Samantha Geimer - Roman Polanski

"Man lässt mich einfach nicht in Ruhe"

Samantha Geimer, die Frau, die Roman Polanski vor über 30 Jahren vergewaltigte, sprach mit Gala über die Tat, ihre Beziehung zum Star-Regisseur und die vergangenen Jahre

Roman Polanski Samantha Geimer

Roman Polanski Samantha Geimer

Regisseur sitzt in Auslieferungshaft in der Schweiz - 32 Jahre nach der Vergewaltigung der damals 13-jährigen Samantha Gailey. Gala sprach mit Samantha, die heute mit Nachnamen heißt und inzwischen 45 Jahre alt ist.

Samantha, wie haben Sie von Roman Polanskis Verhaftung erfahren?
Ein Freund hat es in den Nachrichten gesehen. Er hat mich angerufen und gewarnt. Ich habe den Fernseher angemacht und kurz darauf ging es dann auch schon los.

Was genau?
Die Reporter. Sie standen - und stehen - vor meiner Tür, belästigen meine Kinder, meine Nachbarn. Mein Telefon klingelt rund um die Uhr. Seit Jahren immer wieder dasselbe. Man lässt mich einfach nicht in Ruhe.

Haben Sie die Hoffnung, dass Sie durch Polanskis Verhaftung jetzt einen Schlussstrich ziehen können?
Kaum. Ich wünsche mir sehr, dass die Sache endlich abgeschlossen wird, aber solange Reporter mit meiner Geschichte Geld machen können, werden meine Familie und ich durch den Dreck gezogen werden. Für uns waren diese letzten paar Tage schrecklich. Das ganze ist so lange her. Ich war ja noch ein Kind. Und trotzdem werde ich immer wieder, bis heute, zum Opfer gemacht.

Schon damals, als die Geschichte ans Licht kam, gingen die Medien zum Teil sehr hart mit Ihnen ins Gericht.
Ja, am Anfang hat mir niemand geglaubt. Man sagte, ich hätte es erfunden, ich wolle nur ins Fernsehen. Als junges Mädchen ist das schwer zu verkraften. Vor der ganzen Geschichte wollte ich Schauspielerin werden, deshalb bin ich ja überhaupt mit Mr. Polanski in dieses Haus gefahren, in dem alles passiert ist. Er wollte mich fotografieren, und ich dachte, Bilder von einem so berühmten Mann würden meiner Karriere helfen. Aber nach der ganzen Geschichte hatte ich von dem Showbiz genug.

Unter den Fotos, die Sie dort gemacht haben, waren auch Aktbilder. Haben Sie sich damals nicht gewundert, als er Sie gebeten hat, ihr Oberteil auszuziehen?
Ich weiß, heute muss das naiv klingen, aber ich war ja noch so jung. Ich kannte die Fotos von Models, die auch halb nackt waren. Außerdem dachte ich: Er ist Europäer, da ist das vielleicht normal. Als er dann zu mir in den Whirlpool kam, in dem er mich fotografiert hat, war klar: Da stimmt was nicht. Aber ich wusste irgendwie nicht, was ich tun soll, um ihn loszuwerden.

Viele Filmschaffende wie , oder haben sich in den letzten Tagen zu Wort gemeldet und Polanski in Schutz genommen. Verletzt Sie das?
Ich habe Verständnis dafür, dass Menschen sich für ihre Freunde einsetzen.

Hatten Sie und Roman Polanski in all den Jahren Kontakt?
Ja, das hatten wir. Darüber, wie das abgelaufen ist, möchte ich nicht sprechen, aber Mr. Polanski hat mir gegenüber sein Bedauern ausgedrückt. Er hat mich wissen lassen, dass es ihm leid tut.

Reicht das?
Ich weiß nicht, ob es all den anderen Leuten reicht, die sich jetzt zu Wort melden. Er hat sich bei mir entschuldigt. Er hat einen Fehler gemacht, aber so sind Menschen eben. Ich habe ihm vergeben. Wenn ich heute seinen Namen höre, fühle ich keine Wut mehr. Was andere darüber denken, spielt keine Rolle.

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