Sean Penn
© Getty Images Sean Penn

Sean Penn - Oscar Der Oscar-Rebell

Von Hollywood hat Sean Penn nie viel gehalten. Umso mehr hält die Filmwelt von ihm. Im Interview spricht er über seinen zweiten Oscar

Für die Titelrolle in "Milk", der Kinobiografie des schwulen Politikers Harvey Milk, erntete Sean Penn seine fünfte Nominierung und konnte seinen zweiten Oscar in Empfang nehmen. Der 48-Jährige ist so überzeugend, dass Laudator Robert De Niro witzelte: "Wie kann es sein, dass dieser Mann all die Jahre Heterorollen gespielt hat?" Obwohl er bei früheren Verleihungen regelmäßig durch Abwesenheit glänzte, kam Sean Penn dieses Jahr gern: "Milk" liegt ihm wirklich am Herzen.

Herzlichen Glückwunsch zum Preis! Zum ersten Mal kamen Sie 2004 zu einer Oscar-Verleihung und haben prompt gewonnen: die Trophäe als bester Hauptdarsteller für "Mystic River". Warum waren Sie vorher nie da?

Weil diese ganze Veranstaltung fürs Fernsehen gemacht wird. Mein Geschmack ist das jedenfalls nicht. Es macht mich wahnsinnig, dass es nur darum geht, wer das beste Kleid trägt. Ich schäme mich für meine Kollegen. Außerdem gibt es so etwas wie den besten Schauspieler nicht.

Trotzdem sind Sie damals hingegangen.

Ja, dem Film und meiner Familie zuliebe. Es war toll, meine Mutter und "Mystic River"-Regisseur Clint Eastwood lächeln zu sehen. Aber ich war froh, als nach drei Stunden alles vorbei war. Gewinnen finde ich merkwürdig. Zehn Stunden danach bist du noch so betrunken, dass du es nicht fassen kannst.

Kein Wunder, dass viele Sie als Rebell sehen.

Ich sehe mich selbst nicht so.

Und Ihre Frau Robin Wright Penn? Immerhin hat sie schon einiges mit Ihnen durchgemacht.

Wir sind beide ganz schön krank und verrückt. Aber unsere Liebe ist umso tiefer, eben weil sie so kompliziert ist.

Sie haben Hollywood vor Jahren auch privat den Rücken zugekehrt, nachdem Ihr Haus in Los Angeles abgebrannt war.

Das war eine sehr befreiende Erfahrung. Da wird einem erst bewusst, wie viel Energie man auf sinnlose Dinge verwendet. Ich konnte die Fotoalben von meinen Kindern und unsere Hunde retten. Allem anderen weine ich keine Träne nach.

Die Schwulen-Ikone Harvey Milk zu verkörpern war eine Herausforderung. Suchen Sie solch schwierige Rollen?

Klar. Sonst hätte ich ja gleich Model werden können. Ich gebe immer alles. Wenn ich das nicht kann, macht es mich fertig.

Wie würden Sie Harvey Milk beschreiben?

Er war die Freundlichkeit in Person. Er hat alle Hindernisse überwunden, die ihm wegen seiner sexuellen Neigung im Weg standen. Nur wenn man seine Meinung vertritt, ändert sich etwas - das ist die Botschaft von "Milk".

Kann der Film die gesellschaftliche Einstellung zur Homosexualität verändern?

Im Film spricht Harvey darüber, wie wichtig es ist, anderen Menschen mitzuteilen, dass sie schwule Freunde oder Kollegen haben. Das ist für mich ein Schlüsselmoment. Ich hoffe, der Film macht den Leuten bewusst, dass Homosexuelle ganz normale Menschen sind, und dass er sie von Vorurteilen und Angst befreit.

Was bringt Sie als Schauspieler und Regisseur dazu, sich für ein Projekt zu entscheiden?

Ein Film sollte das Leben bereichern und feiern, nachdenklich machen und provozieren. Manchmal wird so etwas sogar in den USA gedreht. Ich wurde schon öfter als "europäischer" Filmemacher bezeichnet, weil mich Dinge interessieren, welche die Amerikaner kaum beschäftigen. Ich verstehe das als Kompliment.