Jette Joop
© Getty Images Jette Joop

Jette Joop "Jeder hat das Recht auf gutes Design"

Mode von Jette Joop gibt’s bald auch beim Discounter. GALA fragte nach, wieso sie für eine Billigmarke designt – und was ihr Vater dazu sagt

Von Erstaunen bis Gelächter: Die Nachricht, dass Jette Joop eine Kollektion für Aldi Süd entwirft, hat unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Geschäftspartner der Designerin äußerten sich kritisch, die Modewelt schmunzelt: Ach, die Jette mal wieder ... So viel hat sie schon designt! Schmuck, Tapeten, Duschkabinen. Außerdem ist die Tochter von Wolfgang Joop genauso clever im Verhandeln wie er. Insider vermuten, dass sie gut eine Million Euro für den Deal kassiert. Plus Umsatzbeteiligung.

Sie haben sich zum Ziel gesetzt, gutes Design zu demokratisieren. Warum?

Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Design. Das ist für mich eine Art Grundrecht. Ich finde auch nicht, dass die finanzielle Möglichkeit einen Menschen zu einem besseren Menschen macht. Jemand, der nur bei Hermès kauft, ist nicht automatisch charakterlich oder stilistisch sicherer als jemand, der bei H&M, Zara oder eben Aldi Süd kauft.

Was haben Sie als Designerin davon?

Für mich ist der Kauf der Applaus. Ich empfinde es als schön, wenn ich gut angezogene Leute auf der Straße sehe. Verstehen sie mich als eine Art Design-Arzt. Der Arzt freut sich, auch wenn die Patienten geheilt sind. Oder ein Zahnarzt, der glücklich ist, wenn die Zähne gerade sind. Wenn man diesen Vergleich zieht, versteht man, was mich antreibt.

Kritiker befürchten negative Folgen für die Marke "Jette". Was denken Sie?

Ich glaube, dass diese Kooperation sehr erfolgreich ist. Für Aldi Süd war ich als eine Art Dienstleister tätig. Es ist ähnlich wie bei der Kooperation zwischen Lagerfeld und H&M. Seiner Kernmarke hat das am Ende auch nicht geschadet.

Kollektion, Jette Joop
© PRAb 11. April ist Jettes Aldi-Süd-Kollektion erhältlich. Dafür standen einige Ex-"Germany’s next Topmodel" Kandidatinnen vor der Kamera

Und wie gehen Sie damit um, wenn man Sie Aldi-Jette nennt?

Das finde ich großartig! Textlich ist es super, außerdem bin ich stolz darauf, von Aldi Süd auserwählt worden zu sein, diese Kollektion zu designen. Man darf nicht vergessen, dass Aldi Süd zu den Top Ten der größten Textilunternehmen Deutschlands gehört.

Welche Rolle spielt bei solchen Deals der finanzielle Aspekt?

Natürlich denke ich auch wirtschaftlich. Ich muss mir die Charity-Ideen, die ich habe, erst einmal leisten können. Außerdem habe ich viele Mitarbeiter, und ich habe Kinder.

Würden Sie so etwas umsonst machen?

Das kommt ganz auf die Sache an. Wenn mich das Deutsche Rote Kreuz bitten würde, etwas für seine Ärzte zu designen, würde ich es für lau machen. Ich habe auch mal eine Blutspende-Nadel entworfen, die es immer noch gibt. Das habe ich auch einfach so gemacht.

Sprechen Sie über derartige Entscheidungen mit Ihrem Vater?

Erst wenn wir etwas entschieden oder unter Dach und Fach gebracht haben, erzählen wir es uns und warten auf die Reaktion des anderen.

Und wie hat er in diesem Fall reagiert?

Er sagte: "Mach mal." Mein Vater ist ein sehr beweglicher und schlauer Mensch, der schon lange in der Branche ist. Auch er weiß, dass wir höchstwahrscheinlich vor dem größten Umbruch unserer Branche stehen. Es passiert gerade sehr viel.

Sie sagten kürzlich, Mode sei oft zu abgehoben. Ist das nicht eine Kritik an Designern wie Karl Lagerfeld oder eben Ihrem Vater?

Ich empfinde das nicht als Kritik. Jeder hat seine Berechtigung. Was ich allerdings nicht mag, ist ein Fashion-System, das Frauen krank macht. Das dazu führt, dass junge Frauen mit ihrem Selbstbild Probleme bekommen und magersüchtig werden. Es gibt oft Ansätze von Respektlosigkeit gegenüber normalen Frauen. Das verärgert mich auch als Mutter sehr.

Inwiefern?

Eine junge Frau versteht nicht, dass das Model auf dem Foto vielleicht erst 15 ist und dann auch noch komplett retuschiert. Diese Frau schaut sich im Spiegel an und entwickelt Komplexe. In dieser Richtung bedarf es unbedingt einer Korrektur und einer Normalisierung.