Jenson Button + Lewis Hamilton

Freundschaft mit Hindernissen

Zwei Alphatiere, als Männer umschwärmt, als Formel-1-Fahrer Spitze - und gemeinsam in einem Team. Kann das gut gehen? Gala traf Jenson Button und Lewis Hamilton abseits der Rennstrecke

Jenson Button, Lewis Hamilton

Auf dem Weg zu ihrem Rennwagen

wirken selbst die smartesten Formel-1-Piloten nicht mehr cool. Eher wie kleine Jungs, die sich hoch konzentriert einem Kuchenbuffet nähern, jeder mit Tunnelblick, bereit, mit vollem Einsatz das Spitzenergebnis einzufahren. Vor allem sind Rennfahrer so kurz vorm Start kaum zu stoppen. Den hinterherhetzenden Reportern und deren Mikros gönnen sie ein paar knappe Banalitäten. Falls sie überhaupt etwas sagen.

Großer Preis von Monaco

Promis und PS

Boris Becker mit seiner Frau Lilly.
Pharrell Williams, Jennifer Lopez und ihr Mann Marc Anthony.
Flavio Briatore beim Großen Preis von Monaco.
Jade Ewen, Amelle Berrabah und Heidi Range von den Sugababes.

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Mit solchen Bildern von Jenson Button und Lewis Hamilton im Hinterkopf fährt man zum Interviewtermin. Die klare Instruktion: Um sieben Uhr früh möge man bitteschön im Kreuzberger Fotostudio sein, der Terminplan sei straff durchgetaktet. Beide Spitzensportler sind erst am Abend zuvor aus London nach Berlin gekommen, hier sollen sie nun für Boss Black in zwei Kollektionen fotografiert werden. Am Nachmittag fliegen sie bereits weiter nach Australien. Auch abseits der Rennstrecke zählt für diese Männer jede Sekunde.

Der Ehrgeizige: Als kleiner Junge sprach Lewis Hamilton, heute 25, den damaligen McLaren-Boss auf einer Preisverleihung an: Er w

Der Ehrgeizige: Als kleiner Junge sprach Lewis Hamilton, heute 25, den damaligen McLaren-Boss auf einer Preisverleihung an: Er wolle später unbedingt für McLaren fahren! Seit 2007 ist er im Team, 2008 wurde er Weltmeister. Hamilton: "Die Formel 1 ist der härteste Sport der Welt. Ich liebe es."

Auftritt Hamilton:
In etwas gekleidet, das man wohlwollend als Freizeit-Outfit bezeichnen könnte - Rippenshirt, Parka, Armyhose - betritt er das Studio. Er stellt sich jeder der rund 20 anwesenden Personen vor, vom Fotografen bis zur Kaffeekocherin: "Hallo, ich bin Lewis." Dabei ist er deutlich leiser als kurz darauf sein McLaren-Teamkollege Jenson Button. Den hört man schon draußen auf dem Flur lachen. Sein PR-Manager hatte erklärt, Button werde keine Fragen zum vermeint­lichen Playboy-Leben beantworten, er wolle diesen Ruf loswerden. Doch Button benimmt sich exakt so, wie man sich einen Womanizer vorstellt. Er ist zu allen freund­lich, keine Frage, aber er hat den Blick für die Frauen im Raum und ist sich seiner Wirkung in jeder Sekunde bewusst. Dass ausgerechnet Lewis Hamilton, dem seine neun Stunden Schlaf heilig sind, und Jenson Button, der einst nach einem fünftägigen Partymarathon seine Verlobung platzen ließ, in einem Team sind, ist eine merk­würdige Fügung des Schicksals. Beide sind Briten, beide sind Weltmeister: ButtButtonnen zwei Männer unterschiedlicher nicht sein. Exzess trifft hier auf Disziplin. 113 Rennen und vier Saisons dauerte es bis zum ersten Sieg des partyfreudigen Jenson Button. Lewis Hamilton wurde be­reits in seiner zweiten Saison Weltmeister.

Von den frühen Erfolgen des Jungspunds will sich Button aber nicht unter Drucksetzen lassen: "Die Formel 1 unterscheidet sich von anderen Sportarten. Es kommt nicht nur auf den Menschen an, sondern auch aufs Material. Vergangenes Jahr saß ich zum ersten Mal in einem Auto, mit dem man wirklich Rennen gewinnen konnte. Lewis fing gleich bei McLaren an, er hatte von Anfang an ein Siegerauto." Diese Ausrede gilt nicht mehr: Seit die­sem Jahr fahren beide einen McLaren. Nach dem Monaco-Grand-Prix liegt Button in der Gesamtwertung auf Platz vier, Hamilton ist auf Platz sieben. Was bedeutet das für die Beziehung zwischen den Teamkollegen? "Es ist nicht so, dass wir uns nicht mögen", erklärt Button. "Also sind wir Freunde. Wichtig ist doch vor allem, dass wir im Job gut miteinander zurechtkommen." Hamilton bestätigt das. Button sei der bisher beste Teamkollege seiner Formel-1-Karriere. Seine wirklich guten Kumpel seien aber eher die Fahrer Nico Rosberg und Adrian Sutil.

