Ulrich Thomsen
© Getty Images Ulrich Thomsen

Ulrich Thomsen Er bringt's immer noch

Früher arbeitete er als Pizzabote, heute ist Ulrich Thomsen ein internationaler Filmstar

Gut im Geschäft ist er ja

- doch woher kennt man Ulrich Thomsen bloß? Der Däne mimte den Bond-Bösewicht in "Die Welt ist nicht genug" und brillierte neben Martina Gedeck in "Bella Martha". Im Thriller "Das letzte Schweigen" (jetzt im Kino) gibt der 46-Jährige einen Psychopathen.

Vor Ihrer Schauspielkarriere haben Sie in Los Angeles als Pizzabote gearbeitet. Wie sind Sie bloß an diesen Traumjob gekommen?

Ach, das war kurz nach der Schulzeit. Eines Nachts waren mein Freund und ich ziemlich betrunken. Und da kamen wir auf den brillanten Gedanken, für ein Jahr nach Los Angeles zu gehen, um uns zu amüsieren. Und irgendwie musste ich ja drüben Geld verdienen.

Welchen Stars haben Sie Pizza geliefert?

Die Pizzeria, für die ich gearbeitet habe, war ein todschickes Restaurant. Die haben da alle gegessen: Clint Eastwood, Don Henley, die Jackson-Familie. Faye Dunaway habe ich mal Pizza gebracht und Linda Evans. Sogar Cary Grant habe ich mal eine geliefert.

Warum sind Sie nach Ihrem Erfolg als Bond-Schurke nicht selbst nach Los Angeles gezogen?

Ich hatte schon nach "Das Fest" einen Agenten dort. Der meinte, es sei einfacher, mich als europäischen Schauspieler zu verkaufen, wenn ich nicht in Hollywood lebe. Sobald du dort wohnst, bist du nur noch einer von vielen, und es wirkt, als ob du verzweifelt auf der Suche nach Arbeit bist. Produzenten riechen so etwas. Je rarer du dich machst, desto interessanter bist du für sie. Es reizt sie, wenn sie dich nicht kriegen können.

Der Mann, den Sie in "Das letzte Schweigen" spielen, ist nicht gerade ein Sympathieträger. Haben Sie keine Bedenken, mit der Rolle identifiziert zu werden?

"Kein Sympathieträger" ist schön formuliert. Aber ich finde gerade extreme Rollen interessant und versuche, sie noch vielschichtiger als im Drehbuch zu machen. Mit der Realität hat das aber nichts zu tun. Meine elfjährige Tochter hatte aber ähnliche Bedenken wie Sie.

Nehmen Sie so eine intensive Rolle mit nach Hause?

Ich kann mich glücklicherweise ganz gut von den Menschen trennen, die ich verkörpere. Ich schlage zu Hause nicht meine Frau, nur weil ich einen Psychopathen spiele. (lacht)

ba

Ulrich Thomsen hatte schon mehrere Rollen in Hollywood. "Das letzte Schweigen" ist allerdings wieder ein deutscher Film, hier bei der Berlin-Premiere mit Regisseur Baron bo Odar und Wotan Wilke-Möhring.
© WireImage.comUlrich Thomsen hatte schon mehrere Rollen in Hollywood. "Das letzte Schweigen" ist allerdings wieder ein deutscher Film, hier bei der Berlin-Premiere mit Regisseur Baron bo Odar und Wotan Wilke-Möhring.