Toni Collette
© Getty Toni Collette

Toni Collette "Wir fühlten uns wie im Backofen"

Für ihre Rolle als tatkräftige Mutter in einer Chaosfamilie ist Toni Collette gerade für einen Golden Globe nominiert worden. Bei den Dreharbeiten zum ebenfalls nominierten Film "Little Miss Sunshine" nahm sie sich Zeit für ein kurzes Interview mit uns

Ihr Gesicht kennt mittlerweile jeder, mit dem Namen hapert es vielleicht noch ein bisschen. Doch Toni Collette tut so eniges, damit man sich auch den endlich merken kann. Nachdem sie vor ein paar Jahren im gruseligen "The Sixth Sense" die bemitleidenswerte Mutter eines kleinen Jungen spielte, der Gespenster sah, öffneten sich Hollywoods Tore wie von Geisterhand für Toni. Seitdem geht's stetig bergauf, in "In den Schuhen meiner Schwester" etwa spielte sie die Hässliches-Entlein-Schwester von Cameron Diaz (und die Sexbombe locker an die Wand).

Zum Glück hat die Frau vom fünften Kontinent weiterhin Zeit für diese kleinen feinen Independent-Filme, und nimmt sie genauso ernst wie die großen Blockbuster. Kein Wunder, denn damit fiel sie damals auch den Regisseuren weltweit auf: Als übergewichtiger Abba-Fan Muriel Haslop, der alles daran setzt, unter die Haube zu kommen, gelang ihr in "Muriels Hochzeit" eine Sensation. Die hatte ihren Preis - 20 Kilo in sieben Wochen musste sie sich für die Titelrolle anfuttern. Solche Strapazen erspart sie sich heute lieber. Und überzeugt ganz einfach mit Selbstironie und großer Schauspielkunst. Privat pflegt Toni übrigens ein ganz unglamouröses Leben mit ihrem Ehemann Dave Galafassi, mit dem sie sogar eine Band hat.

Nach dem entzückenden "Little Miss Sunshine" um eine chaotische Familienbande bleibt Toni Collette beschäftig - im neuen Jahr laufen gleich vier neue Filme mit ihr an. Gestresst wirkt die lustige Australierin aber nie, und das macht sie auch abseits der Leinwand sehr sympathisch, wie das persönliche Gespräch mit ihr beweist.

GALA: Frau Collette, Ihre Filmfamilie in "Little Miss Sunshine" wirkt wie eine echte Familie.

Toni Collette: In der Tat. Wir sind uns alle sehr nahe gekommen, haben Völkerball und Poker gespielt und waren gemeinsam bowlen. Ausserdem war Hochsommer in der Wüste Kaliforniens als wir den Film drehten. Es gab keine Klimaanlagen, wir fühlten uns wie im Backofen. Wir schwitzten so sehr, dass wir nun die Körpergerüche voneinander kennen.

GALA: Sie haben eine eigene Band - "Toni Collette & the finish" - und Ihr Mann ist der Schlagzeuger. Darf er das auch zu Hause?

Toni Collette: Es ist unsere Band, aber ich schreibe die Lieder. Unsere erste CD "Beautiful Awkward Pictures" kommt zuerst in unserer Heimat Australien heraus, danach erst in Amerika. Und ja, Dave darf trommeln. Er hat zum Glück ein elektronisches Drumkit daheim und trägt Kopfhörer - so stört er nicht.

GALA: In letzter Zeit wirken Sie femininer und stilvoller. Gab es einen Grund für den Wandel?

Toni Collette: Ich war jahrelang ein Tomboy, sicherlich auch deshalb weil ich zwei Brüder habe. Ich habe schon viele verschiedene Modephasen durchgemacht. Einmal habe ich meinen Kopf kahl rasiert. Es passierte in Mexiko und ich hatte bereits ein paar Tequilas getrunken. Dann hatte ich meine Nackt - und Hippie-Phasen und als Teenager trug ich Doc Martens und Netzstrümpfe. Erst in den letzten Jahren bin ich weiblicher geworden.

GALA: Als Schauspieler muss man in der Lage sein, in ungewohnte Rollen schlüpfen zu können. Nutzen Sie diese Fähigkeit auch schon mal im wirklichen Leben?

Toni Collette: Als ich elf Jahre alt war gab ich vor, starke Bauchschmerzen zu haben und meine Mutter brachte mich zum Doktor. Bei Abtasten jauchzte ich auf - und mir wurde der Blinddarm entfernt. Ich wollte einfach nur wissen, wie es denn ist den Blinddarm rausoperiert zu bekommen.