Jared Leto

Rendezvous auf der Straße

Wie verhält man sich, wenn man zufällig dem Grund seiner schlaflosen Nächte auf der Straße begegnet? Klar ist: Man will lässig sein und sich auf keinen Fall wie ein hysterischer Teenie benehmen. Aber das geht nicht, wenn der Göttliche ein Hollywood-Star ist und Jared Leto heißt

Jared Leto

Man kann sagen, dass in meinem Leben noch nichts wirklich Aufregendes passiert ist. Nicht, dass ich nicht zufrieden wäre: Ich leide keinen Hunger, hatte eine glückliche Kindheit, mir wurde nie Gewalt angetan, alles normal. Das ist es: Alles völlig durchschnittlich. Immer okay, aber nie wirklich berauschend. In einer Welt mit scheinbar unendlichen Möglichkeiten, aufregende Dinge zu erleben, hatte ich schon oft das Gefühl, vom lieben Gott irgendwie vergessen worden zu sein. Immer knapp davor, von ihm ausgewählt zu werden und mal etwas wirklich Cooles zu erleben, wurde das durch irgendetwas doch wieder verhindert – bis zum 6. Mai 2008. Da dachte der Allmächtige endlich an mich.

Rocker-Attitüde: Entspannt gibt sich Jared Leto auch bei Konzerten, hier 2007 beim Download Festival

Rocker-Attitüde: Entspannt gibt sich Jared Leto auch bei Konzerten, hier 2007 beim Download Festival

Wir kurven durch Hamburg-St. Pauli auf der Suche nach einem Parkplatz. Ich werde langsam nervös und stecke damit auch meine beiden Freunde an. Wir sind auf dem Weg zum "30 seconds to mars"-Konzert im "Docks". 99 Prozent aller Frauen und ein nicht viel geringerer Prozentsatz der Männer werden mein Unruhigsein verstehen. Die Chance, zu sehen, genügt schon alleine, um, sagen wir mal, etwas hibbelig zu werden. Da braucht man keine zusätzlichen Parkplatzprobleme. Wir fahren seit mittlerweile 20 Minuten umher, und das Konzert soll in zwei Minuten beginnen. Ich lasse meinen Blick schweifen auf der Suche nach einer Mini-Lücke für unseren Mini, als plötzlich: Da ist er! Jared Leto.

"Da ist Jared Leto", sage ich zu meiner Freundin. Zeugen der Szenerie hätten in diesem Moment erleben können, wie zwei eigentlich meist ausgeglichene Mitzwanzigerinnen in dunkelste Teenager-Zeiten zurückfallen. Ein Zeuge ist in diesem Fall leider auch Jared Leto, der einen wissenden Blick auf unser, von unseren hektischen Kopfdrehungen mittlerweile bebendes, Auto wirft. Und da geht er auch schon weiter. Wir steigen aus, er dreht sich um, wir zögern, er geht (möglicherweise peinlich berührt, aber das kann niemand beweisen) weiter, wir steigen wieder ein. Unser treuer Freund, der den Wagen lenkt, verfällt langsam auch in Aufregung. Allerdings weniger durch den Anblick unseres Idols als vielmehr beim Blick auf die Taxen und den Polizeiwagen, die sich langsam hinter uns reihen.

Das große Zittern: Auf diesem Foto wären (von links nach rechts) zu sehen: Jared Leto, Carla Quick und Tomo Milisevic

Das große Zittern: Auf diesem Foto wären (von links nach rechts) zu sehen: Jared Leto, Carla Quick und Tomo Milisevic

"Ich muss weiterfahren, das war's halt", meint er. Wir überlegen: Wie peinlich wäre es, jetzt auszusteigen, hinter dem sich wieder in Sicherheit wiegenden Sänger herzulaufen und um ein Foto zu bitten? Was soll ich sagen: für uns nicht peinlich genug! Blinker gesetzt, wieder rechts ran und ausgestiegen. Atemlos (schnelles Gehen, stark ansteigende Herzfrequenz) hetzen wir an der Herbertstraße vorbei und sehen Jared eine Ampel überqueren. Als wir – ungemein lässig – die Ampel hinter uns lassen, steht er an der anderen Straßenseite und fragt "Are you following me?". Was soll man da sagen? "Nein, renne rein zufällig in die gleiche Richtung und sehe aus wie ein hypnotisiertes Schaf auf Ecstasy?" Oder: "Ja, denn ich möchte, dass du der Vater meiner Kinder bist, und weiß, wenn du mir nur eine Chance gibst, werden wir glücklich bis in alle Ewigkeit?"

Ich entscheide mich für ein kurzes "Actually, yes" und erkläre dann, dass wir warten, bis sein Konzert beginnt, und frage, ob wir ein Foto mit ihm machen dürfen. Glücklicherweise benimmt sich der Rocker höchst gentlemanlike, und wir beide dürfen uns für einen kurzen Moment zu den glücklichsten Frauen der Welt zählen und Jared Leto im Arm halten. Eine Sache muss noch geklärt werden: "How do you say 'cheese' in german?" "Käse". "Alright, so Käse." Hält sich ein Rocker natürlich nicht dran, auf dem Foto wird nicht gelächelt. Ist aber auch egal, wir sind glücklich. Mein Glück hält ungefähr 20 Sekunden. Dann stelle ich fest, dass meine Freundin vor Aufregung so gezittert hat, dass das Bild von Jared und mir völlig verwackelt ist. Womit wir wieder beim lieben Gott wären...

Nun ja, es ist die Erinnerung, die zählt. Und dass Jared beim anschließenden Konzert fröhlich erzählt, dass er heute ein tolles, neues deutsches Wort gelernt habe und das Publikum auffordert, laut "Käsii" zu sagen, während er ein Foto macht, entschädigt für vieles. Davon werde ich noch unseren Kindern erzählen!

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