Iris Berben
© Getty Images Iris Berben

Iris Berben "Mädels riskiert keine dicke Lippe!"

Alles für die Schönheit? Im exklusiven GALA-Interview fordert die Star-Schauspielerin neue Ideale – statt mit Spritzen und Skalpellen an der ewigen Jugend zu arbeiten. Das beste Beispiel? Sie selbst!

Sie gehört zu jenen Stars, die auch ohne Skript die Dinge auf den Punkt bringen – ob sie sich zum Beispiel für Israel engagiert oder für den Verein "Gesicht zeigen!". In GALA macht sich Iris Berben nun für ein Thema stark, das ihr ebenso am Herzen liegt: das Selbstbewusstein von Frauen jenseits der vierzig. In mehr als vier Jahrzehnten vor der Kamera hat sie Comedy so überzeugend wie Charakterrollen gespielt, von "Sketchup" bis zu Bertha Krupp, ist inzwischen Präsidentin der Deutschen Filmakademie und erlebt in diesem Show-Umfeld oft den Druck, "etwas machen zu müssen". Sie selbst hat widerstanden. Bei unserem Treffen in Berlin lächelt Iris Berben, inzwischen zweifache Großmutter, sehr oft. Dann sieht man die kleinen Linien um ihren Mund. In anstrengenden Wochen mit vielen Terminen trinke sie konsequent keinen Alkohol, sagt sie. Eine schöne Frau mit einem strahlenden Teint, für den manch Zwanzigjährige sie beneiden würde. Glatt gebügelt ist hier nichts. Ein Gespräch über Optik und Charakter.

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Ihr Sohn Oliver und seine Frau Katrin haben 2015 Nachwuchs bekommen. Wie fühlen Sie sich als Großmutter?

Jetzt bin ich eine zweifache Oma – wie schön. (Oliver wurde vor 16 Jahren schon einmal Vater; Anm. d. Red.) Es ist ein unglaublich zärtliches und warmes Gefühl, dass diese neue kleine Familie zu mir gehört.

Sie verstehen sich mit Ihrem Sohn, einem erfolgreichen Produzenten, sehr gut. Das konnte man gerade wieder sehen, als Sie zusammen auf der Berlinale unterwegs waren.

Es ist schön, dass wir beide in der gleichen Branche arbeiten. Uns auf Veranstaltungen zu treffen freut uns, denn wir sehen uns sonst viel zu selten.

Holt er sich Tipps von Ihnen?

Nein, gar nicht mehr. Ich hole mir Tipps von ihm! Manchmal habe ich Fragen zu Regisseuren oder Projekten, und tatsächlich kann er mir meist helfen.

Sie sind jetzt mit 65 Jahren zur L’Oréal-Paris-Markenbotschafterin ernannt worden. Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Ich lebe einfach weiter. Ich bin offen, leidenschaftlich, neugierig und wach. Natürlich bin ich mit 65 nicht mehr die Gleiche, die ich mit 20 war. Man teilt sein Leben und seine Energie anders ein. Tatsächlich gibt mir mein Alter aber auch mehr Freiräume.

Wie meinen Sie das?

Ich habe in meinem Leben viel geleistet und abgeliefert. Jetzt darf ich auch mal weniger politisch korrekt sein. Ich nähere mich wieder der Zeit an, in der ich mit der Schauspielerei angefangen habe. Das ist die Freiheit, die ich jetzt habe. Und ich bin mir durchaus bewusst, wie luxuriös das Leben ist, das ich leben darf. Dass ich Filme drehen darf und immer wieder auf neue Generationen treffe, mit denen ich arbeiten kann. Das hält mich jung.

Klingt so, als würden Sie das Alter sehr locker betrachten.

Ich denke nicht viel über das Älterwerden nach. Worüber ich nachdenke, ist die Endlichkeit. Das ist Wehmut, ganz klar. Wahrscheinlich weil ich einfach so gerne lebe und noch so gerne lange leben möchte. Ich habe mir nichts vorgenommen, habe keine Lebensplanung.

