Vivienne Westwood
© Getty Vivienne Westwood

Vivienne Westwood "Trage nur, was zu dir passt"

Vivienne Westwood verbindet schon seit vielen Jahren eine besondere Liebe mit der Bundeshauptstadt. Ehrensache, dass sie zur Fashion Week ihre Kollektion präsentiert. Im Gespräch mit GALA verrät sie, was sie sonst noch bewegt

Sie ist eine der Mütter des Punkrocks und polarisierte schon in den wilden Siebzigern mit ihren tabulosen und unkonventionel­len Ideen die Massen. Obwohl Vivienne Westwood heute in der High Society der Modemacher ihren festen Platz hat, hat auch sie klein angefangen. Ihr gehörte eine Londoner-Boutique, die den gleichen Namen trug wie ihre neueste Duftkreation: "Let it Rock". Sie lebt nach dem Motto, dass nur tote Fische mit dem Strom schwimmen, Kleidung versteht sie als expressiven Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Diese Auffassung gab sie jahrelang an der Hochschule der Künste an Berliner Studenten weiter. Auch ein Grund, warum sie gern an unsere Hauptstadt denkt und es mag, durch die Straßen von Berlin zu schlendern. In GALA schwärmt sie von ihrem neuen, extravaganten Duft, von der Metropole und hält ein glühendes Plädoyer für Individualität und ausgelassene Kreativität.

Gala: Sie haben eine besondere Beziehung zu Berlin. Was macht für Sie den Charakter dieser Stadt aus?

Vor und nach dem ersten Weltkrieg war Berlin eine wichtige Stadt für Styling und Mode. Mein Eindruck heute rührt von seinen breiten Straßen her. Alles ist sehr offen, sehr frei, und so fühlt es sich auch für mich an. In Berlin ist alles möglich. Meine Studenten können in Berlin einfacher Wohnungen finden und bringen ganz leicht Projekte in Gang. So vermittelt die Metropole ein Gefühl von Aktivität, von kreativer Energie. Ich liebe die Café-Kultur, vor allem das "Einstein". Und die Gemäldegalerie mag ich auch. Menschen reden, und es gibt einen konstanten Ideen-Austausch. Darum freue ich mich darauf, "Anglo­mania", meine Streetwear­Kollektion, nach Berlin zu bringen.

Gala: Wer ist Ihrer Meinung nach die Stil-Ikone schlechthin?

Mir fallen zum Beispiel Romy Schneider ein und natürlich Marlene Dietrich. Die sprach von "Kleidung fürs Image". Wir haben ein kleines, kurzes Leben, und wir sollten uns so kleiden, wie es am besten zu unserem Image in eben diesem Leben passt.

Gala: Ihr Dresscode für die Fashion Week?

Schau aufmerksam in den Spiegel und trage nur, was wirklich zu dir passt. Kaufe wenig und wähle es genau aus. Trag es, wenn du darin toll aussiehst und kümmere dich nicht darum, ob du modisch bist. Folge nicht der Menge. Kaufe von Designern und setze dich von denen ab, die herumlaufen wie Klone.

Gala: Und welche Rolle spielt Parfum?

Ich denke an Jerry Hall, die vor vielen Jahren für uns gemodelt hat, sich Parfum ins Haar sprühte und es einfach zur Seite warf, bevor sie hinaus auf den Catwalk ging. Sie ist ein wahres Energiebündel mit Glamour und Selbstbewusstsein und dabei absolut stilsicher. Vielleicht erklärt das die Tatsache, warum Parfum so wichtig ist.

Gala: Sie haben jetzt selber ein neues Parfum entwickelt. Was war die wichtigste Inspiration dabei?

Ich wollte immer ein Portfolio an Düften kreieren - jeder sollte sich vom anderen unterscheiden. Der neue Duft, "Let it Rock", verkörpert puren Glam-Rock-Appeal. "Let it Rock" war auch der Name meines ersten Shops. Das Parfum enthält Noten von Patchouli, was ich sehr liebe und mit der damaligen Zeit in Verbindung bringe. Der Duft ist stark und verdient diesen Namen.

Gala: Was war Ihnen besonders wichtig?

Ein Duft muss Menschen anziehen, er sollte sie zueinander bringen.

Gala: Wie würden Sie den Frauentyp beschreiben, für den das Parfum gemacht ist?

Es ist ein Duft für ein ambitioniertes, glamouröses Rock-Girl, das herumkommt. Ein Mädchen, das möglicherweise einen Freund in einer Rockband hat, großartig aussieht und ein großartiges Kleid trägt, das beste Kleid. Ihr Haar mag etwas feucht sein, vielleicht von einer durchtanzten Nacht. Sie ist anspruchsvoll und kennt ihren Wert. Ich habe Sable Starr im Kopf, die Freundin von Johnny Thunders von den "New York Dolls". Sie trug enge, hochgerollte, mit Sternen übersäte Tops, eine Menge Glitzer und Plateauschuhe. Eine smarte, gerissene Frau, die wusste, was sie wollte und wie sie es bekommt.

Gala: Wann ist ein Parfum ein klassisches Parfum?

Wenn es Aura, Herz und Seele hat. Es ist die Ausstrahlung weiblicher Präsenz und die Verlockung, alle ihre Facetten entdecken zu können. Man sollte das Gefühl haben, ihre Haut riechen zu wollen, und genau das macht es so sexy.

Gala: Ihr erstes Dufterlebnis?

Der Geruch frisch gewaschener Wäsche und der Duft der Landschaft, wenn meine Mutter uns nach draußen zum Spielen schickte. Wir kletterten über die Zäune und gingen zu einem Steinbruch, wo zwischen Wurzeln überall Glockenblumen wuchsen. Dort war dieser unvergesslich heiße, feuchte Geruch von Maiblüte.

Gala: Was war Ihr erstes Parfum?

"Shocking" von Schiaparelli, im Alter von 18, als Kellnerin in Jersey. Ich erklärte dem Verkäufer, ich wolle ein anspruchsvolles Parfum. Kürzlich roch ich das Original - es wird nicht mehr angeboten - und ich dachte, es ist ein Traum von Parfum: so anders als alle anderen und dabei doch wunderschön.

Gala: Welchen Duft verbinden Sie damit, nach Hause zu kommen?

Ich liebe Schnittblumen. Und Vasen sind meine große Schwäche. Ich habe Vasen für wirklich alle Blumen, und ich liebe Rosen.