Joaquín Phoenix
© Getty Images Joaquín Phoenix

Joaquin Phoenix "Vielleicht bin ich auch nur faul"

Hip-Hop statt Hollywood, Zausel statt Beau: Im Gespräch mit GALA versucht Joaquin Phoenix sein seltsames neues Leben zu erklären

Hin und wieder redet er noch, zwar wirr, aber immerhin.

US-Talkkönig David Letterman hatte das Glück nicht: Bei ihm schwieg Joaquin Phoenix, grummelte höchstens mal Unverständliches in seinen Vollbart. Warum diese Wende in seinem Leben? Wieso mit 34 Jahren die Ankündigung, nie wieder einen Film drehen zu wollen? Und was soll der Waldschrat-Look, der nichts mehr von seinem Sex-Appeal ahnen lässt?

2006: Da kommt Wehmut auf - Joaquín, das Sexsymbol
© Getty Images2006: Da kommt Wehmut auf - Joaquin, das Sexsymbol

"Bart und Mähne habe ich mir stehen lassen, damit die Leute aufhören zu sagen: Er sieht aus wie Johnny Cash, das war seine Paraderolle." Ein vollständiger Satz aus dem Mund des wunderlichen Oscar-Preisträgers - was für ein Start für den GALA-Talk! Und gleich noch ein Satz hinterher: "Jetzt sagen die Leute: Der sieht aus wie Grizzly Adams." Das wiederum dürfte einem Menschen, der gerade auf der Suche nach seinem wahren Ich ist, auch nicht unbedingt gefallen. Eigentlich wollte Joaquin Phoenix bei diesem Treffen nur seinen Kinofilm "Two Lovers" promoten, angeblich der letzte seiner Karriere. "Ja, es stimmt, ich werde nie mehr drehen. Ich empfinde die Schauspielerei nicht mehr als Herausforderung und würde die Arbeit nicht mehr genießen können." Sagt's und fährt sich mit beiden Händen durch den Rauschebart, das Gesicht auch im Hotelzimmer in Los Angeles hinter der Sonnenbrille versteckt.

Dass Phoenix' sensible Seele schon immer Probleme mit der oberflächlichen Glitzerwelt Hollywoods hatte, dass er den Drogentod seines Bruders River nie verwunden hat, ist bekannt. Dass er sein Leben nun dermaßen auf den Kopf stellt, überrascht trotzdem. Alle Hoffnung setzt er in die Musik - bloß nichts, was wieder an Johnny Cash erinnern könnte. "Ich mache etwas, was total im Gegensatz dazu steht - Hip-Hop!" Die ersten Gehversuche verliefen "nicht besonders gut", das gibt er unumwunden zu. Im Nachtclub "Lavo" in Las Vegas fiel er von der Bühne und raste nach drei Songs mit hochrotem Kopf von dannen. Phoenix beschreibt diesen Abend allerdings etwas anders: "Der Club war dunkel, dann waren da diese Blitzlichter, ich wurde nervös, bin gestolpert, hab mich aber gleich wieder gefangen. Und der Gig war viel besser, als es auf dem Video wirkt, das im Internet kursiert."

Er brauche Übung, um selbstsicher zu werden, und ein Hip-Hop-Mogul soll ihm dabei helfen: "Ich arbeite demnächst - in irgendeiner Form - mit Diddy zusammen. Zehn Songs habe ich bis jetzt geschrieben. Drei sind schon gut, sieben sind noch Mist, aber wir feilen dran." Und auch bei einem Videodreh würde sich Phoenix nur an den Größten orientieren: "Ich stelle mir ein Mega-Intro vor, wie bei Michael Jacksons 'Thriller' ..." Den Zombie nimmt man ihm ab.

Besteht denn gar keine Chance für seine Fans, das Sexsymbol Joaquin Phoenix zurückzubekommen? "Ich, ein Sexsymbol?" Er lacht. "Ich wollte mich weit entfernen von dem Joaquin Phoenix, den die Menschen kennen, was zum Teufel das auch war." Pause. "Aber vielleicht", sagt der Mann, der seit Wochen Rätsel aufgibt, "bin ich ja auch einfach nur ein fauler Mensch."