Joerg Kachelmann
© Getty Images Joerg Kachelmann

Jörg Kachelmann Vierter Prozesstag

Im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann wurden am vierten Prozesstag die Mutter des mutmaßlichen Opfers sowie zwei Hotelangestellte angehört

Am Mittwoch (22. September) wurden im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann zwei Hotelangestellte sowie die Mutter des mutmaßlichen Opfers in den Zeugenstand gerufen. Zunächst wurden die Hotelangestellten des Hotels vernommen, in dem Kachelmann nach der mutmaßlichen Vergewaltigung am 9. Februar eingecheckt hatte. Sie beschrieben den Wettermoderator als einen unauffälligen, freundlichen Gast. "Er kam ziemlich spät", erinnerte sich eine 36-jährige Hotelfachfrau. Eine andere Angestellte erzählte, dass sich Jörg Kachelmann von 3.30 Uhr bis 10.30 Uhr in dem Hotel aufgehalten habe. Am Folgetag flog er zu den Olympischen Spielen nach Vancouver, um Wettervorhersagen für die Winterspiele zu machen.

Die Vernehmung der Mutter des mutmaßlichen Opfers fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Vorsitzende Richter Michael Seidling begründete dies damit, dass die Befragung der 70-Jährigen in den familiären und persönlichen Bereich gehe. Die Mutter offenbarte "Ich bin sehr angespannt". Kachelmanns Verteidiger Reinhard Birkenstock äußerte sich nicht zur Aussage der Mutter, sondern gab lediglich an "der Wahrheit immer näher" zu kommen. Im Anschluss an die Aussage der Mutter soll der Vater des mutmaßlichen Opfers vernommen werden.

Vor Beginn der Befragungen hatte die Staatsanwaltschaft einen Befangenheitsantrag gegen einen der Gutachter der Verteidigung, den Rechtsmediziner Bernd Brinkmann, gestellt. Ihm wird vorgeworfen, sich vorschnell festgelegt und von Selbstverletzungen des mutmaßlichen Opfers gesprochen zu haben. Seiner Aussage nach hat sich die 37-Jährige die Hämatome selbst zugefügt. Bereits ein Jahr vor der angeblichen Tat soll sie eine Art "Blaue-Flecken-Selbsttest" an ihren Oberschenkeln durchgeführt und Fotos davon gemacht haben. Die Staatsanwaltschaft zweifelt an der Neutralität der beiden von der Verteidigung bestellten Gutachter. Es heißt, dass einer von ihnen am Abend von Kachelmanns Haftentlassung mit dem Wettermoderator in einem Restaurant gewesen sei. Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker weist den Vorwurf der Befangenheit allerdings zurück. Der Gutachter sei an dem Abend im Restaurant vorbeigekommen, habe einen Espresso getrunken und sei dann wieder gegangen. "Das ist kein Befangenheitsgrund," so Höcker. Die Kammer stellte die Entscheidung über den Antrag gegen den Gutachter zurück.

Der Prozess gegen Jörg Kachelmann wird voraussichtlich etwa zwei Monate länger dauern als zunächst geplant. Nach Angaben der Verteidigung soll mindestens bis zum 21. Dezember verhandelt werden. Im Laufe des Prozesses sollen zunächst weitere Ex-Freundinnen gehört werden, erst danach das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer - eine Vorgehensweise, die von der Verteidigung Kachelmanns kritisiert wird.

kma