Javier Bardem

Dieser Böse ist gnadenlos gut!

Javier Bardem gilt schon jetzt als der heimliche Star im Bond-Film "Skyfall". So diabolisch, wie der Spanier den Gangster spielt, mag man kaum glauben, dass er privat ziemlich lieb ist

Rachsüchtig ist er, böse, mörderisch.

Ein Psychopath. Und trotzdem: Zum ersten Mal in der Geschichte der 007-Filme kann man als Zuschauer den Blick vom James-Bond-Gegenspieler kaum abwenden - was ganz klar am Darsteller liegt. , der Spanier aus Gran Canaria, ist als Raoul Silva der heimliche Star von "Skyfall". Der Blick aus seinen starren grünen Augen und das diabolische Lächeln sind furchtbar gruselig - und gleichzeitig ungeheuer anziehend.

James Bond

Der Spion, den wir lieben

James Bond Filme: "Casino Royal" 2006
James Bond Filme: "Quantum of Solace" 2008
James Bond Filme: "Skyfall" 2012
"Spectre"  2015

24

Die Komplexität dieser Rolle ist genau seine Kragenweite. Der 43-Jährige mit der weichen Stimme und dem bestechenden Akzent liebt facettenreiche Figuren. Und solche, von denen er weiß, dass er sie perfekt verkörpern kann. Eine Rolle in "Minority Report" zum Beispiel, die dann übernahm, lehnte Bardem vor zehn Jahren ab. "Ich sehe mich einfach nicht über Hausdächer rennen", erklärte er. Der ehemalige Agent Raoul Silva rennt nicht. Im Gegenteil: Bei seinem ersten Auftritt in "Skyfall" schreitet Javier Bardem dermaßen langsam auf den gefesselten Bond alias zu, dass es kaum auszuhalten ist. Schon in dieser Szene erkennt man, was Regisseur meint, wenn er Bardems Talent beschreibt: "Er vermittelt dieses grüblerische, animalische Gefühl, als würde er eine Bombe in sich tragen, die kurz davor ist zu explodieren."

Knallharter Gangster mit Entertainer-Qualitäten: Bardem als blondierter Raoul Silva. "Er brachte Ideen mit, die ich zunächst für

Knallharter Gangster mit Entertainer-Qualitäten: Bardem als blondierter Raoul Silva. "Er brachte Ideen mit, die ich zunächst für extrem hielt", sagt "Skyfall"-Regisseur Sam Mendes. Für seine Schauspielkunst wurde Javier Bardem gerade mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt.

Dass Javier Bardem als Privatmann, Ehemann, Familienvater ein eher ausgeglichener Mensch ist, liegt daran, dass er seine düsteren Charakterzüge im Beruf ausleben kann. "Mein Job ist meine Therapie", erklärte er jüngst in einem Interview. "Viele Menschen denken, Schauspieler wollen berühmt werden. Für mich gilt das definitiv nicht. Ich arbeite in diesem Beruf, weil ich mich mitteilen möchte." Seine Rollen mit geradezu obsessiver Genauigkeit zu entwickeln entspannt ihn. Von Beginn an hat er sich dabei helfen lassen. Juan Carlos Corazza war sein erster Schauspiellehrer, und Corazza coacht den Hollywood-Star noch heute, mindestens mit einem Kursus pro Jahr. Bardem nennt ihn ein "verdammtes Genie". Und Corazza erinnert sich in einem Bericht der amerikanischen "GQ" daran, wie Bardem vor mehr als 25 Jahren durch die Tür seiner Schauspielschule in Madrid kam: als allererster Schüler. Heute sind die beiden Männer nicht nur fester Teil eines engen Kreises von Schauspielern in der spanischen Metropole, sondern auch ganz enge Freunde.

Seit 2011 lebt Javier Bardem wieder in der Stadt, in der er nach der frühen Scheidung der Eltern mit seiner Mutter Pilar aufwuchs; sie ist wie seine Großeltern und Geschwister ebenfalls Schauspielerin. Gut, es gab auch eine kalifornische Phase: Mit seiner Frau wohnte er eine Weile in West Hollywood. Doch die beiden verkauften ihr Haus für 2,8 Millionen Dollar und verlegten ihren Wohnsitz in den Süden von Madrid. Dort fühlt Bardem sich wohl, dort lebt sein Bruder Carlos. Nahe der Plaza de Santa Ana führt seine Schwester Mónica das Restaurant "La Bardemcilla", einen urgemütlichen Laden mit holzgetäfelten Wänden und vielen Bildern geliebter Menschen an der Wand.

"Ich spreche nicht gern über Privates", sagt Javier Bardem. Aber so viel ist bekannt: 2010 heiratete er seine "Freundin und Gefä

"Ich spreche nicht gern über Privates", sagt Javier Bardem. Aber so viel ist bekannt: 2010 heiratete er seine "Freundin und Gefährtin" Penélope Cruz, 38.

Kurz nach der Hochzeit mit Penélope - er nennt sie in der Öffentlichkeit nie beim Namen, sagt nur "meine Frau" - wurde Bardem zum ersten Mal Vater. Der kleine Leo ist inzwischen 22 Monate alt. Mit ihm in der Kinderkarre geht er gern spazieren, vor den Blicken Neugieriger geschützt durch eine Baseballkappe und manchmal eine Sonnenbrille. Er gilt als ruhig und bescheiden. Einen Führerschein hat er nicht, und in Edelkarossen lässt er sich auch nicht gern chauffieren - Bardem nimmt lieber ein Taxi. Hobbys? Eher Leidenschaften. Bardem malt. Und er macht Sport, war sogar mal Rugby-Nationalspieler. Heute schaut er leidenschaftlich gern Fußball: Atlético Madrid ist sein Lieblingsteam, der FC Barcelona für ihn aber der "beste Club der Welt", wie er mal beteuerte. Ein harmoniesüchtiges Zitat, das viele schmunzeln ließ.

Doch der Mann kann auch polarisieren. Und wie! Seit vergangener Woche hat er das konservative Kabinett von Spaniens Premier gegen sich. Während eines Promo-Termins hatte Javier Bardem dessen Arbeitsmarktpolitik kritisiert: "Wir erleben in Spanien ein humanitäres Drama mit mehr als 25 Prozent Arbeitslosigkeit. Aber dieser Regierung ist das egal. Ihr ist ja nur recht, wenn die Bedingungen für die Arbeitnehmer schrecklich sind. So kann sie die Schulden allein mit dem Bleistift senken und Banken retten, statt verschuldeten Menschen zu helfen und ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen!" Als Reaktion darauf twitterte Parteisprecher Rafael Hernando: "Man muss schon ein großer Schurke sein, und zwar ein echter und nicht einer aus dem Film, um der Regierung so etwas zu unterstellen." Doch für seine vielen Fans ist und bleibt Bardem einer von den Guten. Ein Kumpeltyp, der sagt, was er denkt, der sich einsetzt - für die Rechte von Homosexuellen, gegen die Übermacht der Kirche. Was er über sein eigenes Leben sagt: "Ich bin glücklich und atme. Und ich danke wem auch immer da oben für das Geschenk, geliebt zu werden."

Mehr zum Thema

Star-News der Woche