Jean Sarkozy
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Jean Sarkozy Im Namen des Vaters

Wähler umgarnt er charmant, Konkurrenten schaltet er eiskalt aus: Jean Sarkozy hat viel von seinem alten Herrn gelernt

Eigentlich wollte er Schauspieler werden.

Model könnte er auch sein, und Lebemann ist er ohnehin. Nun sucht er sich eine neue Bühne: Jean Sarkozy macht es seinem Vater nach und geht in die Politik. Schon als kleiner Junge sei er süchtig gewesen nach Aufmerksamkeit und Ruhm, erzählte Cécilia Sarkozy einmal. Als seine Stiefmutter - Jean stammt aus der ersten Ehe von Nicolas Sarkozy - hat sie ihn schließlich gut kennengelernt.

Jean Sarkozy steht gern im Mittelpunkt
© GettyJean Sarkozy steht gern im Mittelpunkt

In Neuilly-sur-Seine holt Jean sich an diesem grauen Februartag eine neue Dosis Bewunderung: Von Reportern und Fotografen umschwärmt, schwebt er mit offenem Mantel, die Hände lässig in den Hosentaschen, durch die reichste Stadt Frankreichs. In einer Patisserie setzt er sich auf einen Kaffee zu ein paar älteren Männern, plaudert, lächelt, klopft ihnen zum Abschied auf die Schultern. Man sagt Sarkozys Zweitgeborenem eine Art gottgegebener Autorität nach. Als der 21 Jahre junge, großgewachsene Mann auf der Straße mit sanfter Stimme auf eine aufgebrachte Seniorin einredet, wird klar, was damit gemeint ist. "Ich will Ihnen etwas sagen", kündigt er der Frau an - und hat sie nach wenigen Minuten beruhigt. "Vertrauen Sie mir einfach", lautet seine Botschaft.

Er selbst hat viel Vertrauen in sich. Der Jurastudent kämpft für die UMP, die konservative Partei seines Vaters, um einen Sitz im Rat des Départements Hauts-de-Seine. "Die Kandidatur ist ein Risiko, das ich willens bin anzunehmen", erklärte er staatsmännisch der Zeitung "Le Figaro". Kritiker murren unterdessen, Jeans Risiko sei überschaubar: Der Wahlkreis ist für die vielen konservativen Wähler bekannt. Außerdem werde Jean ja wohl von seinem Vater, dem Präsidenten, unterstützt, oder? Die Antwort des Juniors: "Vom Präsidenten? Nein, von dem bekomme ich keine Ratschläge. Von meinem Vater? Sehr wohl. Er riet mir, immer ich selbst zu bleiben."

Vater Nicolas Sarkozy is Jeans großes Vorbild
© GettyVater Nicolas Sarkozy is Jeans großes Vorbild

Vor allem aber ist er wie Nicolas Sarkozy. Gesichtszüge und Gestik der beiden ähneln sich sehr. Ebenso ihre politischen Laufbahnen: Sarkozy senior war 22 Jahre jung, als er sein erstes Amt antrat - ebenfalls in Neuilly. Er nutzte damals innerparteiliche Querelen aus, um voranzukommen. So auch Thronfolger Jean. Seine erste politische Handlung war ein Putsch gegen den in Ungnade gefallenen Bürgermeisterkandidaten David Martinon. Das brachte dem Jungen mit dem Engelshaar den Beinamen "Monsieur Guillotine" ein. Beobachter sind sich einig: Dem steht eine große Karriere bevor.

Man hätte erwartet, dass der Beau in feingeistigen Gefilden landen würde, wie sein älterer Bruder Pierre, der Musiker. Doch offenbar ist Jean der hohen Kunst der Politik erlegen.