Rolando Villazón
© Getty Images Rolando Villazón

Rolando Villazón "Ich bin doch nicht verrückt!"

Opernstar Rolando Villazón verrät, wieso er einen Psychiater braucht und warum er fast Priester wurde

Zappelphilipp.

Das könnte der zweite Vorname von Rolando Villazón sein. Die Momente, in denen der weltbekannte Tenor beim Interview ruhig auf seinem Platz sitzt, lassen sich an einer Hand abzählen. Nach einem halben Jahr Pause bis Anfang 2008 ist er inzwischen wieder schwer aktiv. Er hat eine Platte mit Händel-Arien aufgenommen, und sein Konzertkalender 2009 quillt über vor Terminen.

Rolando Villazón tritt am 30. April in Berlin und am 08. Mai in Hamburg auf
© Getty ImagesRolando Villazón tritt am 30. April in Berlin und am 08. Mai in Hamburg auf

Anna Netrebko und Sie gelten als Traumpaar der Oper. Streiten Sie auch mal?

Nein. Zwischen uns stimmt einfach die Chemie. Wir harmonieren auf der Bühne und haben beide extrem viel Spaß am Singen.

Gab es bei Ihnen mal einen Moment, als das nicht mehr so war? Vor Kurzem haben Sie ein halbes Jahr pausiert.

Ich war an einem Punkt, an dem ich nicht mehr konnte. Deswegen die Auszeit, die wunderschön war. Ich habe mich ganz meiner Familie gewidmet. Morgens brachte ich meine beiden Söhne zur Schule, und mit meiner Frau Lucy bin ich oft ins Museum gegangen.

Ihre Frau ist Psychologin und hat Sie, als Sie 23 waren, zum Psychoanalytiker geschickt. Was war da los?

Sie meinte, dass eine Psychoanalyse mir helfen könne, das Beste aus mir herauszuholen. "Du hast großes Potenzial, aber du bist zu ungestüm", sagte sie. Ich dachte: Ich bin doch nicht verrückt! Heute möchte ich meinen Therapeuten nicht mehr missen.

Weshalb?

Mein Psychoanalytiker verurteilt mich nie, ich kann ihm alles erzählen. Er hilft mir, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zum Glück verhält er sich nicht wie ein Priester, der mir vorschreibt, was richtig oder falsch ist. Aber es dauerte auch eine Weile, bis ich wirklich bereit für diesen Weg war.

Stimmt es eigentlich, dass Sie selbst mal Priester werden wollten?

Ja. Gott hatte mich gerufen, glaubte ich damals. Ich erklärte Lucy: "Wir müssen unsere Beziehung beenden." Sie reagierte völlig cool, wünschte mir Glück. Wo bleiben die Tränen, fragte ich mich. Ich lebte dann einige Zeit im Kloster, entschied mich aber letztlich für die Liebe und die Musik.



Dagmar Leischow