James Cameron
© PR/Twentieth Century Fox James Cameron

James Cameron Der Gigant

"Avatar"-Regisseur James Cameron gilt als großspuriges Genie. Doch er hat auch eine ganz andere Seite, die nur wenige zu Gesicht bekommen

Keinen Cent Trinkgeld

hat James Cameron für die Bedienung im Coffee-Shop übrig. Dabei stellt sein Film "Avatar" mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz gerade neue Kassenrekorde auf. Der "graue Wolf", wie Cameron in Hollywood genannt wird, schiebt sich an anderen Wartenden vorbei, greift nach seinem Latte auf der Theke und brummelt sein "Thank you".. Dann zieht sich der 55-jährige Filmemacher in sein Büro zurück, um das zu machen, was er am liebsten macht - neue fantastische Kinowelten austüfteln.

"Ein Genie", schwärmen seine Fans. "Ein arroganter Sack", schimpfen seine Gegner. Cameron polarisiert - als Mensch und als Arbeitgeber. Denn der Regisseur ist ein absoluter Perfektionist und verlangt von seinen Mitarbeitern ebenfalls totale Perfektion. Ist er unzufrieden, kann es schon mal passieren, dass er einen seiner legendären Wutanfälle bekommt. "Jim und mich verbindet eine Art Hassliebe", erzählt "Avatar"-Star Sam Worthington. "Er trieb mich zum Äußersten. Aber genau darum geht es ja beim Filmemachen." Regisseur Steven Spielberg bestätigt: "James kennt keine Gnade. Nicht für sich, nicht für seine Crew. Er gibt immer 100 Prozent."

1998 stieg James Cameron mit "Titanic" zum Kino-König der Welt auf. Kate Winslet wurde für den Oscar nominiert, Leonardo DiCaprio nicht
© WireImage.com1998 stieg James Cameron mit "Titanic" zum Kino-König der Welt auf. Kate Winslet wurde für den Oscar nominiert, Leonardo DiCaprio nicht

Camerons Einsatz und seine Kompromisslosigkeit wurden belohnt: In den nächsten Wochen wird der Filmemacher sich buchstäblich selbst übertrumpfen, wenn das 3-D-Spektakel "Avatar" sein Ozean-Epos "Titanic" - mit 1,3 Milliarden Euro Einspielergebnis bislang Spitzenreiter - als erfolgreichsten Film aller Zeiten ablöst.

Cameron, das Kino-Genie, ist niemand, der Geduld für andere aufbringt. Und er ist definitiv kein Mann für die leisen Töne. Nicht, wenn es um seine Arbeit geht. Das gilt vor allem für seinen Umgang mit Schauspielern, über die er mal ganz generell gesagt haben soll, er würde am liebsten ganz auf sie verzichten. Leonardo DiCaprio etwa hat allen Kontakt zu dem Mann abgebrochen, dem er seinen Superstar-Status verdankt. Als Cameron jetzt den Golden Globe als bester Regisseur gewann, verdrehte Leo in der ersten Reihe genervt die Augen: Während andere zu Spenden für Haiti aufriefen, feuerte Cameron die Hollywood-Kollegen an, "uns selbst zu feiern, weil wir den besten Job der Welt haben".

Gar nicht erst gekommen war Leo 1998 zur Oscar-Verleihung, bei der "Titanic" mit elf Trophäen triumphierte. Und so verpasste er, wie Cameron sich - mit einem Leo-Zitat aus dem Film - zum "König der Welt" ausrief. Der Regisseur hat seinem Star bis heute nicht verziehen, dass er damals nicht an seiner Seite war. Erst kürzlich stichelte Cameron in einem Interview: "Mit Kate Winslet würde ich sofort wieder arbeiten. Mit Leo dagegen ..." Der einstige Teenie-Schwarm, längst zum Charakterdarsteller gereift, spiele "wie ein Wasserhahn: auf, zu".

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