Der Lässige: Seit zehn Jahren fährt Jenson Button, 30, in der Formel 1 mit, und der Brite aus Somerset gibt sich entsprechend so

Der Lässige: Seit zehn Jahren fährt Jenson Button, 30, in der Formel 1 mit, und der Brite aus Somerset gibt sich entsprechend souverän: "Ich habe letztes Jahr die Weltmeisterschaft gewonnen - ich muss niemandem mehr etwas beweisen."

Während des Modeshootings in Berlin, bei dem es um Spitzen-Outfits, aber nicht um einen Spitzenplatz im Konkurrenzkampf geht, verstehen sich beide blendend. Sie be­urteilen gegenseitig ihre Klamotten, Button verkneift sich dabei jeden Kommentar darüber, dass die meisten Sachen für den sehr schmal gebauten Hamilton zu groß sind. Mit Klammern werden die Jacketts in seinem Rücken geschickt fixiert, sodass sie auf den Fotos später wie angegossen sitzen. Neben­her wird über Mode getratscht. Hamilton hat 20 Anzüge in seinem Schrank, trägt aber lieber Sportswear. Button schwärmt pragmatisch von taillierten Anzügen mit schmalem Revers: "Die stehen mir am besten."Der iPod von Hamilton wird an die Musikanlage angeschlossen. Rihanna, Lady Gaga, The Kills. Doch es ist Button, der den Ton angibt. Hamilton erklärt mit leicht gequäl­tem Blick, wie fremd ihm die ganze Situation ist, das Make-up, die Stylisten, das Modeln an und für sich. "Ich stehe grundsätzlich nicht gern vor der Kamera. Ich sehe es als Herausforderung." Der Champion hat gesprochen. Findet er sich denn attraktiv? Hamilton weicht aus: "Ich glaube nicht, dass ich hässlich bin. Aber ich habe mich selbst nie als besonders gutaussehend ge­fühlt." Für Jenson Button hingegen ist der ganze Vormittag ein schönes Spiel. Er liebt die Kamera, posiert entspannt.

Zweimal war Jenson Button bereits verlobt, aktuell liebt er das japanische Model Jessica Michibata, 25. "Sie hat einen tollen Ge

Zweimal war Jenson Button bereits verlobt, aktuell liebt er das japanische Model Jessica Michibata, 25. "Sie hat einen tollen Geschmack, ich mag ihren Stil", sagt er.

Die größte Gemeinsamkeit der beiden Männer ist ihr Faible für schöne Frauen. Von Jenson Button heißt es, dass er beim Lunch ausschließlich über Autos und Frauen spreche. Hamilton bestätigt das grinsend. Alles in allem aber ist Button ruhiger gewor­den, das sagt er auch selbst. "Man lernt einfach mit den Jahren dazu. Ich bin nun 30 Jahre alt, und den größten Teil meiner Zeit verbringe ich damit, Rennen zu fahren. Klar, ich habe zwar ein Leben jenseits der Rennstrecke. Im Moment ist der Anteil aber deutlich kleiner." Und seine Freundin, das japanische Model Jessica Michibata? "Es ist toll, mit ihr zusammen zu sein, und für gewöhnlich finden wir auch abgelegene Plätze, an denen wir dann unsere Ruhe haben. Nachher fliege ich nach Australien, dort treffe ich sie wieder - darauf freue ich mich schon sehr." Button, der Womanizer, ganz treu und romantisch. Zumindest für einige Sekunden. Dann erzählt er wieder, dass die attraktiven Pussycat Dolls oft ein Thema zwischen ihm und Hamilton seien. Schmunzelnd schiebt er hinterher: "Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Lewis ist derjenige, der mit einer Pussycat Doll liiert ist, nicht ich."

Nach einer kurzen Auszeit ist Lewis Hamilton wieder mit Nicole Scherzinger, der Frontfrau der Girlband, zusammen. Dieses Mal soll es dauerhaft klappen. Mr. Pussycat bestätigt zumindest: "Ja, wir sind zusammen und genießen die Zeit mit­einander." Womit er keine Luxusreisen oder Shopping-Exzesse meint: "Ich bin ein normaler Typ. Ich mag Bowling, gehe gern ins Kino, in Restaurants. Und ich lache gern."

Wer dieses Jahr Champion wird? Eine Prognose wollen beide nicht abgeben, die Saison geht noch bis November. In Gedanken befindet Button sich manchmal sogar schon im Ruhestand: "Es gibt ein Leben nach der Formel 1. Eine Familie zu gründen ist nicht einfach, aber es wäre schön, sich irgendwo niederzulassen und auch mal länger als nur drei Tage an einem Ort zu sein." Würde er also lieber mit seiner Freundin im Cabriolet herumkurven als für den Formel-1-Zirkus in Kanada, Japan oder Abu Dhabi über die Strecken zu rasen? "Nein, im Moment ist nichts schöner und wichtiger für mich. Es geht darum, zu gewinnen und der Beste zu sein. Das ist es, was wir alle wollen." Lewis Hamilton wird Gas geben müssen. Aber daran ist er ja gewöhnt.

Alexander Stilcken

Mit Nicole Scherzinger, 31, ist Lewis Hamilton nach einer kurzen Auszeit wieder liiert. Er redet aber nicht viel über Gefühle -

Mit Nicole Scherzinger, 31, ist Lewis Hamilton nach einer kurzen Auszeit wieder liiert. Er redet aber nicht viel über Gefühle - lieber über Motoren.

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