Jenson Button, Lewis Hamilton
© WireImage.com Jenson Button, Lewis Hamilton

Jenson Button + Lewis Hamilton Freundschaft mit Hindernissen

Zwei Alphatiere, als Männer umschwärmt, als Formel-1-Fahrer Spitze - und gemeinsam in einem Team. Kann das gut gehen? Gala traf Jenson Button und Lewis Hamilton abseits der Rennstrecke

Auf dem Weg zu ihrem Rennwagen

wirken selbst die smartesten Formel-1-Piloten nicht mehr cool. Eher wie kleine Jungs, die sich hoch konzentriert einem Kuchenbuffet nähern, jeder mit Tunnelblick, bereit, mit vollem Einsatz das Spitzenergebnis einzufahren. Vor allem sind Rennfahrer so kurz vorm Start kaum zu stoppen. Den hinterherhetzenden Reportern und deren Mikros gönnen sie ein paar knappe Banalitäten. Falls sie überhaupt etwas sagen.

Mit solchen Bildern von Jenson Button und Lewis Hamilton im Hinterkopf fährt man zum Interviewtermin. Die klare Instruktion: Um sieben Uhr früh möge man bitteschön im Kreuzberger Fotostudio sein, der Terminplan sei straff durchgetaktet. Beide Spitzensportler sind erst am Abend zuvor aus London nach Berlin gekommen, hier sollen sie nun für Boss Black in zwei Kollektionen fotografiert werden. Am Nachmittag fliegen sie bereits weiter nach Australien. Auch abseits der Rennstrecke zählt für diese Männer jede Sekunde.

Der Ehrgeizige: Als kleiner Junge sprach Lewis Hamilton, heute 25, den damaligen McLaren-Boss auf einer Preisverleihung an: Er wolle später unbedingt für McLaren fahren! Seit 2007 ist er im Team, 2008 wurde er Weltmeister. Hamilton: "Die Formel 1 ist der härteste Sport der Welt. Ich liebe es."
© Getty ImagesDer Ehrgeizige: Als kleiner Junge sprach Lewis Hamilton, heute 25, den damaligen McLaren-Boss auf einer Preisverleihung an: Er wolle später unbedingt für McLaren fahren! Seit 2007 ist er im Team, 2008 wurde er Weltmeister. Hamilton: "Die Formel 1 ist der härteste Sport der Welt. Ich liebe es."

Auftritt Hamilton:
In etwas gekleidet, das man wohlwollend als Freizeit-Outfit bezeichnen könnte - Rippenshirt, Parka, Armyhose - betritt er das Studio. Er stellt sich jeder der rund 20 anwesenden Personen vor, vom Fotografen bis zur Kaffeekocherin: "Hallo, ich bin Lewis." Dabei ist er deutlich leiser als kurz darauf sein McLaren-Teamkollege Jenson Button. Den hört man schon draußen auf dem Flur lachen. Sein PR-Manager hatte erklärt, Button werde keine Fragen zum vermeint­lichen Playboy-Leben beantworten, er wolle diesen Ruf loswerden. Doch Button benimmt sich exakt so, wie man sich einen Womanizer vorstellt. Er ist zu allen freund­lich, keine Frage, aber er hat den Blick für die Frauen im Raum und ist sich seiner Wirkung in jeder Sekunde bewusst. Dass ausgerechnet Lewis Hamilton, dem seine neun Stunden Schlaf heilig sind, und Jenson Button, der einst nach einem fünftägigen Partymarathon seine Verlobung platzen ließ, in einem Team sind, ist eine merk­würdige Fügung des Schicksals. Beide sind Briten, beide sind Weltmeister: Button gewann 2009, Hamilton bereits ein Jahr zuvor. Doch menschlich können zwei Männer unterschiedlicher nicht sein. Exzess trifft hier auf Disziplin. 113 Rennen und vier Saisons dauerte es bis zum ersten Sieg des partyfreudigen Jenson Button. Lewis Hamilton wurde be­reits in seiner zweiten Saison Weltmeister.

Von den frühen Erfolgen des Jungspunds will sich Button aber nicht unter Drucksetzen lassen: "Die Formel 1 unterscheidet sich von anderen Sportarten. Es kommt nicht nur auf den Menschen an, sondern auch aufs Material. Vergangenes Jahr saß ich zum ersten Mal in einem Auto, mit dem man wirklich Rennen gewinnen konnte. Lewis fing gleich bei McLaren an, er hatte von Anfang an ein Siegerauto." Diese Ausrede gilt nicht mehr: Seit die­sem Jahr fahren beide einen McLaren. Nach dem Monaco-Grand-Prix liegt Button in der Gesamtwertung auf Platz vier, Hamilton ist auf Platz sieben. Was bedeutet das für die Beziehung zwischen den Teamkollegen? "Es ist nicht so, dass wir uns nicht mögen", erklärt Button. "Also sind wir Freunde. Wichtig ist doch vor allem, dass wir im Job gut miteinander zurechtkommen." Hamilton bestätigt das. Button sei der bisher beste Teamkollege seiner Formel-1-Karriere. Seine wirklich guten Kumpel seien aber eher die Fahrer Nico Rosberg und Adrian Sutil.

Der Lässige: Seit zehn Jahren fährt Jenson Button, 30, in der Formel 1 mit, und der Brite aus Somerset gibt sich entsprechend souverän: "Ich habe letztes Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen - ich muss niemandem mehr etwas beweisen."
© Getty ImagesDer Lässige: Seit zehn Jahren fährt Jenson Button, 30, in der Formel 1 mit, und der Brite aus Somerset gibt sich entsprechend souverän: "Ich habe letztes Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen - ich muss niemandem mehr etwas beweisen."

Während des Modeshootings in Berlin, bei dem es um Spitzen-Outfits, aber nicht um einen Spitzenplatz im Konkurrenzkampf geht, verstehen sich beide blendend. Sie be­urteilen gegenseitig ihre Klamotten, Button verkneift sich dabei jeden Kommentar darüber, dass die meisten Sachen für den sehr schmal gebauten Hamilton zu groß sind. Mit Klammern werden die Jacketts in seinem Rücken geschickt fixiert, sodass sie auf den Fotos später wie angegossen sitzen. Neben­her wird über Mode getratscht. Hamilton hat 20 Anzüge in seinem Schrank, trägt aber lieber Sportswear. Button schwärmt pragmatisch von taillierten Anzügen mit schmalem Revers: "Die stehen mir am besten."Der iPod von Hamilton wird an die Musikanlage angeschlossen. Rihanna, Lady Gaga, The Kills. Doch es ist Button, der den Ton angibt. Hamilton erklärt mit leicht gequäl­tem Blick, wie fremd ihm die ganze Situation ist, das Make-up, die Stylisten, das Modeln an und für sich. "Ich stehe grundsätzlich nicht gern vor der Kamera. Ich sehe es als Herausforderung." Der Champion hat gesprochen. Findet er sich denn attraktiv? Hamilton weicht aus: "Ich glaube nicht, dass ich hässlich bin. Aber ich habe mich selbst nie als besonders gutaussehend ge­fühlt." Für Jenson Button hingegen ist der ganze Vormittag ein schönes Spiel. Er liebt die Kamera, posiert entspannt.

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