Sarah Connor
© Getty Images Sarah Connor

Sarah Connor "Ich frage sie ganz frech um Geld"

Der Haitianer Wyclef Jean ist ein engagierter Spendensammler für seine Heimat. Sängerin Sarah Connor kennt den Musiker gut und erzählt von der Arbeit seiner Stiftung und davon wie sie selbst Geld eintreibt.

Wyclef Jean beim Konzert zum Friedensnobelpreis im Dezember 2009
© Getty ImagesWyclef Jean beim Konzert zum Friedensnobelpreis im Dezember 2009

Die Erdbeben in Haiti und das daraus resultierende große Elend der Bevölkerung rührt Menschen weltweit. Aucb viele Stars melden sich zu Wort, werben um Spenden oder werden selbst aktiv. Zu den Engagiertesten gehört der Musiker und Produzent Wyclef Jean, bekannt aus der Band "The Fugees", der in Haiti geboren wurde. Er warb im TV um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für das Katastrophengebiet, für einen großangelegten Evakuierungsplan für rund 2 Millionen Menschen.

Seine Stiftung für die soziale Entwicklung Haitis, "Yéle Haiti", ist nicht unumstritten: Neben Gerüchten um Finanzengpässe kam in den letzten Wochen über die politische Website "The Smoking Gnu" der Vorwurf auf, es sei zu viel der Spendengelder in Verwaltungsbudgets geflossen, dazu noch an Jean und Partner selbst. Jean selbst verteidigt die Arbeit seiner Stiftung, auf einer Pressekonferenz gestand er ein, sicherlich Fehler gemacht, aber niemals Stiftungs-Geld persönlich genutzt zu haben.

Sarah Connor und Wyclef Jean kennen sich von ihrer Zusammenarbeit bei Sarahs Song "One Nite Stand (of Wolves and Sheep) feat. Wyclef Jean" im Jahr 2002.

Gala: Wie haben Sie Wyclef Jean als Menschen kennen gelernt? Wie würden Sie ihn beschreiben?

Als liebenswürdigen, verrückten, charmanten Menschen mit einem großartigen selbstironischen Sinn für Humor, der sich nicht um Oberflächlichkeiten schert, sondern der an Menschen interessiert ist. Er ist einer der kreativsten Künstler, die ich kennengelernt habe, und er hat einen starken Bezug zu seinem Ursprungsland Haiti. Ich habe ihn oft Creole sprechen hören, wenn er mit Freunden und Verwandten in Haiti telefoniert hat. Und wenn wir lange Autofahrten hatten, hat er manchmal Geschichten aus seiner Kindheit erzählt. Das sind Anekdoten und Erinnerungen, die einen kaum glauben lassen, dass aus einem Kind mit seinem Background und den Dingen, die er gesehen hat, mal ein so geerdeter, disziplinierter Musiker mit einer solchen Karriere hätte werden können.

Andererseits, wer Wyclef mal getroffen hat, versteht sofort, warum er heute da ist, wo er ist. Ich bewundere ihn dafür, dass er sich bei allem Erfolg und der permantenten Versuchung, dem Konsum in unserer westlichen Welt nachzugeben, doch immer wieder seinem Heimatland zugewandt hat. Soeben hat er aus aktuellem Anlass wieder eine Million Dollar an seine Stiftung "Yéle Haiti" gespendet.

Gala: Unterstützen Sie ebenfalls seine Organisation Yéle Haiti? Wenn ja, warum?

Ja, ich bin mit einem der Leiter der Stiftung in Kontakt und versuche alles, um die Organisation in diesen Tagen von hier aus zu unterstützen. Zur Zeit telefoniere ich alle meine Freunde, die gut betucht sind, ab und frage sie ganz frech um Geld. Auch meine Plattenfirma, meine Werbepartner und meine Managementagentur habe ich überredet Geld zu spenden und natürlich spende ich selbst auch. Ich bin stolz auf die Großzügigkeit der Deutschen. Es berührt mich sehr zu sehen, dass selbst in schwierigen Zeiten die Menschlichkeit und das Mitgefühl in unserem Land noch immer an vorderster Stelle steht.

Gala: Was halten Sie von seinem Engagement für die Erdbebenopfer?

Ich habe letzte Nacht einen Link gesehen, den sein bester Freund mir geschickt hat. Es ist ein Interview mit Wyclef und seiner Ehefrau in Haiti, nachdem die beiden gerade aus den Trümmern gestiegen sind, wo sie den ganzen Tag bis zur Dunkelheit mitgeholfen haben Leichen auszugraben. Er spricht von Kindern, die er nicht retten konnte, und ich konnte in seiner Stimme hören, wie traumatisierend diese Stunden gewesen sein müssen. Er ist mittlerweile selbst Vater einer Adoptivtochter aus Haiti. Clef und seine Frau haben meinen größten Respekt, dass sie tatsächlich sofort nach Port-au-Prince geflogen sind, und selbst Hand angelegt haben! Wer von uns kann das schon behaupten?

Es ist wichtig für die Menschen, die zu Opfern wurden dort vor Ort, die am Abend nicht wissen, wo sie mit ihren Kindern schlafen sollen, und denen nichts bleibt als ihr Glaube an Gott, dass jetzt in diesen Stunden Menschen ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind und nicht einfach so ihrem Schicksal überlassen werden. Dass die Welt jetzt auf Haiti guckt und vielleicht nun zum ersten Mal nachhaltige Veränderungen unternimmt!