Take That

"Jeder von uns wollte der Beste sein"

Neue CD, neue Tour: Take That knüpfen nach der Reunion nahtlos an die großen Erfolge an. Gala sprach mit der Band übers Erwachsenwerden, Eifersüchteleien und graue Haare

Take That

Take That

Das Sofa in der "Maria Callas"-Suite

im Londoner "Savoy" fällt schmal aus. Trotzdem passen alle drei locker drauf: , immer noch der Kompakteste der Truppe, der kleine und der kernige mit dem für ihn typischen Dreitagebart. , die erfolgreichste Boygroup der Neunzigerjahre, ist wieder da!

Robbie Williams

Rockin' Robbie

9. März 2017   Momente eines Popstars: Robbie Williams ist seit über 25 Jahren in der Musikszene und hat als Mitglied der Boyband "Take That" seine Karriere begonnen. Da sammeln sich großartige Augenblicke und Looks. Und er ist wandelbar, das zeigt hier die Fotocollage. 
8. März 2017   So kündigt ein Robbie Williams seine "The Heavy Entertainment Show" an, die schon in 12 Wochen, im Juni 2017, beginnt. 
9. Februar 2017   Robbie Williams sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Skandale. Dieses Bild gehört nicht dazu. Es ist nur ein Bühnenoutfit und er kann es tragen im Jahre 1997. 
4. Februar 2017   Wenn ein Mann rosa Blouson und Trainingshose tragen kann, ohne einen Imageverlust zu erleiden, dann ist es definitiv Robbie Williams. 

38

Alle Querelen sind bereinigt, die wird als Comeback des Jahres gefeiert. Jetzt erscheint das neue Album "Progress" und der Ticketverkauf für die Europatour im Frühjahr 2011 bricht alle Rekorde. Was ist neu bei Take That? Sie sind älter geworden, aber im Herzen immer noch kleine Jungs. Sie nehmen sich gegenseitig auf die Schippe, doch sie gehen freundlich miteinander um. Jeder kennt die Macken des anderen - und weiß sie heute zu nehmen.

Take That startete 1990 als gecastete Boygroup. Was sind Sie heute, mit Ende dreißig, Anfang vierzig?

Jason Orange Erst mal muss ich sagen: Wir mochten den Begriff Boygroup früher überhaupt nicht. Das klang so abwertend. Aber heute stört mich das nicht mehr. Im Gegenteil: Ich mag es, als "Boy" bezeichnet zu werden. Ist doch schmeichelhaft, noch immer als Junge gesehen zu werden.
Robbie Williams Vielleicht sind wir jetzt eine Männerband? Wir haben über so etwas nie groß nachgedacht.
Jason Wir haben uns ja noch nicht mal den Namen Take That selber ausgesucht! (alle drei lachen)
Robbie Wir haben früher bei Take That eigentlich gar nichts selber gemacht!
Jason Sagen wir's so: Heute sind wir eine Gruppe von Typen, die miteinander abhängen, zusammen Musik machen und die Gesellschaft der anderen genießen.
Mark Owen Yeah!
Robbie Okay, da bin ich dabei.

Take That, die erfolgreichste Boygroup der Neunzigerjahre, ist wieder da!

Take That, die erfolgreichste Boygroup der Neunzigerjahre, ist wieder da!

Wie würden sie die Beziehung untereinander beschreiben? Sind sie Freunde? Geschäftspartner?

Jason Wir sind Freunde, Geschäftspartner - und gute Rivalen.
Mark Das stimmt. Von allem ein bisschen.(Robbie Williams nickt)

Fördert Rivalität auch die Kreativität in einer Band?

Mark Wenn es eine gesunde Rivalität ist, dann ja. Wenn es in Konkurrenzdenken und Eifersüchteleien ausartet, kann es eine Band killen. Wie man bei uns ja gut sehen konnte.
Robbie Jeder von uns wollte der Beste sein und die anderen ausstechen. Also zumindest weiß ich, dass es bei mir so war.
Mark Jeder von uns wollte im Mittelpunkt stehen. Auf der Bühne und ...
Robbie ... eigentlich doch in jeder Hinsicht, oder? Der Beste auf der Bühne, beim Trinken, beim Angeben, bei den Frauen.
Mark(verdreht die Augen) Also, ich war immer der Beste beim Trinken.
Robbie Dass wir alle solche Angeber waren und dass wir alle groß rauskommen wollten, hat Take That am Anfang beflügelt, da bin ich mir sicher.

