Jörg Kachelmann
© Getty Images Jörg Kachelmann

Jörg Kachelmann Gutachter vom Prozess ausgeschlossen

Am siebten Verhandlungstag im Prozess gegen Jörg Kachelmann wurden zwei Ex-Freundinnen von Kachelmann befragt und das Gericht erklärte den Gutachter Bernd Brinkmann für befangen

Der siebte Verhandlungstag im Vergewaltigungs-Prozess um Jörg Kachelmann brachte dem Wettermoderator einen herben Tiefschlag. Der Mannheimer Richter Michael Sendling verkündete, dass der Rechtsmediziner Bernd Brinkmann wegen Befangenheit vom weiteren Prozess ausgeschlossen wird. Grund: Er habe ohne wissenschaftliche Grundlage oder Sachkenntnis die Schlussfolgerung gezogen, das mutmaßliche Opfer habe bereits ein Jahr vor der Tat mit blauen Flecken experimentiert und Fotos gemacht. Daran, dass die Aufnahmen im Rahmen sadomasochistischer Praktiken entstanden sein könnten, habe er nicht gedacht.

Verteidiger Reinhard Birkenstock reagierte ungehalten auf diesen Beschluss und empörte sich: "Brinkmann ist für die Rechtsmedizin so etwas wie Beckenbauer für die Fußballwelt." Zudem forderte er die Unterbrechung der Verhandlung und berät mit seinen Kollegen, einen zweiten Befangenheitsantrag gegen den Richter zu stellen.

Zuvor waren am Mittwoch (6. Oktober) zwei Ex-Freundinnen Kachelmanns unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden: eine 37-jährige verheiratete Lehrerin und eine 33-jährige Meteorologin und Moderatorin. Hierbei soll es unter anderem um das Intimleben und die sexuellen Gewohnheiten bei den Paaren gegangen sein.

Schon bei der Befragung des Vaters des mutmaßlichen Opfers am sechsten Verhandlungstag waren Besucher und Pressevertreter ausgeschlossen.Der 71-jährige pensionierte Studiendirektor hatte zuvor angegeben, seine Tochter sei am Morgen nach der mutmaßlichen Tat am 9. Februar 2010 zu ihren Eltern gegangen. Kurz nach acht Uhr habe er die Polizei angerufen und den Hörer an seine Tochter weitergegeben.

Am kommenden Montag (11. Oktober) erst soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann wird das Gericht auch entscheiden, ob die Verhandlung unterbrochen wird. Sollte es weitergehen stehen Vernehmungen weiterer Ex-Freundinnen an. Am 13. Oktober soll das mutmaßliche Opfer aussagen - wahrscheinlich auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

rbr