Jörg Kachelmann
© Reuters Jörg Kachelmann

Jörg Kachelmann Hilflos und ausgeliefert

Jörg Kachelmann fühlt sich laut seines Anwalts "hilflos und ausgeliefert", doch die Verteidigung zieht nach einem weiteren Prozesstag ein positives Resümee

"Hilflos und ausgeliefert" - so beschrieb Kachelmann Anwalt Reinhard Birkenstock den Gemütszustand des Wettermoderators nach der Zeugenaussage seiner Ex-Geliebten am Mittwoch (27. Oktober 2010). Dennoch zog der Jurist ein positives Resümee. "Es waren nur wenige Nachfragen notwendig. Die gründliche Vernehmung durch das Gericht hat Herrn Kachelmann ein gutes Stück näher an seine Rehabilitierung gebracht", so Birkenstock.

Die Staatsanwaltschaft sah das allerdings anders. "Wenn der Verteidiger da so sieht, frage ich mich, warum der Prozess dann fortgesetzt wird. Ich halte das für Wunschdenken", erklärte Staatsanwalt Oltrogge in einer Verhandlungspause. Über eine Stunde sei die Zeugin am Mittwoch verhört worden. "Die Befragung durch die Kammer hat versucht, alle Aspekte auszuleuchten. Es kann immer sein, dass sie nochmal als Zeugin berufen wird. Die Entlassung als Zeugin ist noch nicht erfolgt."

Auch die Verteidigung hat eventuell noch Fragen an das mutmaßliche Opfer. "Wir behalten uns weitere Fragen vor, wenn der Chatverkehr im Selbstleseverfahren in die Hauptverhandlung eingeführt worden ist. Das sind fünf Leitz-Ordner, das werden sich die Schöffen nun im Selbstleseverfahren zu Gemüte führen. Dann haben wir womöglich noch Nachfragen." Hierbei geht es um pikante Fotos und einen schriftlichen Chatverkehr zwischen Jörg Kachelmann und dem mutmaßlichen Opfer. Sie sollen laut Birkenstock für "keine sehr hohe Scham" zwischen dem Angeklagten und seiner Ex-Freundin sprechen.

Für den Nachmittag wurde die Zeugenaussage des Psychotraumatologen Günter Seidler erwartet. Der Therapeut von Sabine W. sollte unter anderem Aufschluss darüber geben, wieso sich seine Patientin im Ermittlungsverfahren bei der Beschreibung des Tathergangs in Widersprüche verstrickte. Er hatte die Erinnerungslücken schon im Vorfeld mit der Todesangst des mutmaßlichen Opfers begründet.

rbr