Apropos Trinken: Die "Sun" meldete, auf der aktuellen Take-That-Tour hätte die ganze Band sich Alkohol verboten, damit Robbie und Mark nicht in Versuchung geraten. Stimmt das?

Robbie Nein, das ist Blödsinn. Warum sollte es ein Alkoholverbot geben? Das wäre ja so, als wenn ich nie mehr eine Straße runtergehen dürfte, in der es es einen McDonald's gibt, bloß weil ich schnell dick werde. Verstehen Sie, was ich meine? Wir können ja auch nicht alle Kohlenhydrate in unserem Backstagebereich verbieten.
Mark Man hat immer die Wahl. Aber man muss schon selber wählen.

1996 brach die Band auseinander. wenn sie heute zurückschauen: Welche Fehler haben Sie gemacht?

Jason Ich hätte lauter meine Meinung sagen sollen. Ich war zu ängstlich.
Mark Ach, ich war tierisch glücklich darüber, dass die Band auseinandergebrochen ist. Ich hatte die Schnauze voll. Ich war erschöpft und müde. Wir waren einfach am Ende.
Robbie(überlegt) Ich war damals, was meine Gefühlswelt angeht, weit weg. Zu mir konnte niemand durchdringen. Aber auf der anderen Seite konnte auch ich keinen der anderen mehr erreichen. Ich denke, keiner trug allein die Schuld an unserem Niedergang. Höchstens unser damaliges Management.

Noch mal einen Schritt zurück: In der Anfangszeit sind sie ja in Gay-Clubs aufgetreten ...

Robbie Oh ja! Da gab es zum Beispiel einen Laden, der "La Cache" hieß, ich weiß nicht mehr genau, wo das war. Auf jeden Fall stand ich mit einem anderen Typen in dieser kleinen, improvisierten Umkleide. Plötzlich sehe ich, dass der sich einen runterholt ... Ihr kennt das sicher: Man ist total geschockt von etwas, aber man versucht, es sich nicht anmerken zu lassen. Der Typ bearbeitet sich also intensiv, und ich sage: Hey, Mann, was geht ab? Erst später habe ich geschnallt, dass das einer der Stripper war, der sich nur auf seinen Auftritt vorbereitet hat. (alle drei prusten los)

GALA-Chefreporter Hauke Herffs (2. v. r.) traf sich in London mit Robbie, Mark und Jason.

GALA-Chefreporter Hauke Herffs (2. v. r.) traf sich in London mit Robbie, Mark und Jason.

Robbie, Sie haben kürzlich in einem TV-Interview gesagt, dass Sie sich in den vergangenen Jahren ausgebrannt gefühlt haben und wohl eine längere Auszeit genommen hätten, wenn es jetzt nicht die Take-That-Neuauflage gegeben hätte. Nun sind Sie also wieder im Studio, absolvieren PR-Termine, gehen demnächst auf Tour. Wie fühlt sich das an?

Robbie Einer meiner Grundsätze lautet: Ich mache nur Dinge, hinter denen ich hundertprozentig stehe. Dinge, die mich inspirieren, die mich anregen. Das ist hier der Fall. Genau diese Sache macht mich im Moment glücklich. Mit den Jungs Songs zu schreiben und zu touren, ist besser als zu Hause in L.A. herumzusitzen, mit meinen Hunden spazieren zu gehen oder Fußball zu spielen. Zugegeben, als ich ausgestiegen bin, hätte ich nie gedacht, dass ich mich wieder so aufs Proben, aufs Tanzen freuen könnte.

Ist es für Sie der gesündere Weg, wieder Teil einer Band zu sein und nicht allein im Rampenlicht zu stehen?

