervollste Sohn, den sich zwei Eltern nur wünschen konnten. Wir sind untröstlich, dass unsere Zeit mit ihm so kurz war". So trauert John Travolta um seinen am Neujahrstag verstorbenen Sohn. Unter die Beileidsbekundungen mischen sich immer wieder auch Vorhaltungen und Spekulationen darüber, John könne mitschuldig am Tod seines Sohnes sein. Vorwurf: Der Schauspieler habe von Jetts Autismus-Erkrankung nichts wissen wollen und ihn nicht richtig behandeln lassen, da Scientology die Krankheit als Schwäche sieht.

Die Familie soll immer wieder behauptet haben, der Junge sei schon im Kindesalter am sogenannten Kawasaki-Syndrom erkrankt. Statt seinen Sohn wegen Autismus zu behandeln, setzte John laut US-Medien auf Entgiftungsprogramme von Scientology, die in erster Linie Vitaminkuren, Saunabesuche und gesunde Ernährung vorsehen.

Ein Freund der Travoltas erzählte dem britischen "Daily Mirror": "Fünf Minuten mit Jett und man wusste, er ist Autist. Aber die Religion der Eltern verbot es ihnen, dies zu akzeptieren."

Schauspieler John Travolta und sein Sohn Jett
© WireSchauspieler John Travolta und sein Sohn Jett

Und auch Ursula Caberta, Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology, hält die Version, Jett habe am Kawasaki-Syndrom gelitten, für eher unwahrscheinlich: "Nehmen wir nun doch einfach mal an, der Junge hätte tatsächlich das Kawasaki-Syndrom gehabt: Das ist, nach allem was ich bisher gelesen habe, eine Krankheit, die man im jungen Kindesalter bekommt, und die man für gewöhnlich mit dem Einsatz von Medikamenten innerhalb weniger Monate in den Griff kriegt. Wenn der Bengel aber mit 16 Jahren noch an den Spätfolgen leidet, dann ist das für mich ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass er nicht die richtige medizinische Versorgung bekommen hat. Und genau das ist das Problem: Aus Rücksicht auf Scientology haben die Eltern den Jungen augenscheinlich nicht richtig und konsequent versorgt."

Vor zwei Jahren sollen führende Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft für Autismus (ASA) sowie andere Hollywood-Eltern mit autistischen Kindern John Travolta und seine Familie bereits aufgefordert haben, endlich öffentlich zu Jett zu stehen und ihm die nötige Hilfe zu geben. Dies soll bis zu seinem Tod nicht geschehen sein.

Ursula Caberta geht so weit und sagt: "Der arme Bengel würde noch leben, wenn seine Eltern keine Scientologen wären. Eigentlich müsste man John Travolta und seine Frau wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen."

Und etwas stimmt sie noch viel trauriger: "Wären die Eltern von Jett nicht so berühmt, dann wäre dieses Unglück niemals so bekannt geworden. Aber wer weiß, wie viele Kinder von weniger bekannten Scientologen unter den wirren Ansichten von L. Ron Hubbard leiden?"

(Nachtrag: Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels war es Scientology Hamburg wichtig, gegenüber Gala.de darauf hinzuweisen, dass "ein Scientologe, der körperlich krank ist, immer angewiesen [wird], sich ärztlich untersuchen und von einem Mediziner behandeln zu lassen.")