Jörg Kachelmann
© Reuters Jörg Kachelmann

Jörg Kachelmann Aussage der Belastungszeugin

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann steht heute das mutmaßliche Opfer vor Gericht. Es heißt, die Vernehmung könne bis zu drei Tage andauern

Am zehnten Tag des Kachelmann-Prozesses hat das Landgericht Mannheim, stark verspätet, mit der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers begonnen. Um die 37-jährige Moderatorin während ihrer Aussagen zu schützen, wurde die Öffentlichkeit von der Anhörung ausgeschlossen. Medienberichten zufolge soll die Ex-Freundin von Jörg Kachelmann den Gerichtssaal forschen Schrittes betreten haben. Den der Vergewaltigung angeklagten Wettermoderator würdigte sie nur eines kurzen Blickes. Laut "Süddeutsche.de" haben neun Sachverständige das Aussageverhalten der Ex-Freundin Kachelmanns beobachtet. Ihr Gesicht soll dabei auf eine Leinwand übertragen worden sein, damit die Gutachter, die hinter der Zeugin sitzen, sie auch von vorne sehen können.

Kachelmanns Verteidiger Klaus Schroth sagte in einer Sitzungspause über den Verlauf der Anhörung:"Sie wird im Moment zur Person vernommen und schildert ihren Werdegang bis zur beruflichen Tätigkeit, die sie jetzt ausübt." Laut seiner Aussage sei die Vernehmung sehr ausführlich und könne bis zu drei Tagen andauern.

Der Prozess wurde in der letzten Woche erneut vertagt, nachdem Kachelmanns Verteidigung die Unparteilichkeit der Richter in Frage stellte. Sie forderte, dass das mutmaßliche Opfer gemäß Paragraph 55 StPO über sein Recht auf Aussageverweigerung belehrt werde. Demnach müssen Zeugen keine Angaben machen, wenn die Gefahr besteht, dass sie sich selbst belasten. Diese Belehrung der Zeugin hatte die Strafkammer vergangene Woche noch abgelehnt, woraufhin Kachelmanns Anwalt Reinhard Birkenstock einen Befangenheitsantrag gegen die Richter gestellt hatte, da die Verteidigung bei der Vergewaltigungsanzeige von einer Falschbeschuldigung ausgeht. Nun gab das Gericht nach und informierte die 37-Jährige über ihr Aussageverweigerungsrecht. Laut "Bild.de" sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim, Andreas Grossmann: "Die Belehrung der Zeugin war vorab nicht zwingend notwendig. Sie wurde heute vorab belehrt, um das Verfahren zu beschleunigen. Das war kein Einknicken vor der Verteidigung."

An dem Befangenheitsantrag hält die Verteidigung aber trotzdem fest: "Der Umstand, dass das Gericht unter dem Druck des Befangenheitsverfahrens das jetzt tut, was es schon am vergangenen Mittwoch hätte tun müssen, gibt keinen Grund, die Einschätzung zu ändern", sagte Birkenstock. Über den Antrag muss spätestens bis zum nächsten Verhandlungstag am Mittwoch entschieden werden. Je nach wie die Entscheidung ausfällt, müsste der Prozess unter Umständen mit neuer Besetzung von vorne beginnen.

kma