Robbie Es ist momentan der einzige Weg für mich.

Take That (l. ein Foto aus der Anfangszeit) begründeten neben New Kids on the Block und 'NSync den Boyband-Boom. Gary, Howard, M

Take That (l. ein Foto aus der Anfangszeit) begründeten neben New Kids on the Block und 'NSync den Boyband-Boom. Gary, Howard, Mark, Jason und Robbie (v. l.) wurden über eine Annonce gecastet. 1995 stieg Robbie aus, ein Jahr später löste sich die Band auf.

Manche sagen, Sie seien nur deshalb zurückgekehrt, weil Ihre Solokarriere nicht mehr so rund lief.

Robbie Okay, auf die Gefahr hin, dass ich wie ein Arschloch klinge: Mein Greatest-Hits-Album ist momentan in 14 Ländern auf Platz eins. Mein letztes Album hat mehr verkauft als "Circus", die ja die erfolgreichste Platte von Take That war. Da frage ich mich: Was lief bei mir angeblich nicht rund? Fuck off! Brauche ich vielleicht das Geld? Nein! Finanziell bin ich längst abgesichert. Um die Kohle geht es keinem von uns.

Sie sind heute das, was man "Männer im besten Alter" nennt. Robbie und Jason bekommen die ersten grauen Haare ...

Mark(springt auf) Von wegen "Robbie und Jason"! Ich habe auch graue Haare! Hier!
Jason Rob hat aber eindeutig die meisten.

Schon mal damit geliebäugelt zu färben?

Robbie Ich habe meine Haare früher andauernd in den buntesten Tönen gefärbt. Wenn ich das heute machen würde, würden alle sagen: Ja, ja, du willst bloß deine grauen Strähnen kaschieren. Deshalb mache ich es nicht mehr. Aber das ist auch kein Problem - ich mag meine grauen Haare. Ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn der ganze Schopf grau werden würde.
Jason Also, ich bin erwachsen, und ich fühle mich gut damit. Aber ich hoffe, dass ich mir das kindliche Gemüt erhalten habe: neugierig sein auf die Welt, ein bisschen naiv sein, träumen können.
Mark So sehe ich das auch. Wenn man sich die kindliche Naivität erhält, muss man keine Angst vorm Älterwerden haben.

In festen Händen: Nach der Hochzeit mit Ayda Field gehört Robbie Williams wie Mark Owen und Gary Barlow nicht mehr zur Junggesel

In festen Händen: Nach der Hochzeit mit Ayda Field gehört Robbie Williams wie Mark Owen und Gary Barlow nicht mehr zur Junggesellenfraktion.

Robbie Tja, und ich? Bin ich erwachsen geworden? Ein wenig. Ich war 16, als wir mit Take That losgelegt haben. Als ich fünf Jahre später ausgestiegen bin, kam recht schnell der Erfolg mit "Angel". Ich musste nie Verantwortung übernehmen, hatte immer Assistenten um mich. In den vergangenen Jahren musste ich umlernen, und ganz ehrlich: Die Lernphase ist noch nicht abgeschlossen.

Wie sieht es jetzt eigentlich mit den privaten Plänen aus, Robbie? Sie und Ihre Frau Ayda hatten doch Babypläne - werden die verschoben, weil Sie demnächst auf Tour gehen?

Robbie Nicht, wenn es nach Ayda geht. Sie will jetzt und sofort Kinder. Am liebsten gleich drei. Aber ich versuche es noch etwas hinauszuzögern.
Jason Hey, sie will doch nur drei.
Robbie Na ja, immer noch drei mehr als ich will.

Wären Sie ein guter cooler Daddy?

Robbie Entweder ist man ein guter Daddy, weil man ein Naturtalent ist – oder weil man sich dazu verpflichtet fühlt. Nach dem Motto: Du setzt ein Kind in die Welt, also hast du die verdammte Pflicht und Schuldigkeit dich um dieses Kind zu kümmern. Ich hoffe, dass für mich cer erste Punkt zutrifft. Ich hoffe, dass ich ein Naturtalent bin.

Hauke Herffs

Star-News der Woche