Iris Berben: Iris Berben mit Lebensgefährte Heiko Kiesow sowie Sohn Oliver Berben und dessen Ehefrau Katrin, die als PR-Agentin arbeitet. Die beiden sind voriges Jahr Eltern geworden
© Getty ImagesIris Berben mit Lebensgefährte Heiko Kiesow sowie Sohn Oliver Berben und dessen Ehefrau Katrin, die als PR-Agentin arbeitet. Die beiden sind voriges Jahr Eltern geworden

Es gibt doch sicher auch bei Ihnen etwas, das Sie unbedingt noch erleben wollen?

Ich möchte so gerne noch in die Antarktis. Die Sonnenseiten der Welt habe ich gesehen – aber das ist ein Teil der Erde, den ich noch nicht kenne. Die Natur und die Bilder faszinieren mich.

Vielen Menschen, vor allem Frauen, macht der ganz normale körperliche Verfall zu schaffen. Wie ist das bei Ihnen?

Wenn ich sehe, wie Menschen aus ihrem Gesicht etwas machen, von dem sie glauben, es lasse sie jünger aussehen, ist das traurig. Es gibt so viele andere Möglichkeiten, etwas für sein Wohlbefinden zu tun. Wenn Lippen zu schmal sind, kann man sie doch überschminken. Das tue ich im Übrigen auch. Also Mädels, riskiert keine dicke Lippe!

Sie haben nie daran gedacht, etwas machen zu lassen?

Ich wollte immer anders sein als alle anderen. Am Anfang meiner Karriere hat man mir geraten, die Zähne richten zu lassen. Mittlerweile sind 45 Jahre vergangen und ich habe immer noch schiefe Zähne. Man sollte nicht so schnell nachgeben, sondern erst einmal zu einer Persönlichkeit reifen. Und wenn man dann mit dem großen Busen oder den abstehenden Ohren nicht leben kann, lässt man es richten. Einem Ideal hinterherzulaufen finde ich falsch.

Manche Schauspielerinnen sehen das anders.

Ja, schade. Man sollte nicht unter dem Druck stehen, etwas machen zu müssen. Wie will man denn sonst Rollen spielen, die dem Alter angemessen sind? Susan Sarandon hat es einmal auf den Punkt gebracht, sie sagte: "Soll sich doch ganz Hollywood operieren lassen, dann bekomme ich die ganzen Rollen ab 60!"

Welche Frauen inspirieren Sie?

Helen Mirren und Susan Sarandon. Als ich gehört habe, dass ich neben diesen Schauspielgrößen als Markenbotschafterin für L’Oréal werben soll, hat mein Herz höher geschlagen. Das sind Frauen, die ich in ihrer Arbeit schätze und in ihrer politischen Haltung, keine Barbie-Puppen. Sie sind schön, weil sie sich einen Charakter erarbeitet haben. Sie strahlen vor Schönheit, ohne Facelift und Botox.

Haben Sie spezielle Pflegerituale?

Ich gehe absolut nicht in die Sonne, aber regelmäßig zur Kosmetikerin und pflege meine Haut täglich mit einer Tagespflege mit hohem Lichtschutzfaktor. Ich habe von Natur aus eine sehr gute Haut, wie meine Mutter und meine Oma. Das ist wirklich ein Geschenk. Genauso wie die Tatsache, dass ich keinen Sport treibe.

Wie bitte, Sie machen gar keinen Sport?

Als Schülerin war ich eine Sportskanone. Das hat aber schlagartig aufgehört.

Wie halten Sie sich dann fit?

Ich gehe mit meinem Hund spazieren und fahre gerne Fahrrad. Eigentlich bin ich ständig in Bewegung. Ein wenig Sport würde mir aber sicher gut tun, ich roste langsam ein. (lacht) Würde ich abnehmen wollen, dann würde ich sicher Sport treiben.

Sie wollen ja wahrscheinlich auch nicht noch mal in den „Playboy“, oder?

Na ja, jetzt wo man auch angezogen reinkommt … (lacht)