Jörg Kachelmann
© Reuters Jörg Kachelmann

Jörg Kachelmann "Bei allem, was mir heilig ist"

Am zweiten Verhandlungstag hielt Jörg Kachelmann an seiner Aussage, die er vor dem Haftrichter zu Protokoll gegeben hatte, fest und bestritt die Vorwürfe der Vergewaltigung

Vergangenen Montag war der Prozess gegen Jörg Kachelmann wegen eines Befangenheitsantrags der Verteidigung gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und eine Beisitzerin vertagt worden. Eine Woche später ging es weiter. Nachdem das Gericht den Antrag abgelehnt hatte, begann die Verhandlung am Montag (13.09.) mit der Verlesung der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Wettermoderator vor, im Februar seine langjährige Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben.

Da der Angeklagte keine weiteren Angaben machen wollte, wurden die Aussagen verlesen, die er nach seiner Festnahme beim Haftrichter zu Protokoll gegeben hatte. Demnach habe er in der fraglichen Nacht mit der Klägerin einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehabt. Bei einem gemeinsamen Abendessen habe sie ihn anschließend auf eine Beziehung zu einer anderen Frau angesprochen. Sie habe daraufhin gesagt, sie sehe keine weitere Perspektive für ihre Beziehung, woraufhin beide geweint hätten und sie gegangen sei. Den Vorwurf der Vergewaltigung bestritt Kachelmann mit den Worten "bei allem, was mir heilig ist".

Das mutmaßliche Opfer - hier mit ihrem Rechtsbeistand - saß Jörg Kachelmann in der Verhandlung genau gegenüber.
© Getty ImagesDas mutmaßliche Opfer - hier mit ihrem Rechtsbeistand - saß Jörg Kachelmann in der Verhandlung genau gegenüber.

Kachelmann und das mutmaßliche Opfer saßen sich bei der Verhandlung genau gegenüber. Laut mehrerer Agentur-Berichte sollen sich die beiden mehrere Male direkt in die Augen geblickt haben. Beim ersten Prozesstag soll er die Frau noch ignoriert haben. Die Radiomoderatorin kündigte an, nicht mehr am Prozess teilzunehmen und erst am 13. Oktober wieder zu erscheinen, wenn sie als Zeugin aussagen wird.

Vor der Verlesung hatte der Anwalt des Angeklagten, Reinhard Birkenstock, einen Antrag gestellt, das mutmaßliche Opfer als erste Zeugin zu hören. Zudem forderte er, weitere ehemalige Freundinnen seines Mandaten, die als Zeuginnen geladen wurden, wieder auszuladen. Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge hat sich bereits gegen diese Anträge ausgesprochen: "Es wird darauf ankommen, Erkenntnisse über den Angeklagten zu finden, der sich selbst nicht äußert."

Am Mittwoch wird der Vorsitzende Richter Michael Seidling über die Anträge der Verteidigung entscheiden. Zudem werden zwei Polizisten angehört, die die Anzeige der Radiomoderatorin im Frühjahr aufgenommen hatten.

jgl